Der Beziehungskiller

Bernd Dressler ist Chef der Trennungsagentur. Er hilft Menschen, die sich nicht trauen, alleine eine Beziehung zu beenden. Ein jetzt.de-Interview mit dem Schlussmacher.
daniel-schieferdecker

jetzt.de: Herr Dressler, hauptberuflich entwickeln Sie Geschäftsgründungskonzepte für Leute, die sich selbständig machen wollen. Wie sind Sie zur Trennungsagentur gekommen? Bernd Dressler: Ich habe das Konzept mitsamt der Domain und allen Rechten im August 2006 für 506 EUR bei Ebay ersteigert. Und weil kurze Zeit später bereits ein Bericht über die Trennungsagentur im Fernsehen lief, ist das Ganze gleich wunderbar angelaufen. Aber bevor Sie fragen: Mit wie vielen Menschen ich bereits Schluss gemacht habe, verrate ich nicht mehr. Das ruft zu viele Nachahmer auf den Plan. Das impliziert allerdings, dass es ganz gut läuft. Kann man vom Schlussmachen leben? Wen man es richtig aufzieht, geht das problemlos. Es ist ja auch ein relativ einfaches Konzept, das selbst für einen Arbeitslosen sehr kostengünstig umzusetzen ist. Allerdings sind sich einige Nachahmer auch für ganz plumpes Abkupfern nicht zu schade: Ein Mitbewerber hatte mal wortwörtlich den Text meiner Website übernommen.

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Illustration: Julia Schubert

Sind Sie denn ein einfühlsamer Schlussmacher? Jetzt gehen Sie in eine falsche Richtung, denn ich übermittle bloß Botschaften, ob am Telefon oder an der Tür. Paarberatung, Trösten, seelischer Beistand – das gibt es von mir nicht. Letztlich bin ich bloß ein sprechender Briefträger. Sie nehmen also niemanden in den Arm, wenn vor Ihren Augen mal jemand anfängt zu weinen? Nein, aber das passiert auch nie. Wenn ich Schluss mache, dauert es selten länger als drei Minuten. So schnell können die Leute gar nicht reagieren. Aber bei Preisen von 29,95 EUR für einen Anruf und 64,95 EUR bei einem Besuch kann ich mich auch nicht noch eine Stunde hinsetzen und Händchen halten. Mir wird oft eine gewisse Verantwortlichkeit zugesprochen, aber diese Verantwortung liegt bei den Betroffenen selbst. Oder zumindest bei einem von Beiden. Ich kann nichts dafür, dass deren Beziehung gescheitert ist. Hatten Sie denn nie ethische Bedenken? Wenn man da logisch rangeht, kann man die gar nicht haben. Denn wenn ich nicht Schluss mache, machen es meine Kunden eben zwei Wochen später selbst. Mit meiner Hilfe passiert es lediglich etwas schneller und konsequenter. Werden Sie denn überhaupt ernst genommen, wenn Sie für jemand anderen Schluss machen? Natürlich sind die Betroffenen erst einmal konsterniert und überrascht. Aber wenn ich Ihnen die Gründe nenne, merken sie natürlich, dass ihr Ex mit mir gesprochen haben muss. Es ist auch schon vorgekommen, dass mich eine Kundin buchen wollte, damit ich die Beziehung zwischen ihrem Geliebten und seiner Ehefrau beende. Aber so etwas würde ich natürlich nie machen. Sie bieten auf Ihrer Homepage vier verschiedene Trennungspakete an. Welches wird denn am häufigsten in Anspruch genommen? Am beliebtesten ist das telefonische „Lass uns doch Freunde bleiben“-Paket. Die Meisten wollen sich ihren Abgang eben so leicht wie möglich machen, obwohl das Freundschaftsversprechen natürlich ein vollkommener Etikettenschwindel ist. Es gibt keine Freundschaften, die aus einer Beziehung erwachsen. Aber der Markt verlangt das eben. Wie sieht denn ein Durchschnittskunde der Trennungsagentur aus? Es sind jedenfalls keine fanatischen Süddeutsche-Leser (lacht). Meistens sind es junge Leute Anfang 20, vorwiegend Frauen. Warum wird Ihre Dienstleistung in Anspruch genommen? Ist es nicht ein Trugschluss, sich damit ganz elegant aus der Affäre ziehen zu können? Es gibt verschiedene Gründe, zumal einer Trennung in der Regel bereits Probleme vorausgegangen sind. Einigen Kunden fehlt einfach der Mut, es auszusprechen. Andere lassen sich immer wieder umstimmen. Manchmal ist auch schon ein neuer Partner im Spiel, sodass sich manch einer nicht mehr traut, seinem Ex in die Augen zu sehen. Schluss machen ist natürlich nie schön. Aber ist es nicht ein soziales und emotionales Armutszeugnis Ihrer Kunden, sich auf diese Weise von Ihren Partnern zu trennen? Das sagt ja auch viel über die Wertschätzung der anderen Person gegenüber aus. Ich bin überzeugt davon, dass sich keiner meiner bisherigen Auftraggeber darüber auch nur einen einzigen Gedanken gemacht hat. Aber was soll man auch erwarten? Vor 1 ½ Jahren hat ja sogar ein Mitglied des englischen Königshauses mit seiner damaligen Freundin per SMS Schluss gemacht. Man sollte meinen, dass zumindest dort etwas mehr Stilsicherheit vorherrscht. Haben Sie denn den Eindruck, dass Ihre Kunden emotionale Problemfälle sind? Sagen wir so: Wir leben heutzutage in einer Wegwerf-Gesellschaft. Cola-Büchsen, Fernseher und nun eben auch ausgediente Partnerschaften. Ich habe auch den Eindruck, dass die Generation meiner Kunden zu großen Teilen aus Egomanen besteht, bei denen ein Partner bestenfalls am Rande geduldet wird. Auf der anderen Seite haben sich viele Paare auch im Internet kennengelernt, so dass es eigentlich nur logisch erscheint, einen Internetservice zum Schluss machen in Anspruch zu nehmen. Unter sozialen Gesichtspunkten wäre es aber doch sicherlich sinnvoller gewesen, eine Konfliktlösungsagentur aufzumachen und Ihren Kunden Lösungsansätze und –strategien aufzuzeigen, um solche Angelegenheiten zukünftig selbst in die Hand nehmen zu können, oder? Dieser Markt ist doch bereits hoffnungslos überbesetzt von Psychologen, Therapeuten, Mediatoren und Lebensberatern. Ich habe meine Nische gefunden und bin ganz zufrieden damit. Fühlen Sie sich denn nicht manchmal wie der böse Bruder von Kai Pflaume? Nein. Sollte ich? Die Trennungsagentur klingt zumindest wie das Gegenstück zu „Nur die Liebe zählt“. Deshalb habe ich auch verzeih-mir24.de ins Leben gerufen. Ich biete also den kompletten Service rund um die Beziehung an. Man braucht in einer Partnerschaft also bald gar nichts mehr selbst machen, wenn man Sie für jedes Anliegen buchen kann. Ja, so ähnlich (lacht). Aber in die meisten Beziehungen möchte ich mich gar nicht allzu sehr einmischen, glauben Sie mir. Bernd Dressler hat seiner Erfahrungen mit der Trennungsagentur im Buch „Die Trennungsagentur“ aufgeschrieben. Eine Leseprobe gibt es hier.

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