Den Blackberry aufschrauben

Von heute bis Freitag findet im Berliner Kongresszentrum der 22. Chaos Communication Congress (22C3) des Chaos Computer Clubs (CCC) statt. Wir sprachen mit Lars Weiler, Vorstandsmitglied des CCC.
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Illustration: Julia Schubert

Was ist der Hintergrund des Chaos Computer Club, was für eine Organisation ist das? Der CCC selbst ist ein deutscher Verein, der 1981 in Berlin entstanden ist. Er hat sich über ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz ausgebreitet und inzwischen haben wir auch Mitglieder in aller Welt. Wir setzen uns insbesondere für die Technik in Verbindung mit der Gesellschaft ein. Wir schauen, was das Besondere, Neue, Interessante an Technik ist. Einmal im Jahr trefft ihr Euch zum Chaos Communication Congress - worum geht es? Der erste Kongress war 1984 mit 200 Teilnehmern in Hamburg. Dieses Jahr erwarten wir über 3000 Personen. Früher war es eine kleine interne Veranstaltung, auf der sich ein paar damalige Hacker getroffen hatten, um Informationen auszutauschen. Inzwischen hat er sich zu einer internationalen Großveranstaltung entwickelt, auf der sich der Club repräsentiert. Es geht um Informationen und Informationsfreiheit - mit Vorträgen zum Thema Hacking, Gesellschaft, Community, und so weiter. Worauf konzentriert ihr euch dieses Jahr besonders? Ein großer Schwerpunkt ist rückblickend die Einführung des biometrischen Reisepasses. Ausblicke auf das nächste Jahr geben z.B. die Vorträge zum Thema Informationsfreiheitsgesetz, das wir dann haben werden. Dieses Gesetz tritt am 1. Januar in Kraft und besagt, dass "jeder, der dies wünscht, ohne weitere Voraussetzungen Zugang zu amtlichen Informationen aller öffentlichen Stellen des Bundes haben und in Verwaltungsvorgänge Einsicht nehmen kann". Persönliche Daten der Bürgerinnen und Bürger sowie Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sollen dabei aber weiterhin geschützt bleiben. Ja, aber genau das ist die Frage. Deshalb geht es bei dem Kongress auch um die Datensammlung bzw. die Datensammlungswut der staatlichen Behörden, die versuchen, den Bürger komplett zu überwachen. Das geht die komplette Gesellschaft querbeet an, nicht nur Hacker. Interessanterweise gibt es wenig Feedback aus der Gesellschaft. Kaum jemand interessiert sich heute dafür, welche Daten gespeichert werden, dass z.B. Bewegungsprofile mit dem Handy gesichert werden. Das sind Themen, die wir hier besprechen, und die wir auch gerne weiter in die Gesellschaft hineinbringen möchten, um dort auch eine Diskussion hervorzubringen. Klingt ziemlich theorielastig … Wir haben natürlich auch Veranstaltungen, die etwas mehr Spaß machen: z.B. ein Hacker-Jeopardy mit Fragen und Antworten zu bestimmten Themen. Wir haben das Blackberry-Gerät auseinander genommen, und dort einige Nettigkeiten entdeckt, die hier vorgestellt werden. Die XBox 360, die aktuell in den Läden zu bekommen ist, und auch bei vielen Leuten unter dem Weihnachtsbaum lag, wird auseinander genommen und es wird gezeigt, was man damit machen kann.

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Illustration: Julia Schubert

Wie kann man selbst teilnehmen, wie viel kostet es? Der Kongress dauert vier Tage. Es gibt Tagestickets und Dauerkarten. Schüler zahlen ermäßigt für alle Veranstaltungen 35 Euro, der reguläre Preis beträgt 75 Euro. Um Schülern und Studenten, die nicht in einem Hotel am Alexanderplatz absteigen können, die Möglichkeit zu bieten, hierher zu kommen, hat der CCC eine Turnhalle angemietet, in der man für 5 Euro pro Nacht schlafen kann. Das Programm und weitere Infos gibt es hier. (Fotos: CCC)

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