Der Handball-Mini über die Herausforderungen der Europameisterschaften

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Deine Handball-Karriere hat im Garten deiner Eltern begonnen. Dein Vater hat in Obernburg ein Handball-Tor aufgestellt. Anschließend hat deine Familie dich trainiert – zuerst die Mutter, dann der Vater und dann der Bruder. Wir sind eine Handballfamilie. Das alles hat sich noch verstärkt, weil ich meinen Bruder, sechs Jahre älter, immer als Vorbild gesehen habe. Er war damals schon Jugendnationalspieler und auch Kapitän. Ich habe immer zu ihm hoch geschaut und wollte so werden wie er. Ich hatte immer diesen Ansporn. Da habe ich nicht nur in der Halle trainiert, sondern auch im Garten aufs Tor geworfen und die Pflanzen kaputt geschossen.

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Illustration: Julia Schubert

Weltmeister mit 23: Handballer Klein ist im Gespräch sehr entspannt. Foto: Hauser Mittlerweile bist du Weltmeister - als Jüngster im Team. Bei der Weltmeisterschaft vergangenes Jahr in Deutschland musstest du immer das Ballnetz tragen. Wie ist als "Mini" im Team? Mit den Bällen bin ich schon ganz ordentlich bedient. Ich weiß, dass ich das als Jüngster machen muss. Und wenn ich solche Erfolge mitfeiern darf, dann trage ich die Bälle auch noch mit 35! Es gibt einen Film über das Wintermärchen. Darin sieht man, wie Markus Baur, der 36 Jahre alt ist, zu dir kommt und wissen will, wie alt du bist. Dann sagt er: "Ich musste erst 36 werden, um das zu erleben. Und er kommt her. Das gibt es doch nicht. Alles Glückskinder." Wenn du das erzählst, kommen mir immer noch die Nackenhaare hoch. Das Glück gehabt zu haben, bei der Mannschaft dabei sein zu können, dafür habe ich gekämpft – um Spielanteile, um Tore und Halbfinaleinsätze. Das ist schon Glück, das kribbelt! Das wird mich mein ganzes Leben begleiten. Markus Baur hat das richtig gesagt. Da fühle ich mich als Glückskind. Abends vor einem Spiel sieht Trainer Heiner Brand den Pizzaboten kommen und schimpft deshalb am nächsten Tag. Warst du einer von denen, die Pizza bestellt haben? Viel schlimmer: Der Jüngste musste nicht nur die Bälle tragen, sondern auch die Bestellung machen. Da waren einige beteiligt. Es hieß dann: Der Jüngste bestellt die Pizza für die Mannschaft. Aber wir haben im Spiel die Antwort auf die Aktion gegeben und es war im Endeffekt auch ein Lacher. Heiner Brand hat danach gesagt, dass er mit seinem Schimpfen euch bewusst anspornen wollte. Das hat ja auch geklappt, das nächste Spiel habt ihr gewonnen. Gibt es viele von solchen Psychotricks, die die Trainer draufhaben? Es liegt an der Mannschaft, wie du sie motivieren kannst. Psychotricks gehören sicher dazu. Heiner Brand hat gewusst, wie er uns einzustellen hat. Das macht er perfekt. Die Mannschaft hat es ihm zurückgezahlt, ganz Deutschland zurückgezahlt, wie wir so aufopferungsvoll und leidenschaftlich Handball präsentiert haben. Die Fans standen von Spiel zu Spiel mehr hinter uns. Und wir haben einfach gezeigt, wie geil diese Sportart ist und wie man das feiern kann. Feiern ist ein gutes Stichwort. Alkoholabstinenz gilt bei Handballern nicht so richtig, oder? Siege müssen gefeiert werden! Wenn man nach einer Weltmeisterschaft die Goldmedaille um den Hals hängen hat, dann müssen die Sektkorken knallen. Das gehört dazu. Wir sind keine, die das dann verheimlichen. Wenn Handballer feiern dürfen, dann feiern sie auch richtig.

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Illustration: Julia Schubert

"Wenn Handballer feiern dürfen, dann feiern sie richtig" Dominik (dritter von links) nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft bei den Feierlichkeiten in Köln, Foto: dpa Dein Vereinstrainer Noka Serdarusic sagt, dass du zum weltbesten Linksaußen werden kannst, wenn du hart an dir arbeitest. Was musst du tun? Ich muss im Spiel mehr denken, ruhiger, abgeklärter werden. Das vermittelt er mir in jedem Training. Er weiß immer zur rechten Zeit, wo er mich zu verbessern hat, wie ich es zu machen habe und das werde ich auch umsetzen, um erfolgreich zu spielen. Wie dann die Entwicklung wird, muss man sehen. Wie gut kannst du vom Handball leben? Das ist die schönste Zeit, die ich mir vorstellen kann: Hier in Kiel spiele ich mit den weltbesten Handballern – und kann ich auch noch mein Geld verdienen! Trotzdem weiß ich, dass ich nicht mein ganzes Leben nur vom Handball leben kann. Du hast nicht ausgesorgt. Was willst du später machen? Das kann ich jetzt nicht sagen. In der Zeit, wo ich Handball spiele, möchte ich weiter an meiner persönlichen Entwicklung, an meinem Wissen arbeiten, ohne mir zeitlichen Druck zu setzen. Ich mache aktuell ein Fernstudium. Das ist im Bereich Wirtschaft und Verwaltung. Wie ich später davon profitieren kann, kann ich nicht sagen. Ich hoffe, ich bleibe noch lange dem Handballsport erhalten und auch nach der Spielerkarriere in dem Bereich. Daneben engagiere ich mich für Mukoviszidose-Betroffene. Da finde ich meine Rolle, meinen Ausgleich gegenüber dem Handball. Es sind vor allem Kinder betroffen und vielleicht wäre das später was schönes, dass ich mich mit Kindern beschäftige. Das würde mir auch einen Riesenspaß machen! Mukoviszidose ist eine unheilbare Erbkrankheit der Lunge, unter der 8.000 Kinder und junge Erwachsene in Deutschland leiden. Du bist Botschafter des Mukoviszidose e.V. – wie bist du darauf gekommen? In Kiel habe vor einem Jahr einen damals vierjährigen Jungen kennen gelernt, der von der Krankheit betroffen ist. Ich habe auch im Zivildienst viel mit Kindern und behinderten Menschen zu tun gehabt. Schon immer habe ich den sozialen Punkt gesehen. Und ich und mein Management wussten, Mukoviszidose hat meistens mit Kindern zu tun, weil das eine Stoffwechselerkrankung ist, die vererbt wird. Kinder haben das von Anfang an. Wir haben beim Verein gefragt, wie wir helfen können.

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