Der Saubermacher

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Du machst eine Ausbildung zum Gebäudereiniger. Warum klingt das so komisch? Christian: Vermutlich weil viel Unkenntnis darüber herrscht. Alle denken immer, wir wären der Trupp der abends kommt und feucht das Büro auswischt. Unser Image rangiert so ungefähr direkt hinter der Müllabfuhr. Das ist völlig unberechtigt. Unser Arbeitsgebiet beschränkt sich nicht nur auf Reinigen, es geht auch zum Beispiel um Schädlingsbekämpfung oder um die Grünanlagenpflege. Der Beruf besteht aus 11 Lernfeldern. Wenn Leute heute dumm daher reden, versuche ich mal ihre Kenntnisse abzufragen - wenn sie denken, dass das alles so leicht ist. So kommt man ins Gespräch, kann ein paar Missverständnisse aufklären und ich versuche ihnen klar zu machen, warum dieser Beruf super ist Zum Beispiel? Zunächst mal: Der Anteil von Fachkräften ist gegen den Anteil von Aushilfskräften in diesem Beruf prozentual sehr klein. Das heißt, wenn man eine Ausbildung hat, kommt man sehr schnell in eine leitende Position, man kann fast direkt in die Objektleitung oder Bereichsleitung gehen. Aber auch der Beruf selber ist spannend, es gibt da drei für mich hochinteressante Bereiche: Industriereinigung, Gesteinsbearbeitung zum Beispiel an historischen Bauwerken und Krankenhaushygiene. Wenn es unser Wissen und unsere Arbeit dort nicht geben würde, wäre der Genesungsfaktor in Krankenhäusern sehr gering. Du bist jetzt auf der Meisterschule. Was hast du denn heute gelernt? Wir haben da heute Auftragsarbeiten und Kalkulation gemacht, also wie man Stundenverrechnungssätze berechnet, Unfallversicherungen, Pflegeversicherung etc., was der Arbeitgeber so zu tragen hat. Außerdem ging es um Mikrobiologie, die für die Desinfizierungen zum Beispiel in Krankenhäuser die Grundlage ist. Chemie gehört in diesem Beruf dazu, ich muss wissen, wie ich zum Beispiel die salzsäurehaltige Lösung eines Reinigers mit alkalischer Lösungen neutralisiere, so dass am Ende Wasser und Kochsalz übrigbleiben, die man besser entsorgen kann. Wie bist du auf diese Ausbildung gekommen? Ich habe seit ich 16 bin im Betrieb meiner Eltern in der Industriereinigung gearbeitet, habe mit 18 mein erstes kleines Team bekommen, für das ich die Verantwortung hatte. Große Maschinen mussten wir damals reinigen, die Kunststoffteile für die Stoßdämpfer von Fahrzeugen geformt haben. Diese 10-15 Meter langen Maschinen mussten wir öffnen und in speziellen Schutzanzügen reinigen. Das war schon ein Job mit ziemlich hoher Verantwortung, denn wenn an ein kleiner Fehler gemacht wurde, stand gleich die ganze Produktionslinie in Gefahr. Wie sieht dein Lebenslauf bis jetzt aus? Ich habe nach der elften Klasse Gymnasium aufgehört und die Gesellenausbildung angefangen. Die dauert normalerweise drei Jahre, ich konnte das aber verkürzen, weil ich einerseits den theoretischen Teil der Fachhochschulreife vom Gymnasium mitgebracht habe und dann noch gute Leistung vorweisen konnte. Deshalb war ich nach zwei Jahren damit fertig und bin auf die Meisterschule. Wenn alles klappt, beginnen für mich Mitte März die Prüfungen und wenn ich alles bestehe, krieg ich im Herbst den Meisterbrief. Mit 22 Jahren. Was bedeutet das, Meister sein? In unserem Handwerk ist der Meisterzwang gefallen. Das heißt, du kannst dich auch als Geselle selbständig machen. Allerdings ist der Meisterbrief immer noch ein Qualitätszeichen, ich darf als Meister außerdem ausbilden und kann mich besser verkaufen. Du bist ein gemachter Mann. Ich werde trotzdem dann noch ein Studium beginnen, auf der Fachhochschule, das sich Handwerksmanagement nennt und zugeschnitten ist auf mittelständische Handwerksbetriebe. Ein Bachelor-Studiengang mit sechs Semestern, den mache ich, weil ich mir sicher bin, dass es noch mehr betriebswirtschaftliche Kenntnisse braucht um einen Betrieb zu führen. Du gehst also in die Firma deiner Eltern? Ja, bis 2015 will ich die Geschäftsleitung komplett übernehmen. Derzeit arbeiten bei uns 650 Leute. Aber es hat mir schon immer Spaß gemacht, Verantwortung zu haben und das geht in diesem Handwerk wirklich schnell. Putzt du daheim eigentlich auch gerne? Ja klar, das kommt irgendwie automatisch, vor allem, wenn man die Mikrobiologie im Kopf hat und weiß, was sich da alles so tummelt, da halte ich mich schon lieber in sauberen Räumen auf. Deswegen ist im Urlaub auch die Flasche Sagrotan immer dabei.

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