Carpe Freizeit! Die Seite freitimer koordiniert das Cliquenleben

Ein Online-Freizeitplaner soll Menschen helfen, ihr Cliquenleben besser zu planen. freitimer- Mitgründer Fabian Anger darüber, was Online-Communities mit Freundschaft zu tun haben und warum wir nicht immer nochmal telefonieren sollten.
wlada-kolosowa

Wenn man die Clique zusammentrommeln will, glühen oft die Leitungen und schmilzt das Kontingent der Frei-SMS. Mit freitimer soll sich das ändern: Die Seite ist eine Mischung aus Terminkalender und einem Tool, das hilft, das Cliquenleben zu koordinieren. Seit letzten Freitag kann man dort mit wenigen Klicks Einladungen zum Fußball, zu Shoppingtouren und Kaffeeklatsch verschicken. Wer Zeit hat und wer nicht, ist sofort sichtbar. Ein Autorisierungssystem sorgt dafür, dass nur echte Freude in Kontakt treten können - so soll Zeitverschwendung durch oberflächliche Online-Freundschaften vermieden werden. Die Macher wollen dir Zeit im Internet und am Handy sparen, damit du deine Freunde "in Echt" länger sehen kannst. Dazu ein paar Fragen an Fabian Angerer, einer der Gründer der Website: [b]jetzt.de: Was hast du am Wochenende gemacht? [/b] [b]Fabian[/b]: Am Freitag waren wir in München weg. Ansonsten stand Fußball und Essengehen an. [b]Hast du das per "freitimer" ausgemacht? [/b] Ja. Zweimal wurde ich eingeladen, einmal war ich der Initiator. Inzwischen sind 15 Freunde von mir angemeldet. [b]Wie viele Freunde hast du denn bei StudiVZ?[/b] Ungefähr 100. Aber das ist das Problem: Die Plattform ist gut, um zum Beispiel Kontakt zu alten Schulfreunden zu halten. Für Freizeitplanung ist sie sinnlos. Ich würde ja nur mit einem Bruchteil meiner StudiVZ-Freunde was unternehmen, die meisten sind oberflächliche Bekannte. Ab und zu kommt es mir vor, als würden manche Nutzer nur Buddys anhäufen, um sich zu profilieren. Frei nach dem Motto: 'Schau an, wie beliebt ich bin'. [b]Bei "freitimer" sollen sich also nur wahre Freunde versammeln? [/b] Oder zumindest Leute, mit denen man so vertraut ist, dass man ihre Handynummer kennt. Wenn du bei freitimer jemanden als Freund hinzuzufügen willst, musst du seine Handynummer eintippen und er muss dich autorisieren. Fremde werden also nie von deiner Existenz erfahren. Klar, die Plattform wächst dadurch nicht so schnell. Aber dafür wird man auch nicht von seltsamen Unbekannten gegruschelt.

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Illustration: Julia Schubert

Männer, die unsere Freizeit retten wollen. Die Macher von freitimer von links: Ralph Buchfelder, Alexander Fischer, Fabian Angerer. (Foto: privat) [b]Euer Ziel ist es ja, die Leute von den Rechnern und von den Handys weg zu holen, damit sie mehr Zeit für ihre realen Freunde haben. Ist das aber nicht absurd, dass sie sich dafür in einer weiteren Online-Community anmelden müssen? [/b] Erstmal: freitimer ist keine Community, eher ein Tool, eine Dienstleistung. Man kann weder Nachrichten schreiben, noch Bilder hoch laden. Unser Ziel ist nicht, die Leute so lange wie möglich auf unserer Seite zu halten - die Nutzer sollen nicht stundenlang von Profil zu Profil klicken, sondern sich gezielt verabreden. [b]Aber das kann man doch auch per SMS machen. [/b] Ja, aber bis man alle abtelefoniert und durchgesmst hat, dauert das wieder Stunden. Früher war das noch einfacher. Einer sagte am Freitag in der Schule: Sonntag, 17 Uhr, kicken. Und alle, die wollten, waren tatsächlich da. Heute heißt es immer: Lass uns nochmal telefonieren. Irgendwie sind wir nicht mehr fähig, eindeutige Zusagen zu geben. Vielleicht, weil wir uns alles offen halten möchten. Und es inzwischen zu viele Möglichkeiten gibt, miteinander in Kontakt zu treten. [b]So wirklich neu ist die Idee aber nicht. Es gibt ja schon "amiando", "invyte", "doodle" … [/b] Wir sind aber die ersten mit einem ausgeklügelten Autorisierungssystem. Und auch die einzigen, die den Service mobil anbieten. [b]Habt ihr denn jetzt wirklich mehr Freizeit? [/b] In den letzten Wochen müssen wir jeden Tag von 8 bis 20 Uhr an unserem Projekt arbeiten. In unserem Fall hat freitimer wohl das komplette Gegenteil bewirkt. Aber wir sind ja auch die Macher.

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