Das erste Mal schriftstellen: Nachwuchsautorin Tanja Bruske im Interview

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Hallo Tanja. Dein Buch "Das ewige Lied" wurde beim letzten BoD-Wettbewerb aus über 150 Manuskripten zum Wettbewerbssieger gekürt. Erzähl uns, wie es dazu kam. Das Buch hatte ich schon ein paar Jahre vorher geschrieben – quasi begleitend zu meiner Studien-Abschlussarbeit. Ich habe Germanistik mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuchforschung studiert. Das Buch ist dann zeitgleich mit dem Studienabschluss fertig geworden. Ich wollte es natürlich schon damals gerne veröffentlichen und habe das Manuskript an einige große Verlage und Wettbewerbe geschickt. Leider ohne Erfolg. In den Jahren danach war ich mit meinem Volontariat beschäftigt und habe die ganze Buch-Sache erst mal ruhen lassen. Von dem Wettbewerb hat mir dann mein damaliger Freund und jetziger Ehemann erzählt. Er war es auch, der das Manuskript eingereicht hat. Wie erklärst du dir den jetzigen Erfolg nach den früheren Absagen? Ich nehme an, dass meine Geschichte einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchte. Bei dem BoD-Wettbewerb wurden viele Liebesgeschichten und autobiografische Erzählungen eingereicht, wie mir eine der Lektorinnen aus der Jury später erzählt hat. Meine Geschichte bediente das Fantasy-Genre, das dank Der Herr der Ringe und solchen Geschichten gerade angesagt war. Mich hat dieses Genre fasziniert, denn eins meiner Hobbys sind Fantasy-Rollenspiele - da fiel es mir nicht schwer, mir diese Welt vorzustellen, in der mein Buch spielt. Gibt es ein todsicheres Erfolgsrezept für ein Buch? Glaube ich nicht. Es kommt sehr darauf an, worüber man schreibt und was für eine Art Buch man machen will, das kann man leider nicht verallgemeinern. Manche Leute sagen, man müsse so ein extremer Hemingway-Typ sein, um gute Geschichten erzählen zu können, aber ich finde das nicht. Zum Beispiel habe ich neulich die Fantasy-Autorin Ulrike Schweikert kennen gelernt. Die schreibt wahnsinnig gute, aufregende Geschichten, ist aber privat eine ganz ruhige, ausgeglichene Frau. Welchen Tipp gibst du jemandem, der ein Buch schreiben will? Man sollte ein Thema finden, mit dem man viele Leute begeistern kann. Das klingt banal, aber viele Autoren drehen sich thematisch nur um ihren eigenen Bauchnabel. Ein Buch, das veröffentlicht werden soll, darf nicht nur für Freunde und Familie des Autoren geschrieben sein. Ein typischer Anfängerfehler ist, ein fertiges Manuskript komplett an einen Verlag zu schicken. Man sollte erst mal eine Leseprobe abgeben, um Neugierde zu wecken und den Lektor nicht zu erschlagen. Aber diese Dinge muss man eben erst mal herausfinden. Wenn ich heute mein eigenes Buch lese, das ja schon einige Jahre alt ist, dann sehe ich auch einiges, das ich heute anders machen würde. Was zum Beispiel? Kürzere Sätze schreiben. Und schneller zur Sache kommen. Ich kenne das von meinen eigenen Lesegewohnheiten: Wenn ich anfange ein Buch zu lesen, und es packt mich nicht schon nach den ersten Seiten, dann lese ich es auch nicht zu Ende. Ist man als Buchautor der Spielball einer Verlagsmaschinerie und muss nach deren Vorgaben funktionieren wie ein Popstar für eine Plattenfirma? Naja, der Vergleich hinkt sicher gewaltig. Man ist ja selten auf Anhieb ein Bestsellerautor. Wie das bei anderen Verlagen läuft, kann ich nicht beurteilen. Bei BoD sind jedenfalls alle sehr freundlich zu mir. Ich hatte volles Mitspracherecht bei der Covergestaltung und wurde bei allen wichtigen Entscheidungen mit einbezogen. Wie hat sich dein Leben nach der Buchveröffentlichung verändert? Bist du jetzt ständig auf Lesereisen und wirst auf der Straße nach Autogrammen gefragt? Nein, das nicht. Als Buchautor ist man ja zum Glück nicht ständig in der Öffentlichkeit. Ich arbeite als Journalistin bei einer Tageszeitung. Da passiert es mir hin und wieder, dass ich mit Leuten zu tun habe, die meinen Namen kennen und mich auf mein Buch ansprechen. Also hat sich schon ein bisschen was verändert. Die Reaktionen darauf sind aber durchweg positiv, was mich sehr freut. Und ja, ich mache in der Tat ab und zu Lesungen, und das macht wirklich Spaß. Besonders, wenn man Kinder als Publikum hat, weil die unvoreingenommen sind und einem ehrlich sagen, was ihnen an der Geschichte gefällt und was nicht. Würdest du deinen Jopurnalisten-Job hinschmeißen, um nur noch als Schriftstellerin zu arbeiten? Dazu arbeite ich viel zu gerne in meinem eigentlichen Beruf. Es macht Spaß, als Schriftstellerin zu arbeiten, aber ich brauche auch das tägliche Feedback zu meiner Arbeit. Mir gefällt diese Mischung ganz gut, tagsüber als Journalistin zu arbeiten und abends zum Ausgleich an einem Buch zu schreiben. Ausschließlich Schriftstellerin zu sein kann ich mir eher vorstellen, wenn ich mal Kinder habe – falls ich dann überhaupt noch Zeit für Arbeit habe. Das klingt, als ob du schon an einem neuen Buch arbeiten würdest. So ist es. Ende letzten Jahres habe ich mich wieder an die Arbeit gemacht, ungefähr zu der Zeit als das mit dem Wettbewerb bekannt wurde. Worum wird es gehen? Diesmal wird es ein historischer Krimi, der Ende des 18. Jahrhunderts in dem Dorf spielt, in dem ich heute wohne, und der auf wahren Begebenheiten beruht. Die Arbeit daran macht mir großen Spaß, obwohl es eine ganz andere ist. Für "Das ewige Lied" konnte ich völlig intuitiv aus dem Bauch heraus schreiben. Für mein neues Buch muss ich wahnsinnig viel recherchieren, aber ich finde dabei total spannende Sachen heraus, die sich sozusagen hier vor meiner Haustür abgespielt haben. Ich will noch nicht zu viel verraten, aber ich kann jetzt schon sagen: Es wird spannend. Bring auch du dein eigenes Buch raus: Books on Demand und jetzt.de machen dich zum Buchautoren!

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