Der Kanzlerin neue Lieblingswebsite? Ein Gespräch mit Johannes Zumpe, Gründer von Trupoli.com

Wenn Angela Merkel wissen möchte, wie ihre Rede im Bundestag beim Volk angekommen ist, surft sie im Internet www.Trupoli.com an – so stellt sich das Johannes Zumpe vor, Gründer der Politik-Plattform Trupoli. Wie das funktionieren soll und was Guido Westerwelle davon hält, erklärt Johannes im Interview mit jetzt.de.
sascha-chaimowicz

Trupoli ist gefühlt die tausendste neue Online-Plattform in diesem Jahr. Wozu brauchen wir euch? Trupuli ist eine Plattform für Politikerbewertung. Das funktioniert so, dass jeder Bürger Aussagen von Politikern reinstellen kann. Diese Aussagen können dann nach Glaubwürdigkeit, Zustimmung und Wichtigkeit bewertet werden. Man kann die Aussagen dazu noch kommentieren, mit anderen Nutzern diskutieren und Benachrichtigungen abbonieren, die einen darauf aufmerksam machen, wenn ein bestimmter Politiker etwas Neues sagt oder zu einem bestimmten Thema etwas Neues gesagt wird. Dann gibt es noch eine besonders schöne Erinnerungs-Funktion bei Trupoli: Wenn ein Politiker etwas verspricht, kann der Nutzer einstellen, dass Trupoli nach einer bestimmten Zeit an die Politiker-Aussage erinnert.

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Illustration: Julia Schubert

Trupoli-Gründer Johannes Zumpe Wieso sollen sich Politiker überhaupt von Online-Nutzern bewerten lassen? Politiker haben den Auftrag, im Namen der Bürger zu regieren. Und immer mehr Bürger sind online. Auch die bisher im Internet unterrepräsentierten Gruppen - tendenziell weniger gut ausgebildet, älter, weiblich - holen auf. Momentan werden Politiker alle vier Jahre in Wahlen bewertet. Wir wollen, dass man die Politiker jeden Tag bewertet, und das auch noch themenbezogen, was in Wahlen so nicht der Fall ist. Diese Möglichkeit bietet das Internet. Gibt es Voraussetzungen, die man erfüllen sollte, um solche Bewertungen abgeben zu können? Es sollte jeder eine Bewertung abgeben können. Auch bei Wahlen ist jeder Bürger stimmberechtigt. Normalerweise dürfen nur Deutsche und über 18-Jährige an Wahlen teilnehmen. Das bei Trupoli zu kontrollieren wäre viel zu aufwendig. Jeder kann sich bei uns ohne Vorwissen anmelden und bewerten. Und ganz ohne Hintergrundinformation müssen die Nutzer nicht bleiben: Wir stellen Links zur Verfügung, die einen Überblick über den aktuellen Stand der jeweiligen Debatte geben. Ich vermisse auf der Webseite trotz dieser Links kleinere Erklärtexte im Wikipedia-Stil, die gerade bei komplexeren Themen wie Online-Durchsuchung Basiswissen vermitteln könnten. Ganz ehrlich, darüber haben wir noch nicht nachgedacht. Wir wollen aber keine redaktionelle Zeitung sein. Außerdem ist es sehr schwierig, solche Hintergrundinformationen ohne Tendenz zu liefern. Und wir möchten absolut nicht tendenziös sein. Die Menschen sollen auf Trupoli ihre eigene Meinung abgeben können. Aber solche Wikipedia-Texte bereitzustellen wäre eine Sache, über die man nachdenken kann. Trupoli lebt von Beiträgen aus der community. Filtert ihr Kommentare, um das Trupoli-Niveau hoch zu halten? Kommentare, die gegen die Verfassung oder die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen, oder auch Schmähkritik, lassen wir sicherlich nicht zu. Bei allem anderen ist es schwierig, eine vernünftige Grenze zu finden. Was ist zu unqualifiziert? Ich kann keinem Bürger seine Qualifikation absprechen. Besteht die Gefahr, dass ohne Qualitätskontrolle auf Trupoli nach einem Jahr nur noch Mist steht? Die Gefahr besteht, ja. Doch die Kommentare der Nutzer können ihrerseits wieder bewertet werden - das ist unser Kontrollmechanismus. Wir verstehen uns als komplementäres Angebot zu blogs, Zeitungen oder Zeitschriften. So können wir dieser Qualitätsdebatte ein wenig aus dem Weg gehen, da wir einfach etwas anderes machen. Wie soll Trupoli Politiker konkret erreichen? Politiker haben einen echten Mehrwert von Trupoli, weil sie bei uns ganz schnell sehen können, wer welche Aussage von ihnen wie sieht. Wir haben im Vorfeld mit vielen Politkern gesprochen und die haben uns gesagt, dass sie Trupoli für eine tolle Sache halten. Sie haben auch bekundet, dass sie gerne bereit wären, auf Trupoli mitzudiskutieren. Es haben sich schon in dieser frühen Phase die ersten Landes- und Bundespolitiker angemeldet. Im Ernst? Wer denn? Es hat sich zum Beispiel der Landesgeschäftsführer der SPD in Niedersachsen angemeldet. Und mit welchen Politikern habt ihr im Vorfeld gesprochen? Ich habe zum Beispiel mit Guido Westerwelle über Trupoli gesprochen. Der findet Trupoli eine gute Initiative. Vor allem aber haben wir mit den Parteien selbst gesprochen, mit den Bundesgeschäftsführern. Auf der Webseite heißt es, ihr wollt mit Trupoli Geld verdienen. Wie wollt ihr dieses Geld verdienen? Im Mittelpunkt steht hier der Aspekt Marktforschung. Konkret: Wenn die Aussage eines bestimmten Politikers auf Trupoli bewertet worden ist, könnten wir dem Politiker eine differenziertere Auswertung anbieten. Er könnte dann erfahren, wie viele SPD-Anhänger und wie viele CDU-Anhänger für ihn gestimmt haben. Dafür könnten wir Geld verlangen. Dann müsstet ihr die Identitäten eurer User kennen? Ja, die Daten in den Benutzerprofilen geben die Nutzer aber freiwillig preis - wer wählt SPD, wer CSU. Aber ganz klar, es werden keine persönlichen Daten weitergegeben, wie zum Beispiel bei studivz. Bevor wir mit diesem Aspekt von Trupoli starten können, brauchen wir aber zunächst eine kritische Masse an Usern, die wir so kurz nach dem Start noch nicht haben können.

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