Derby Shop: Berlin ist das Internet

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Gerade das Geschäft aufgemacht und schon ist es halb leer geräumt. Von so etwas können neu eröffnete Shops eigentlich nur träumen. Nicht so im Fall des am Montag im Berliner Stadtteil Friedrichshain eröffneten T-Shirt-Stores Derby Shop. Der Eröffnung folgte nur zwei Nächte später ein Einbruch. Daniel Köllner, der Leiter des Shops, ist zwar verärgert, aber nicht verzweifelt. Muss er auch nicht, denn „Derby“ oder auch „Derbz“ hat weitaus mehr zu bieten als nur T-Shirts.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Was wurde denn geklaut? Einige Laptops. Wäre nicht weiter schlimm - der Sachschaden ist gering -, wenn auf den Laptops nicht viele unserer Ideen gewesen wären. Die Depression ist noch nicht ganz verflogen, aber wir verfolgen unsere Ziele weiter. Erzähl mal, was die Ziele von Derby sind? Vor zwei Monaten ist unsere Onlineplattform gestartet. Sie ist aus der Spreadshirtszene (spreadshirt.de) hervorgegangen, wo jeder seine Shirts mit eigenen Motiven selber machen kann. „Derby“ will darüber hinaus jungen Designern eine Möglichkeit bieten, sich auszuprobieren. Dabei verfolgen wir den Gedanken des social marketing. Was heißt das? Bei uns bekommen die Designer direkt ein Feedback auf ihre eingereichten Motive und haben auch die Chance, dass ihre Motive, wenn sie sich bei einer Abstimmung im Netz durchsetzen, mit 500 Euro bezahlt und auf ein T-Shirt gedruckt werden. Wie genau läuft so eine Abstimmung ab? Viele Designer schicken uns ihre Motivvorschläge. Dann schauen wir von „Derby“ darauf, ob bestimmte technische und inhaltliche Voraussetzungen eingehalten werden. Wir achten auf Farben, Verläufe oder darauf, dass keine Trademarks verletzt werden. Gibt es auch inhaltliche Eingriffe? Rassistische Motive sortieren wir aus. Und ein wenig Geschmackspolizei gehört auch dazu, das haben wir auch so kommuniziert. Es ist aber eine demokratische Geschmackspolizei, die sich aus zehn bis zwölf Leuten zusammensetzt. Wir wollen individuelle Designs, die ausdrücken, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Was passiert mit den Entwürfen, die Ihr auswählt? Die Motive, die durchkommen, werden im Internet präsentiert, und die Derby-Community stimmt nach sieben bis zehn Tagen darüber ab, welches Motiv gewinnt. Und das wird dann als T-Shirt produziert. Und bei Euch im Laden kann man die Shirts dann kaufen? Bisher haben wir die Shirts nur über unsere Website vertrieben. Der Shop soll zweierlei bewirken. Zum einen zeigen und verkaufen, was wir haben. Zum anderen zu sagen, „Kommt rein, macht mit!“ Wer will, kann sich hier die Motive ansehen und sich von den Verkäufern auch darüber beraten lassen, wie man selbst über die Auswahl mitbestimmt und aktiv an „Derby“ teilnimmt. Wie viele Motivvorschläge braucht es, damit schließlich ein T-Shirt entsteht? Derzeit etwa 50. Davon werde 20 aussortiert, weil sie technisch nicht machbar sind. Dann schmeißt die Geschmackspolizei noch mal fünf bis zehn raus. Über die anderen 20 bis 25 stimmt die Community ab. All diese Zahlen werden sich aber, wenn es nach uns geht, noch drastisch erhöhen. Denn „Derby“ hat momentan hohe Zuwachsraten. Wir haben mit drei Motiven angefangen, jetzt sind es schon 50. Ähnlich ist es bei denen, die mitmachen. Sollen weitere Shops folgen? Das hier ist ein Experiment. Wenn der Laden gut läuft, werden sicher weitere folgen. Egal wo - „Derby“ ist ja eine internationale Plattform.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Derby Shop, Gabelsberger Str. 16, Berlin-Friedrichshain (nahe der U-Bahnstation Samariterstr.); Im Netz unter english.derbz.com. Du wohnst nicht in Berlin, willst aber wissen, wie es im Derby-Shop aussieht? Hier gibt es Fotos.

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