"Da steht Traumpartner gegen Lebenstraum"

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jetzt.de: Georg Ratzinger sagt über seinen Bruder, Papst Benedikt XVI., er sei noch nie verliebt gewesen sei. Hast du dich schon mal zu einem Menschen hingezogen gefühlt?
Jacqueline Straub: Och, ich habe sogar einen Freund. Wir sind auch schon lange zusammen, dreieinhalb Jahre jetzt.

Dein Freund weiß, dass du Priesterin werden willst?
Wir haben schon darüber gesprochen. Ich habe ihm auch gesagt: Falls ich mich zwischen ihm und dem Amt der Priesterin entscheiden müsste, dann würde ich mich für das Amt entscheiden.

Nicht gerade eine Liebeserklärung.
Er versteht das. Er sagt: Wenn es wirklich das ist, was du tun willst, dann tu es. Aber: Es wäre schon hart, wenn ich mit ihm Schluss machen müsste, um Priesterin zu werden. Da steht Traumpartner gegen Lebenstraum.

Warum ist es überhaupt dein Traum, katholische Priesterin zu sein?
Das würde meinen Glauben vollkommen machen. Ich bewundere jeden Pfarrer, der vorne steht und predigt und die Eucharistie feiern darf. Ich würde so gerne Kinder taufen. Oder Ehen schließen. Für mich ist das mehr als ein Beruf, eine Berufung. Ich liebe die Kirche einfach.

Du würdest dann Kinder taufen, dürftest aber keine eigenen haben.
Ich hätte ja viele Kinder und Familien um mich und könnte für sie da sein. Ich halte das Zölibat für eine angenehme Lebensform. Es ist ein würdiges Leben. Den Studenten im Priesterseminar, mit denen ich spreche, fehlt eigentlich nichts.

Du möchtest keine eigenen Kinder?
Ich liebe Kinder. Und wenn ich nicht Priesterin werden kann, dann werde ich Pastoralreferentin. Und klar: Dann will ich auch einen Mann und Kinder. Es geht mir nur darum, dass das Zölibat oft zu negativ dargestellt wird.

Sex würde dir nicht fehlen?
Sexualität steht für mich jedenfalls nicht an erster Stelle in einer Beziehung. Da geht es auch um Geborgenheit, Vertrauen. Grundsätzlich hätte ich aber auch nichts dagegen, wenn das Zölibat abgeschafft würde. Ich glaube nur nicht, dass das bald so kommt. Und das finde ich, wie gesagt, auch nicht schlimm, es ist besser als sein Ruf und ich respektiere die Meinung des Papstes – er hat die Weltkirche im Blick.

Warum wechselst du nicht einfach in die evangelische Kirche?
Ich bin Katholikin und ich möchte in meiner Kirche etwas ändern. Und wenn Frauen Priesterinnen werden dürften, wäre das ein Zeichen für eine Erneuerung.

Wolltest du schon immer Priesterin werden?
Als ich 15 Jahre alt war hat mich eine Klassenkameradin auf ein christliches Jugendcamp mitgenommen. Von da an habe ich mich intensiv mit meinem Glauben beschäftigt. Ich habe nur ein Buch zu Hause, das nicht religiös ist. Sophies Welt – aber da geht’s ja auch um Philosophie, das ist also verwandt. Aber davor bin ich eigentlich gar nicht so gern in die Kirche gegangen. Unser Pfarrer war damals nicht so toll. Später habe ich dann aber auch andere Pfarrer getroffen, die mir auf meinem Weg sehr geholfen haben.

Du liest also. Welche Hobbies hast du denn sonst so?
Gestern war ich tanzen, in einem Club hier in Freiburg. Da lief House und ein bisschen R’n‘B, das kommt aber selten vor  – ich male viel. Und ich boxe.

Bitte? Ja, ich habe einen Boxsack zu Hause und wenn mich jemand stresst, dann schlag ich da drauf.

Als Priesterin müsstest du Konflikte aber eher kontemplativ lösen, oder?
Klar, ich bete oft. Aber das Boxen macht mir eben auch Spaß, ich geh demnächst auch ins Fitness-Center und boxe da. Ich bin Fan der Klitschko-Brüder.

Durchsetzungsvermögen wirst du brauchen, wenn du wirklich Priesterin werden willst. Wie kam es eigentlich zu deinem Brief an den Papst?
Es gab eine Anzeige in der Zeitung. Der Herder-Verlag hat Freiburger darin aufgefordert, Texte an den Papst zu schreiben. Da hab ich meinen Brief hingeschickt, und die haben ihn genommen.

Wie wird der Papst reagieren?
Ich bin eine kleine Theologiestudentin im dritten Semester. Der Papst wird nicht morgen anrufen und mit mir reden.

Dann wärst du nicht enttäuscht, wenn sich durch deinen Brief nichts ändert?
Das wär nicht schlimm. Jesus Christus und der liebe Gott, die werden das schon regeln.


Auf der zweiten Seite findest du Jacquelines Brief. Er erscheint in dem Buch „Freiburg begrüßt Benedikt XVI.". Der Papst bekommt dieses Buch am Freitag bei seinem Besuch in Freiburg überreicht. 




Herzlich Willkommen, Papst Benedikt XVI.

Ich glaube, ich spreche im Namen aller werdenden Theologen und Theologinnen der Albert- Ludwigs-Universität in Freiburg, wenn ich sage: Wir freuen uns auf den Papstbesuch! Es wird für uns alle ein besonderes Erlebnis werden, von dem wir noch Generationen nach uns erzählen werden – und alle hoffen natürlich, dass sie den Papst aus nächster Nähe sehen werden.

Viele meiner Kommilitonen beschäftigen sich mit den Themen „Zölibat" und „Frauenordination". Wir diskutieren, ob es möglich sein könnte, dass in Zukunft die Priesterkandidaten des Collegium Borromaeum heiraten dürfen. Bei dem Stichpunkt „Frauenordination" gibt es sehr geteilte Meinungen. Viele sagen, dass sie es sich nicht vorstellen können, dass es in der katholischen Kirche jemals Priesterinnen geben werde. Auf der anderen Seite sind einige für eine Erneuerung der katholischen Kirche und fänden diesen Schritt sehr gut. Doch würde – und das ist allen klar – ein Problem aufkommen: Zwar mag Deutschland für Frauen als Priesterinnen sowie die Aufhebung des Zölibats bereit sein, doch wie sieht es mit anderen Ländern aus? Ist es kirchenrechtlich überhaupt möglich, eine „Sonderregelung" oder gar eine „Vorreiterrolle" für den deutschsprachigen Raum einzuführen?

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von heute beschäftigen sich sehr mit diesen Themen. In Sachen Frauenordination kann ich von meiner eigenen Betroffenheit sprechen. Ich würde so gerne Priesterin in der katholischen Kirche werden. Mit größter Überzeugung und ganzer Liebe zu Gott und zur Kirche möchte ich diese Berufung leben und ausführen. Mein größter Wunsch würde in Erfüllung gehen, wenn mir diese Möglichkeit geboten werden würde. Doch ich weiß, dass dies alles in den Händen Gottes liegt und ich jede Entscheidung seines Vertreters auf Erden für die richtige ansehen werde. Ich bin gespannt, was uns zukünftig alles erwartet und was für Umbrüche es in der katholischen Kirche geben wird. Und ich bin sehr gespannt, ob mein Traum mit Gottes Hilfe vielleicht eines Tages wahr werden kann.

Jacqueline Straub 


Text: fabian-mader - Foto: meli.photodesign

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