"Das Video zeigt die dunkle Seite von Justice." Ed Banger Records im Interview

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Der DJ und Produzent BusyP (eigentlich Pedro Winter) ist nicht nur Manager von Daft Punk, er hat 2003 auch ein Elektro-Label gegründet, das bald sein eigenes Genre wurde und auf der ganzen Welt die Plattenteller bestückt: Ed Banger Records. Im Interview mit jetzt.de spricht BusyP über das, was hinter der coolen Fassade des Labels steckt. Justice haben gerade das neue Video zu ihrer Single "Stress" herausgebracht. Nun gibt es allerdings Stress in Frankreich, viele Leute sind aufgebracht. Damit habe ich nichts zu tun. Es ist ein wenig verrückt, aber ich kann kaum darüber reden. Der Regisseur und die Band hatten mir angekündigt, dass es ein Hardcore Video werden würde und ich habe ihnen alle Freiheiten gelassen. In Frankreich gibt es viele elektronische Künstler wie Bob Sinclair oder David Guetta - French House eben. In den Videos siehst du Mädchen in Bikinis auf Ibiza auf und ab hüpfen. Es soll ein Bruch mit all dem sein. Justice waren bisher mit sehr lustigen, bunten Videos aufgefallen, das neue Video zeigt ihre dunkle Seite. Jeder hat eine dunkle Seite, jeder außer ich.

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Illustration: Julia Schubert

Eure Anhänger identifizieren sich sehr stark mit euer Musik, eurem Stil und eurem Verhalten. Ist Ed Banger nicht nur ein Label, jedoch eine globale Jugendbewegung geworden? Ich denke schon, aber vielleicht bin ich nicht die richtige Person, über unsere Wirkung zu urteilen. Wir lieben Spaß, wir sind nicht allzu ernst, aber lieben es, lachende Gesichter zu sehen. Wir bringen unterschiedliche Kulturen zusammen und mischen sie: Mehdi kommt vom HipHop, SebastiAn macht Hardcore und Uffie, unsere kleine süße Lolita kombiniert Hip Hop mit Electro. Es zeigt, dass jeder etwas anderes machen und man trotzdem gut zusammenleben kann. Es ist ein Lebensgefühl. Was bedeutet Ed Banger denn für dich? Ed Banger bedeutet Spaß, mein persönlicher Spaß natürlich, aber glücklicherweise bin ich nicht allein. Die Elektroszene ist so langweilig - minimal und ernst. Die Künstler reden oft von einer Klangrevolution. Ich kann da keine Revolution hören. Ed Banger ist Spaß, ist französisch. Die Leute haben genug eigene Probleme zuhause mit ihren Eltern oder Freunden, aber wenn sie bei uns sind, sollen sie die vergessen. Wenn sie auf unsere Parties kommen lachen sie, betrinken sich, springen herum und die Frauen ziehen sich aus. Du betonst das Französische... Ja, das ist mir wichtig. Ich bin ich Paris geboren und aufgewachsen. Ich liebe die Stadt jeden Tag auf's Neue. Wenn ich mit meinem Scooter am Champs-Élysées oder am Eiffelturm vorbei fahre, fühle ich mich wie ein Tourist, obwohl ich hier seit 33 Jahren lebe. Du hast selbst sehr früh deinen Weg eingeschlagen, hast dein Studium abgebrochen und bist mit 20 Jahren der Manager von Daft Punk geworden. Ja, nach fünf Monaten Jura war Schluss. Heute denke ich, ich wollte der Universität entkommen. Ich habe damals schon Parties in Paris organisiert, da erschien mirDaft Punk wie die perfekte goldene Tür, die beste Schule des Lebens, die ich kriegen konnte. Doch ich weiß sehr wohl, dass ich damit viel Glück hatte. 2003 hast du Ed Banger gegründet und ihr wurdet von vielen Journalisten als Elektro Underdogs portraitiert. Heute spielt ihr auf riesigen Festivals und seit eine eigene Referenz geworden: "Hört sich wie Ed Banger an". Natürliche Evolution! Mach gute Musik und verbreite sie. Du musst geduldig sein und ich glaube fünf Jahre sind eine gute Zeit. Es geht nicht darum, eine Botschaft zu verbreiten, ich denke wir haben keine Botschaft. Vielleicht ist es eine Botschaft, wie wir es gemacht haben: Wir sind nicht besser als andere, aber es ist die richtige Zeit und der richtige Ort für uns. Gab es in letzter Zeit irgendwelche Remixe oder Features, die ihr abgelehnt habt? Ja, Madonna wollte Justice für einen Remix zu "4 Minutes" gewinnen und suchte Supporting Acts für ihre Tour. Gaspard (von Justice, d. R.) ist jedoch kein großer Fan von ihr und hat abgelehnt. Was habt ihr in Zukunft vor? Es gibt keine Kristallkugel, die ich fragen kann. Ich möchte noch mehr produzieren, und genug Geld verdienen, um meine Telefonrechnungen zu zahlen und in neue Kids zu investieren. Labels wie Domino oder Rough Trade inspirieren mich. Wir werden außerdem eine eigene Modelinie rausbringen zusammen mit SoMe, die jedoch nicht Ed Banger heißen wird. Im Jahr 2008 ist es nicht besonders schlau zu 100% auf pures Musikbusiness zu vertrauen.

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