Der Facebook-Maler

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

jetzt.de: Du machst aus kleinen Profilfotos große Gemälde. Was findest du an diesen Fotos, mit denen sich Menschen im Internet präsentieren so interessant? Matt Held: Am Anfang war es eine Art Übung – ich wollte die Tönung der Haut darstellen. Beim ersten Mal habe ich ein Bild von meiner Frau gemalt und es auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Mir hat es dann selbst so gut gefallen, dass ich nach Bildern von Freunden gesucht habe, um auch die nachzuzeichnen. Dabei fiel mir auf, wieviel ungeheuer interessantes Bildmaterial es gibt. Was ich daran so faszinierend finde, ist, dass die meisten Menschen ein Foto auswählen, von dem sie sich repräsentiert fühlen. Zeichnet man so ein Bild nach, verändert sich dessen Bedeutung. Außerdem erkenne ich darin etwas Sozialistisches: Porträts waren früher nur einer kleinen Oberschicht zugänglich. Durch solche Social Websites werden sie plötzlich einer breiten Masse zugänglich. Mir gefällt das. Du bist hauptberuflich Maler. Welche Technik benutzt du, um die Bilder zu zeichnen? Wenn ich mich für ein Foto entschieden habe, zeichne ich es auf eine Leinwand und male es. Das Foto bleibt dabei aber die Basis, an der ich mich orientiere. Ich hole die Figur aus ihrer Umgebung heraus und setze sie auf eine bunte Fläche, die dem Hintergrund des Fotos ähnelt. Dein Ziel ist es, 200 Porträts zu malen. Was hast du dann damit vor? Toll wäre es, sie alle in einer Ausstellung zu sehen. Ich habe ein ziemlich kleines Atelier und langsam kriege ich Probleme, die Gemälde alle zu lagern. Auf jeden Fall geht es mir darum, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein paar konnte ich bereits verkaufen. Das ist toll, da es mir hilft, mit dem Projekt weiterzumachen. Die Leute scheinen deine Arbeit zu mögen - deine entsprechende Facebook-Gruppe hat mehr als 1800 Mitglieder. Woran, glaubst du, liegt das? Ich hoffe, dass die Bilder irgendwie zum Betrachter sprechen. Natürlich macht es mich glücklich, dass ich soviel Lob von so vielen verschiedenen Menschen bekomme. Ich male seit über 20 Jahren und es fühlt sich so an, als hätte ich sehr hart arbeiten müssen, um einen Punkt zu erreichen, an dem Leute meine Arbeit schätzen. Was sagt ein Profilfoto über eine Person aus? Kann man das kategorisieren? Es ist sicherlich verlockend, auf den Charakter einer Person zu schließen. Schließlich ist alles, was man von dieser Person auf einer Seite sieht von ihr selbst gestaltet. Egal, ob derjenige alles überlegt gestaltet hat oder es eine unbewusste Entscheidung war – die Leute ziehen Rückschlüsse auf die Person. Ich könnte eventuell begründen, warum ich manche Personen zeichnen möchte und andere nicht. Die meisten Leute, die ich porträtiere, kenne ich nicht. Aber ich male sie, weil ich glaube, das Bild könnte gut werden. Eine Auswahl von Matts Bildern:

Bildergalerie kann leider nicht angezeigt werden.

Was muss ich machen, wenn ich von dir gezeichnet werden möchte? Zunächst einmal: ein gutes Profilfoto haben. Aber es gibt noch ein paar andere Kriterien: Das Foto sollte scharf und farbig sein. Keine Katze, Hund, Freund, Verlobter, Kinder oder irgendwelche andere Personen. Es geht wirklich nur um die Person. Eine Banane oder eine Zigarette aber sind ok. Ich glaube, je größer die Gruppe wird, desto schwerer wird es für jemanden herauszustechen. Ich will daraus wirklich keinen Wettbewerb machen, denn darum geht es nicht. Aber so wie es aussieht, könnte ich sicherlich noch ein paar Jahre damit beschäftigt sein. Außerdem musste du meiner Gruppe beitreten und mich als Freund adden. Was hältst du von Websites wie Facebook? Findest du, dass die Leute zuviel Zeit damit verbringen? Ich muss das aus einer Künstlerperspektive beantworten: Solche Seiten sind nichts anderes als eine totale Zeitverschwendung. Egal, ob man solche Seiten mag oder nicht – ich glaube nicht, dass sie zu irgendetwas führen. Trotzdem sind sie Teil unserer Kultur und für einen Künstler ist es einfach wichtig, so etwas zu erforschen und für sich zu nutzen. Mehr unter portraitpainted.blogspot.com

  • teilen
  • schließen