"Das sind immer noch zwei unterschiedliche Bücher"

Helene Hegemann hat sich für Passagen ihres Buches bei dem Werk des Berliner Autors Airen bedient. Ein Anruf bei seinem Verleger Frank Maleu.
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Herr Maleu, wie haben Sie von dem kreativen Umgang Helene Hegemanns mit den Texten Ihres Autors Arien erfahren? So wie alle anderen auch sind wir über einen Eintrag im Blog Gefühlskonserve von Deef Pirmasens am Freitag auf die Geschichte aufmerksam geworden. Das war eine totale Überraschung. Sie erwähnen in Ihrer Pressemitteilung, dass Helene Hegemann kein Thomas Meinecke sei. Was unterscheidet die beiden Autoren voneinander? Meinecke ist für seine geremixten Romane berühmt, in denen er Versatzstücke anderer Veröffentlichungen neu zusammenstellt und daraus etwas Neues schafft... Es macht einfach einen großen Unterschied, ob ich etwas Fremdes als Eigenes ausgebe oder das Fremde nehme und neu arrangiere und auch dementsprechend kennzeichne. Helene Hegemanns Plagiat ist jetzt nicht so umfangreich, dass man sagen könnte, sie hätte „Strobo“ komplett kopiert. Das sind immer noch zwei unterschiedliche Bücher, die ein ähnliches Leben und Gefühl beschreiben – Party machen, Berlin Mitte, all das ... Aber es ist ein Unterschied, ob ich einfach nur abschreibe oder etwas Neues schaffe.

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Illustration: Julia Schubert

Frank Maleu vom Verlag Sukultur, in dem der Roman "Strobo" von Airen erschien, aus dem sich - wie nun bekannt wurde - Helene Hegemann für ihr Erstlingswerk "Axolotl Roadkill" großzügig bedient hat. Können Sie Hegemanns Argumente nachvollziehen? Sie selbst hält ihr Vorgehen ja für völlig legitim, wie sie in ihrer Antwort auf den Plagiatsvorwurf gesagt hat. Ich sehe das ehrlich gesagt so, dass ihre Rechtfertigung in erster Linie ihrem Alter geschuldet ist. Ich denke, es liegt daran, dass sie nicht den richtigen Blick dafür hatte, und das Ausmaß der Angelegenheit nicht abschätzen konnte. Deshalb tue ich ihre Argumentation auch eher ab. Gibt es einen Grund, warum sich der Autor Airen bislang noch nicht dazu geäußert hat? Das liegt ganz einfach daran, dass wir von dieser Geschichte total überrascht wurden. Es gab vorher keine Hinweise darauf. Ich musste mir am Samstag das Buch von Hegemann selbst besorgen, konnte es dann am Sonntag an den Autor weitergeben, damit der es lesen kann. Ich denke auch, dass es richtig ist, sich erst einmal nicht zu dem Thema zu äußeren, während man noch versucht, das genaue Ausmaß zu ergründen. Ein bisschen Glück ist das ja für Sie als Verlag auch, oder?! Plötzlich in allen Feuilletons besprochen zu werden, auch wenn die Umstände nicht so ganz stimmig sind.. Ja, klar ist das gut - aber eben genau unter der Einschränkung, dass der Anlass nicht ganz so stimmig ist. Es ist natürlich ein schöner Nebeneffekt, dass wir auf einmal bekannt werden und da trifft es sich natürlich gut, dass das Buch von Helene Hegemann so erfolgreich ist. Aber ich glaube nicht, dass wir ihr dafür jetzt besonders dankbar sein müssen. Mehr zum Skandal um Axolotl Roadkill auf jetzt.de

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