Demokratie für Palästina

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Mohammad mit seiner Crew P.R. in Khan Yunis Was denkst du über die Wahl? Es war ja die erste seit zehn Jahren. Hast du gewählt? Ich war während der Wahl in Ägypten und habe dort andere Rapper getroffen. Aber ich glaube, es war ein sehr besonderer Tag, weil es sich einfach unglaublich anfühlt, wenn man jemand wählen kann. Es ist, als hätte man sein eigenes Land und seine eigene Demokratie und könnte leben wie andere auch. Ich wäre sehr gerne dabei gewesen. Was sagst du zum Sieg der Hamas? Nun ja, Hamas, Fatah, Islamischer Dschihad – sie alle haben nur eine Identität, eine palästinensische. Ich bin für keine von diesen Gruppen, aber ich wünsche mir immer das Beste für die Palästinenser. Und ich wünsche mir, dass Hamas unser Volk besser regieren wird. Wer weiß? Warum haben so viele Menschen Hamas gewählt? Das weiß ich nicht, ich kann es nur vermuten. Hamas scheint etwas richtig gemacht zu haben während der Intifada. Die Israelis haben unser Land besetzt, deshalb denkt jeder, wir sollten diese Besatzung bekämpfen und uns verteidigen. Hamas hat diesen Weg gewählt, weshalb die Menschen begonnen haben, Hamas zu mögen. Deshalb haben die Menschen Hamas gewählt, glaube ich. Glaubst du Hamas kann die politische Situation und das Leben der Palästinenser verbessern? Fatah hat es davor probiert und ist gescheitert. Vielleicht wird Hamas mehr verstehen als die anderen, wer weiß. Aber das Hauptproblem, glaube ich, sind die Israelis, weil sie keinen Frieden wollen und unsere Städte angreifen. Ich weiß nicht, ob es Hamas besser machen wird. Die ganze Welt blickt als Kriminelle auf sie, aber Hamas entstand als Reaktion auf die Besatzung und gäbe es die Besatzung nicht mehr, wäre es das mit der Hamas. Ich wünsche mir, dass die Welt mit den palästinensischen Führern zusammenarbeitet, sei es Hamas oder Fatah. Warum betrachten die USA Hamas als Terroristen? Israel besetzt uns, greift uns an, tötet uns. Wir sehen die Sache anders herum.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Mohammad alFarra Was denken andere junge Menschen und deine Freunde über den Hamas-Sieg? Jeder hat seine eigene Meinung. Manche wünschen sich, Fatah hätte gewonnen, andere finden Hamas gut, wieder andere sagen, keiner von beiden taugt was. Aber sie alle wollen das eine: ein gutes Leben in Frieden führen. Was bedeutet der Hamas-Sieg für dein Leben? Du hast uns erzählt, die Leute schauen dich komisch an, weil du Hiphop-Klamotten trägst und auch bei den Konzerten waren sie skeptisch. Hamas ist ziemlich religiös. Wird es dadurch schwieriger für dich? Ich lebe allein mit meinem Computer und meinen Programmen in meinem Zimmer im dritten Stock. Ich verbringe die ganze Zeit alleine hier oben und kümmere mich nicht so sehr darum, was draußen los ist. Aber ich fürchte, ja, es wird schwieriger werden für mich und meine Musik, da Hamas sehr religiös ist. Aber nur was die Shows angeht, nicht die Arbeit an den Songs oder Beats. Und mit den Klamotten: Wir sind eben immer noch in Gaza. Baggys, Rap-Musik, all diese Dinge sind neu hier für die Menschen. Sie brauchen Zeit, um das zu verstehen und das ist der Grund, warum ich rappe: damit die Leute verstehen. Als wir das letzte Mal gesprochen haben, hast du uns von denen Hoffnungen und Träumen erzählt: Songs mit deiner Crew aufnehmen, Englisch studieren, zum Strand gehen. Was ist daraus geworden? Ich habe angefangen, ein Soloalbum aufzunehmen und habe schon 13 Songs, in denen ich über das Leben hier, die Besatzung und mich selbst erzähle. Ich habe also begonnen, meine Träume zu verwirklichen. Jetzt gibt es aber schon die nächsten Probleme: keine Firma will das Album veröffentlichen, also heißt es wieder warten und warten, bis ich Leute find, die mir helfen, das Album fertig zu machen und für all das bereit sind. Und das mit dem Strand, das ist wirklich der Wahnsinn. Wenn man vier Jahre lang nur vom Dach aus das fünf Kilometer entfernte Meer sehen konnte, aber nicht selbst hin durfte, weil nur die Siedler an den Strand konnten, und du endlich selbst diesen Strand betrittst – das war der unglaublichste Moment in meinem ganzen Leben. Immer wenn es mir schlecht geht gehe ich ans Meer und setze mich alleine an den Strand und denke nach. Das ist wirklich fantastisch.

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