Daniela lebte in der Heimat von Muhammad Ali und Hunter Thompson

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Wo kommst du genau her? Aus Louisville, Kentucky. Dort habe ich bei einer Gastfamilie mit drei Töchtern und einem Sohn gelebt, die waren zwischen fünf und 14 Jahren alt. Für mich war es eine Ehre, Deutschland repräsentieren zu dürfen. Ich denke, ich bin der Rolle der „jungen Botschafterin“ gerecht geworden.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Warum gerade Amerika? Dafür habe ich mich schon vorher interessiert. Am wichtigsten war es mir, weit weg zu kommen. Im Internet habe ich mich über Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen, informiert. Das Stipendium passte gut, weil ich gerne in ein englischsprachiges Land wollte. Was hast du dort hin mitgenommen? Ein paar Informationen über Deutschland. Ich habe an meiner Schule und an den Schulen meiner Gastgeschwister Vorträge gehalten über deutschen Alltag und deutsche Geschichte und viele Fragen der amerikanischen Mitschüler beantwortet: Die wollten zum Beispiel wissen, was wir in unserer Freizeit machen und ob es auf deutschen Autobahnen wirklich keine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

War der Irakkrieg ein Thema? Ja, aber die deutsche Haltung und die deutsch-amerikanische Beziehung hat in diesem Zusammenhang kaum eine Rolle gespielt. Und der Meinungswandel, dass das mit dem Krieg vielleicht doch nicht so toll ist, hatte sich schon vollzogen, bevor ich gekommen bin. Wenn es um den Krieg ging, habe ich meine Meinung nur vorsichtig geäußert, obwohl ich das Vorgehen Amerikas wirklich nicht in Ordnung fand. Aber es ist etwas komplett anderes, wenn man mit jemandem spricht, dessen Kinder im Irak kämpfen. Für diese Menschen steht dann das Wohl ihrer Töchter und Söhne im Vordergrund. Was war dort besser? Die Schule dort hat mir gut gefallen. Sport spielt dort eine wichtige Rolle. Man probiert viele Sportarten aus, ich habe zum Beispiel Langstreckenlauf, Tennis und Schwimmen dort gemacht. Man verbringt viel Zeit miteinander und identifiziert sich viel eher mit der Schule. Auch dass man den Stundenplan selber aussuchen kann, hat mir gut gefallen. Man kann einen ganz individuellen Weg gehen. Was war dort ganz anders? Mein Gastvater war Pfarrer. Daher war es eine sehr bibeltreue Familie, bei der ich war. Sonntags durfte nicht ferngesehen werden, ich musste pünktlich zu Hause sein und Dates mit Jungs waren auch nicht gern gesehen. Aber ich habe meinen Weg gefunden, damit umzugehen. Ich habe immer gesagt: It's not good or bad, it's just different. Was hast du gelernt? Dass die Amerikaner sehr wenig über Deutschland wissen. Manche denken sogar, dass hier immer noch der Nationalsozialismus herrscht.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Was bringst du mit her? Einiges, was ich über Amerika gelernt habe: Die Menschen sind dort viel mehr unterwegs. Das kommt dadurch, dass die Läden 24 Stunden am Stück sieben Tage die Woche offen haben. Die Deutschen sind eher ruhig im Vergleich. Außerdem habe ich gelernt, dass die Amerikaner sehr offen und hilfsbereit sind. Das ist eine gute Sache, die ich mitgenommen habe. Es sind einfach sehr viele Erfahrungen, mit denen ich wiedergekommen bin. Zum Beispiel "Thanksgiving" als ein Feiertag, bei dem die ganze Familie zusammen kommt, hat mir gut gefallen. Worauf hast du dich am meisten gefreut an Deustchland? Deutsches Brot, in Amerika gab es nur Weißbrot. Auch meine Eltern und mein Bett wieder zu haben, war toll. Wie hat es sich angefühlt, zurück zu kehren? Ich bin mit gemischten Gefühlen wieder gekommen. In Amerika habe ich mich nach der langen Zeit schon sehr heimisch gefühlt, und daher war es ein schwerer Abschied. Aber es war auch sehr schön, hier meine Familie und meine Freunde wieder zu sehen. Wann geht's wieder fort? Nächstes Jahr. Am liebsten nach Amerika. Fotos: privat

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