Der Sohn des Landesvaters: Dominic Stoiber

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Wann warst du das letzte Mal ganz alleine? Das bin ich relativ häufig, man hat auch als Sohn des Ministerpräsidenten seine Ruhe. Aber du hast doch Leibwächter, oder? Nein, das wäre auch ein bisschen übertrieben. Ich lebe ein ganz normales Leben. Klar, ich stehe mehr im Blick der Öffentlichkeit als andere. Zum Beispiel kann ich nicht betrunken rumlaufen oder mich anderweitig gehen lassen. Die Presse würde so was als gefundenes Fressen nehmen. Das Schlimme dabei ist, dass solche Verfehlungen nie einem selbst angelastet werden, sondern immer dem Vater: Da heißt es dann nicht „Dominic Stoiber“ sondern immer „der Sohn des bayerischen Ministerpräsidenten“. Aber ich weiß, wie man damit umgeht. Man muss sich eben oft zusammenreißen.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Dein Vater ist ein bekannter Politiker, schon seit du auf der Welt bist. Hast du dich durch ihn anders entwickelt? Ich glaube, der größte Unterschied zwischen mir und anderen jungen Leuten ist, dass ich mich immer im Hinterkopf fragen muss: „Ist der so nett zu mir, weil er mich mag? Oder weil er weiß, dass mein Vater Ministerpräsident ist?“ Mein Freundeskreis ist deshalb nicht besonders groß, dafür aber sehr eng. Wirst du von Fremden auf deinen Namen angesprochen? Wenn Leute meinen Namen sehen, auf Behörden oder beim Zahlen an der Tankstelle, kommt schon oft die Frage, ob ich mit Edmund Stoiber verwandt bin. Bist du da immer ehrlich? Klar, denn auf diese Frage zu lügen hieße ja, die eigenen Eltern zu verleugnen. Ich stehe voll zu meinem Vater. Schließlich ist da auch nichts, wofür man sich schämen müsste. Ich bin sehr stolz auf das, was er in seinem Leben erreicht hat. Wie kommt deine Freundin damit zurecht, dass du so im Blick der Öffentlichkeit stehst? Als wir uns kennenlernten, wusste sie nicht, wer mein Vater war. Das hat sie erst später erfahren, als ich ihr meine Eltern vorgestellt habe. Natürlich musste sie sich daran gewöhnen, dass man zum Beispiel auf Empfängen immer beobachtet wird und sich nicht so frei bewegen kann. Gehst du abends feiern? Nein, ich gehe nie in Clubs. Lieber grille ich mit Freunden, aber öffentliche Parties besuche ich eigentlich nie. War das in deiner Jugend genauso? Als Jugendlicher bin ich schon oft ausgegangen, aber auch immer nur im kleineren Kreis. Ich bin auf dem Land, in Wolfratshausen, groß geworden. Als ich noch keinen Führerschein hatte, hieß das meistens, draußen im Landkreis zu feiern. Später bin ich schon ab und zu auf private Parties nach München gegangen. Hast du dir in der Pubertät nie gewünscht, normale Eltern zu haben? Meine Pubertät war eigentlich sehr relaxt, meine Eltern haben mir nichts vorgeschrieben oder wirklich verboten. Es hieß eher, „wenn du rauchen oder trinken willst, probier’s halt aus.“ Deshalb gab es keinen Anreiz, zu rebellieren. Meine Eltern haben das sehr pfiffig gemacht. Klar habe ich schon auch mal einen zuviel getrunken, aber das war dann auf Privatfeiern, wo ich wusste, dass nichts passiert. Warst du in deiner Kindheit oder Jugend einsam? Nein, ich hatte immer Freunde. Und meine Mutter war immer zuhause. Was für eine Schule hast du besucht? Erst war ich auf einem öffentlichen Gymnasium, dann ab der neunten Klasse auf einer Privatschule. Gab es von Lehrern je Anspielungen auf deinen Vater? Bei meiner älteren Schwester ist das einmal eskaliert. Da sollte sie in Englisch den Satz übersetzen, „die CSU macht fadenscheinige Politik in Bayern“. Als sie sich weigerte, bekam sie eine sechs. Daraufhin hat sich der Papa beim Direktor beschwert, was wiederum eine Riesenempörung verursachte, was denn dem Ministerpräsidenten einfällt, eine arme Lehrerin anzugreifen. Dabei hat er sich da als Vater aufgeregt, nicht als Politiker. Du selbst wurdest in der Schule nie gemobbt? Doch, ich wurde oft angefeindet und beschimpft. Geschlagen wurde ich nie, dazu war ich immer zu groß und zu stark. Man gewöhnt sich an die Bemerkungen und irgendwann prallt alles an einem ab. Man könnte das zwar kalt und gefühlsstarr nennen, aber man muss das so machen. Das ist Selbstschutz. Eine letzte Frage noch: Hast du eigentlich die Rundmail mit der Transrapid-Rede deines Vaters weitergemailt? Die habe ich oft gekriegt, aber nie weitergeschickt – das dauert mit meiner ISDN-Verbindung zu lange. Na ja, ich schmunzele über so was. Jemand wie der Papa, der von einem Termin zum anderen hetzt, redet so viel, da verspricht man sich schon mal. So was passiert halt. Das ist menschlich.

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