Der Mensch im Wolfspelz

Melanie Reiner hat die Anti-Pelz-Kampagne "Bist du gelabelt?" organisiert. Im Interview erzählt sie, wie mühsam das Dasein als Tierschützerin sein kann.
lisa-freudlsperger

Die Saison für Glühwein und Lebkuchen beginnt, aber eben auch die Zeit, in der kleine Pelzbommel an der Mütze, Fellwesten und Mäntel wieder zum Straßenbild gehören. Grund für Pelzgegner, wieder aktiv zu werden. Melanie Reiner hat deshalb 2005 den Verein [link=" target="_blank">AnimalsUnited gegründet. Mit ihrer Kampagne [link=http://www.gelabelt.de/" target="_blank">„Bist du gelabelt?“ will sie die Menschen über das Leid der Tiere in der Pelzproduktion aufklären. jetzt.de: Melanie, als du deinen Verein gegründet hast, warst du gerade mal 16. Wie bist du so früh auf diese Idee gekommen? Melanie: Die Idee, eine eigene Organisation zu gründen, ist entstanden, weil es bis dahin keine Jugendgruppe in München gab, die sich explizit mit Tierrechten beschäftigt und öffentliche Aufklärungsarbeit betrieben hat. Außerdem wollte ich ein Zeichen setzen. Zeigen, dass man auch als junger Mensch aktiv werden und die Welt mitgestalten kann – auch wenn man noch nicht mal wählen gehen darf.   Einer eurer ersten Pläne war es, ein Pferd vor dem Schlachter zu bewahren. Was ist aus dieser Idee geworden?     Die Prioritäten ändern sich. Ich war damals ein totaler Pferdenarr und vielleicht auch etwas naiv. Wir hatten alles beisammen: Spenden, Paten, sogar einen Hof. Dann aber ist uns klar geworden: Bei fünf bis zehn aktiven Mitgliedern würden alle finanziellen und zeitlichen Ressourcen für dieses eine Tier draufgehen. Deshalb haben wir uns für eine Patenschaft bei der Pferdehilfe entschieden und für eine Wende vom karitativen zum politischen Tierschutz. Und was bedeutet das? Während man sich im karitativen Tierschutz um herrenlose Tiere kümmert oder Nutztiere vom Schlachter freikauft und sie anschließend versorgt, geht es im politischen Tierschutz ganz konkret um Aufklärungsarbeit. Dazu gehören Kampagnen, Poster, Infostände. In diesem Bereich sehen wir als Gruppe die Möglichkeit, viele Themen anzupacken und langfristig mehr zu bewirken.  

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Illustration: Julia Schubert

Melanie Reiner während des Interviews im veganen Dönerladen am Münchner Hauptbahnhof. Sie zeigt auf einen ihrer Antipelz-Buttons

Das ist mittlerweile fast acht Jahre her. Seitdem habt ihr es mit dem Kurzfilm zu eurer Anti-Pelz-Kampagne ins Vorprogramm ausgewählter Kinos geschafft. Worum geht es bei dieser Aktion?
Unsere „Bist-du-gelabelt?“-Kampagne ist unser größtes und derzeit wichtigstes Projekt, mit dem wir versuchen wollen, die Leute aufzuklären, mit wie viel Leid und Grausamkeiten die Pelzproduktion verbunden ist. Außerdem wollen wir darauf aufmerksam machen, dass bislang leider keine allgemeine Kennzeichnungspflicht für Pelzbesatz an Kapuzen und Mützen besteht. So kann es passieren, dass man versehentlich Echtpelz erwirbt.

Sieht man das nicht am Preis?
Nein, leider nicht. Echtpelzprodukte findet man zum Teil auch in richtigen Ramschläden und die Leute bemerken es nicht, weil viele noch denken, Pelz sei teuer. Dabei ist das leider nicht immer der Fall. Auf dieses Problem soll unser Kurzfilm hinweisen, der ab 31. Oktober wieder im Vorprogramm einiger Kinos in Norddeutschland, Bremen und München zu sehen sein wird. Gestartet haben wir die Kampagne übrigens bereits 2009 auf eigene Faust mit einem

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