Schöne Berufsbezeichnung, „Poesie DJ“, aber was genau machst du? Im Prinzip mixe ich Gedichte mit Musik so, dass man sie tanzen kann. Seit wann machst du das? Vor 11 Jahren, im ersten Semester meines Studiums, habe ich angefangen, Poesie Shows zu veranstalten. Eines Abends im Bett hatte ich den originelle Einfall, im Substanz in München Gedichte in die Musik einzubauen. Ich habe versucht, Leute für diese Idee zu begeistern, aber niemand wollte richtig. Für zwei Monate war die Idee wieder weg. Dann, eines Nachts, hatte ich einen hellen Traum. Ich bin aufgewacht und habe mir mit Edding aufgeschrieben, „das darfst du nicht vergessen“. Den Zettel habe ich heute noch. Am nächsten Tag habe ich mit Poesie-DJing angefangen. Und nie wieder aufgehört.

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Wie hast du das gemacht? Am Anfang habe ich vor allem Elektromusik mit Gedichten kombiniert. Aber mit der Zeit hat sich durch den Einbau der Gedichte mehr und mehr meine eigene Handschrift entwickelt. Das erste Gedicht, dass ich verwendet habe, war Novalis „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“. Zur gleichen Zeit habe ich die Sprechplattensammlung meines Vaters geerbt, das waren ca. 150 Vinylplatten – ein guter Anfang. Wie viele Literaturplatten sind es mittlerweile? Über 1500 Stück. Ich bin ständiger Ebay- und Flohmarktkunde. Und sobald ich in einer fremden Stadt bin stöbere ich ganze Nachmittage durch die Plattenläden Was ist die Idee hinter dem abc Festival? Es geht darum, Events mit Brecht zu veranstalten, die kein reines Rezitieren sind. Es gibt zwar eine Vielzahl von Rezitationen, aber es geht auch darum, sich mit Brecht kritisch auseinander zu setzen. Wir haben auch bewusst Leute eingeladen, die Brecht nicht mögen. Getreu dem Zitat von Schriftsteller Heiner Müller: „Brecht gebrauchen, ohne ihn zu kritisieren, ist Verrat“. Was genau machst du auf dem Brecht Festival? Gemeinsam mit Ko Bylanzky mache ich den ganzen jungen Literaturteil. Wir organisieren und moderieren. Beim BeatBoxBrecht zum Beispiel legen wir nur auf, den ABC Schüler Poetry Slam 2006 und den Großen ABC Poetry Slam moderieren wir auch.

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Worum geht’s bei dem Schüler Poetry Slam? Der ist das Resultat von Workshops, die ein Jahr lang gelaufen sind. Das sind drei Klassen aus je acht bis neun interessierten jungen Leuten. Eine Prosaklasse, eine Performance Klasse und eine Rap Poetry Klasse, die von sehr namhaften Künstlern geleitet werden. Bei ihnen haben die Schüler gelernt, Gedichte und Stories zu schreiben. Natürlich hat Brecht dabei eine gewisse Rolle gespielt. Bis dahin wussten die Schüler wenig über ihn, für die sind viele der großen Dichter reine Folterinstrumente. Aber ihre Sicht auf Brecht hat sich gewandelt. Und auch wenn sie eigene Gedichte geschrieben haben, hat man den Einfluss von Brecht gemerkt. Das waren wirklich tolle Resultate. Beurteilt wird das beim Poetry Slam von drei Fachjuroren und zwei Gästen aus dem Publikum. Die Sieger bekommen einen Pokal. Ausserdem werden sie auch weiterhin gefördert, da das abc-Festival auf drei Jahre angelegt ist. So lange werden die jetzigen Klassen laufen, und es wird neue zusätzliche Klassen geben Ist Brecht für junge Menschen besonders geeignet? Er ist auf jeden Fall passend für Jugendliche, für die heutige Zeit ist er ein idealer Dichter. Er schreibt klar und unverschnörkelt. Dadurch ist er für Rap Poetry besonders geeignet. Er ist zeitkritisch und es ist nicht so lange her, dass er geschrieben hat. Auch wichtig: er hat ziemlich jung mit dem Schreiben angefangen. Warum lohnt es sich, zum abc-Festival zu kommen? Weil es dort Literatur in ihrer spannendsten Form gibt. Der Dichter geht weiter über das Schreiben hinaus und performt seinen Text bis ins letzte Detail. Gerade bei den hochkarätigen Slam-Poeten, wenn es darum geht, herauszufinden, wer der beste ist. Da kommt es darauf an, wie der Kontakt zum Publikum ist, was für Inhalte jemand rüberbringt und wer am besten performt. Fotos: Abc-festival.de