Der Weg ist das Ziel

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Am Samstag werden vierzehn auffällig dekorierte und bunt bedruckte Autos am Münchner Stachus stehen und auf den Startschuss von Thomas Daamen und Cornelius Boucke warten. Die beiden 33-Jährigen organisieren dieses Jahr zum zweiten Mal die Rallye München - Barcelona . Das Besondere an der Tour: Die Rennautos dürfen nicht mehr als 500 Euro gekostet haben. Jetzt.de: Sagt mal, Thomas und Cornelius, sind Autos, die weniger als 500 Euro gekostet haben, nicht eigentlich komplett schrottreif? Thomas: Nicht unbedingt. Klar ist es schwierig, ein 500 Euro teures Auto zu finden, mit dem man dann zwei Jahre lang quer durch die Welt fahren kann, ohne dass irgendwann der Auspuff abfällt oder etwas anderes nicht funktioniert. Aber vor allem nicht so gängige Automarken sind oft für wenig Geld zu haben und durchaus noch funktionstüchtig. Cornelius: Bei unserer Rallye geht es auch nicht um Schnelligkeit und Wettkampf, sondern rein ums Abenteuer. Gewinner sind alle, die am Ziel mit einem schlechten Auto gut ankommen. Der Reiz liegt für uns darin, mit dem Auto zu leben, zu erleben und zu überleben.

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Illustration: Julia Schubert

Thomas und Cornelius vor ihrem Rennauto: ein Rover 827 Vitesse. In was für einem Auto habt ihr denn vor, zu überleben? Thomas: So eine Rallye ist ein guter Grund, das Auto zu fahren von dem man schon immer geträumt hat. Mich reizen Autos, die schick waren als ich noch ein Kind war. Der Bus vom A-Team oder der Ferrari von Magnum wären toll gewesen. Oder ein Mercedes 200 SL, mit dem Devon aus Knight Rider immer gefahren ist. Cornelius: Am Ende wurde es ein Rover 827 Vitesse. Er hat nur 371 Euro auf Ebay gekostet. Rover ist deswegen so günstig, weil der Marke hier in Deutschland niemand vertraut. Man kriegt als Käufer relativ viel Auto für sein weniges Geld, hat dann aber natürlich auch das Risiko, dass Ersatzteile nur sehr schwer zu bekommen sind. Was für Tricks gibt es denn noch, wenn man ein Auto erwerben will, das günstig ist, aber noch eine Weile fahren soll? Cornelius: Autos mit optischen Mängeln sind oft sehr billig zu haben, obwohl sie technisch noch total in Ordnung sind. Außerdem kann man auch durchaus auf die Jahreszeit achten, wenn man ein echtes Schnäppchen machen will. Cabrios kriegt man im Herbst und Winter zum Beispiel fast hinterher geschmissen. Wieviel Euro sollte denn jemand mindestens gespart haben, um sich nach dam Führerschein seinen ersten Gebrauchtwagen zu kaufen? Thomas: Mit mindestens 1000 Euro sollte man für den Kauf schon rechnen. Für dieses Geld bekommt man zum Beispiel einen guten Toyota. Cornelius: Schön schnittig ist das Auto dann halt möglicherweise nicht. Thomas: Toyota hat aber wirklich lange Zeit auf technische Qualität gesetzt. Die Autos halten wirklich lange. Wer auf Nummer sicher gehen will, bekommt für circa 2000 Euro eigentlich ein Auto, das technisch und optisch ok ist und im Idealfall auch wenig reparaturanfällig ist. Und wie kann man bei der Probefahrt erkennen, dass das Auto wirklich fährt und nicht nur bis zur nächsten Kreuzung kommt? Cornelius: Indem man jemand zur Probefahrt mitnimmt, der sich mit Autos auskennt. Thomas: Es hat ja aber auch jeder eigene Augen und Ohren. Röhrt der Auspuff, ist der Unterboden verrostet, funktionieren die Bremsen? Das sind alles Dinge, die auch ein Auto-Laie erkennen kann. Es kann auch schon hilfreich sein, einfach mal die Fußbodenmatte zu heben. Ein alter Käfer hat da unter Umständen kein Metall mehr drunter. Auch die Spalte zwischen Kofferraum und Karosserie ist interessant. Wenn die ungleichmäßig verläuft, kann das ein Hinweis darauf sein, dass das Gestell wegen eines zurückliegenden Unfalls verzogen ist. Was sind das denn für Leute, die 500 Euro für eine Schrottkarre ausgeben, um damit nach Barcelona zu fahren? Thomas: Abenteuerlustige Autofreaks so wie wir. Die meisten sind zwischen 20 und 40 Jahre alt und verrückt genug, bei unserer Rally mitzumachen. Ist so eine Rallye nicht wahnsinnig unökologisch? Habt ihr kein schlechtes Gewissen? Thomas: Eigentlich überhaupt nicht. Wenn ich jetzt zum Urlaub machen nach Australien oder Thailand fliegen würde, wäre mein ökologischer Fußabdruck doch viel größer. Cornelius: Außerdem schießen wir ja nicht über die Autobahn bis nach Spanien. Wir bummeln mit unseren Autos so gemütlich wie möglich die Serpentinen hoch und runter und verpulvern jetzt nicht sinnlos Sprit.

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Illustration: Julia Schubert

Die 500-Euro-Kolonne vom letzten Jahr. Geht es bei eurer Reise auch ein bisschen darum, den perfekten Männerurlaub zu erleben? Thomas: Wir haben auch ein Frauen-Team, das mitfährt. Aber tatsächlich ist unsere Rallye eine Art Traumurlaub für Männerherzen. Letztes Jahr hatten wir drei Teams, die rein zum Urlaub machen mitgefahren sind. Da wurde dann morgens immer ausgelost, wer fahren muss und die zwei anderen haben dann den ganzen Tag auf dem Rücksitz Bier getrunken und Quatsch gemacht. Cornelius: Der Mythos Männerurlaub besteht darin, dass man sich am Ende die tollsten Geschichten darüber erzählen kann. Wir bereiten für jede Etappe auch extra deswegen kleine Aufgaben vor, die ein bisschen dazu anregen sollen, auf der Fahrt Abenteuer zu erleben. Was denn zum Beispiel? Cornelius: Die „Ein Euro Aufgabe“ vom letzten Jahr bestand darin, für einen Euro so viele Dinge wie möglich zu kaufen. Allerdings befanden sich die Teams zu dem Zeitpunkt irgendwo zwischen Mailand und Turin und kaum jemand konnte Italienisch. Und es war Sonntag, die Läden hatten also geschlossen. Ein Teilnehmer hat dann zum Beispiel dem McDonalds für ein paar Cent Papiertüten abgekauft. Natürlich auf Rechnung. Wir hätten es anders schließlich nicht überprüfen können. Woher kommt denn eigentlich eure Liebe zu Autos? Thomas: Bei mir war sie einfach immer schon da. Als Kind habe ich mit Autos gespielt, in den Semesterferien habe ich auf Automessen gearbeitet. Ich weiß gar nicht, wie viele Autos ich in meinem Leben schon besessen habe. Fünfzehn vielleicht. Cornelius: Frauen haben einen Schuhtick und Männer eben gerne einen Auto-Tick. Der Unterschied liegt höchstens darin, dass Autos ein bisschen größer und ein bisschen teurer sind. Thomas: Kommt auf die Schuhe an. Verglichen mit unseren Rallye-Autos gibt es definitiv Schuhe, die teurer sind.

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