"Der Trick ist, sich mit hyperkreativen Leuten zu umgeben"

In einer Garage fing Marc Ecko an, T-Shirts zu bemalen. Heute beträgt der Jahresumsatz seiner Firmen 1,5 Milliarden US-Dollar. Ein Gespräch über Videospiele und Subkultur
rudolf-inderst

Schon Mitte der Achtziger beginnt Marc Milecofsky in der Garage des Hauses seiner Eltern T-Shirts mit Graffiti bemalen. 1993 – Marc ist 21 – gründet er mit einem Freund und seiner Zwillingsschwester Marci die Firma Ecko Unlimited. Die nächsten Jahre verbringt Marc Ecko damit, Geld in den Sand zu setzen. Erst um die Jahrtausendwende geht sein Konzept auf. Und nicht nur eines. Zum Ecko-Imperium gehören unter anderen die Skatemarke Zoo York, die Linie G Unit Clothing Company in Kooperation mit 50 Cent, die Schuhmarke Eckored, das Lifestylemagazin Complex und das Computerspiel Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure. 2008 wurde er als jüngstes Mitglied in den Vorstand des Council of Fashion Designers of America (CFDA) berufen. Der Namen Ecko soll angeblich auf eine Untersuchung zurückgehen. Als Marcs Mutter 1972 mit Marci schwanger war, habe der Arzt auf dem Ultraschallbild ein Echo wahrgenommen - Marc. jetzt.de: Marc, wenn Du hier gleich jetzt eine Visitenkarte für Dich selbst designen müsstest, was stände da unter Deinem Namen? Marc Ecko – Artist oder Marc Ecko – Unternehmer? Marc Ecko: Lustige Frage. Ich sitze nämlich auf dem Trockenen und brauche neue Karten. Die wollten mir für die Reise gleich wieder 1000 Stück mitgeben. Ich sagte, langsam, Leute, 200 reichen völlig. Aber um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Vermutlich stünde unter dem Namen gar nichts. Nur Marc Ecko. Von außen betrachtet lebt Marc Ecko den viel zitierten amerikanischen Traum. Angefangen hat alles mit einer Garage, in der Du mit Airbrush auf weiße T-Shirts losgingst. Wie blickst Du jetzt auf diese frühen Jahre Deiner Karriere zurück? Wie hat damals Deine Familie reagiert, als Du ihnen gesagt hast, was Du vorhast? Meine Familie hat immer an mich und was ich tue geglaubt, und sie haben mich nach Leibeskräften unterstützt. Ein Teil meines Selbstvertrauens habe ich sicherlich durch dieses Verhalten meiner Eltern und die Art, mit mir umzugehen gewonnen. Mit Deinem Videospiel „Getting up: Contents under Pressure“ hast Du 2006 den Spielemarkt betreten. Planst Du weitere Spiele? Spiele sind nach wie vor für mich der Wilde Westen der Medienkultur. Sie sind jung, frisch und unberechenbar. Zwei Titel stehen von mir an. Einer davon kommt bald, mit dem anderen ist vielleicht in sechs Monaten zu rechnen. Um was es sich dabei handeln wird, ist noch Geheimsache. Was hältst Du von der Spielebranche momentan im Allgemeinen? Ich habe das Gefühl, die Studios lassen sie vom Markt zu sehr antreiben. Sie werfen halbfertige Produkte auf den Markt und beugen sich dem Druck von Presse, Spielern und Publisher. Das ist der falsche Weg in meinen Augen. Wenn man sich hingegen Titel ansieht wie „Age of Conan“ oder „GTA IV“, dann weiß man, wo die lange Entwicklungszeit hingeflossen ist: in ein gutes und fertiges Produkt, das die Kunden zufrieden stellt. Was sind momentan Deine Lieblingsspiele? Momentan beobachte ich Nintendos Wii ganz genau. Spaß sollte im Zentrum der Spiele stehen; und ich habe das Gefühl, dass es richtig Spaß macht, auf dieser Konsole zu spielen. „Rock Band“ spiele ich auch ganz gerne. Du kommst aus New York – ist die Spielstadt „Liberty City“ in „GTA IV“ wirklich nahe am Vorbild New York? Definitiv. Es ist New York. Und noch was: Sam Houser, der Gründer von Rockstar Games, ist ein Genie!

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Illustration: Julia Schubert

Wie hältst Du eigentlich den Kontakt zu den Sub- und Jugendkulturen da draußen? Hier habe ich eine einfache, aber sehr wichtige Erkenntnis gewonnen. Man muss sich das ganze Geschäft, zeitlich gesehen, als großes Rad vorstellen. Ich kam zu der Einsicht, dass es so etwas wie einen losgelösten Moment oder Augenblick nicht gibt. Man muss immer die historische Einordnung bedenken. Wer etwas für die Zukunft machen will, soll in die Vergangenheit schauen und lernen. Denn alles kommt wieder – egal, welcher Trend es auch sein mag. Die Wahrscheinlichkeit, dass er bereits einmal existierte, ist viel höher als man denkt. Du bist jetzt 35 Jahre alt und bist in vielen Aktivitäten gleichzeitig am Start. Welche Geschäftsfelder und Branchen willst Du in den nächsten fünf bis sieben Jahren eigentlich noch aufmischen? Was bleibt noch übrig? Ehrlich gesagt, meine ganzen Beschäftigungen werden mich sicherlich die nächsten Jahre einnehmen. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, im Internet noch aktiver zu werden. Ich finde einfach gerne neue Projekte und Herausforderungen, die ich in Angriff nehmen kann – ich würde mich fast als „Serien-Unternehmer“ bezeichnen. Ich kann mir vorstellen, dass die Branche, in der Du arbeitest sehr hohe Anforderungen an Deine Kreativität stellt. Woher schöpfst Du neue kreative Energie? Der Trick ist, sich mit hyperkreativen Leuten und Freunden zu umgeben, die Dir immer wieder Impulse geben. Ideen müssen in einem offenen Klima zirkulieren können, der gegenseitige Austausch im Team ist dabei entscheidend.

Text: rudolf-inderst - Foto: AP

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