Die Gummibärenbande

Tarvo, 22 und Cedric, 21 sind zwei Köche aus Barmbek. Seit neuestem beleben sie Hamburg mit einer neuen Form der Street Art: Aus Gummibärchen kleben sie kleine Kunstwerke an die Scheiben der Stadt.
mercedes-lauenstein

Ihr wart überhaupt nicht schwer ausfindig zu machen – dabei legen Street-Art Künstler doch immer so großen Wert auf Anonymität. Wir machen ja nichts kaputt - deshalb brauchen wir uns auch nicht verstecken. Weil wir die Gummibärchen bloß durch unsere Spucke klebrig machen, fallen sie nach kurzer Zeit einfach wieder ab. Wir wollen nicht rebellieren, sondern den Menschen ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Und funktioniert das? Bekommt ihr viel Feedback? Ja, sehr viel sogar! Unsere Visitenkarten kleben wir gleich neben die fertigen Bilder. So gelangen die Leute zu unserem Internetauftritt und schreiben uns. Neben Lob bekommen wir oft auch Bilderwünsche, die wir dann tatsächlich umsetzen. Letztens wollte jemand eine Hello Kitty in der U-Bahn sehen – also haben wir eine Hello Kitty in die U-Bahn geklebt und das Bild bei Facebook hochgeladen. Seit wann macht ihr das jetzt schon? Seit April diesen Jahres. Zu der Zeit arbeiteten wir gemeinsam in demselben Restaurant in Großhansdorf. Auf der langen U-Bahn Strecke von der Arbeit nach Hause war uns wieder einmal langweilig. Wir aßen Gummibärchen und plötzlich drückte einer von uns ein angelecktes Bärchen gegen das U-Bahn Fenster. Siehe da, es blieb kleben. Richtig gut sogar. Und weil Gummibärchen so bunt und ein bisschen transparent sind, sah das auch noch ziemlich klasse aus. Wir klebten ein kleines Muster. Die Idee war geboren... Genau. Von nun an kauften wir die Gummibärchen kartonweise im Penny Markt und klebten überall, wo es uns witzig erschien, bunte Bilder. Das größte Bild, was wir je geklebt haben, hielt sich eine Woche lang am ehemaligen Hertiekaufhaus-Schaufenster in Barmbek. Es bestand aus den Motiven des Hamburger Wappens, des St.Pauli Wappens, einer Krake und der Deutschlandflagge. Weil das Fenster überdacht war, konnten sich die Bilder so lange halten – nur alle zwei, drei Tage fuhren wir hin, um einige heruntergefallenen Bärchen zu ersetzen. Das war toll. Normalerweise reicht ja schon ein kleiner Regenschauer, um alles aufzulösen.

Tarvo und Patric beim Gummibärchenkleben - begleitet von ihrem persönlichen Bandensoundtrack Hat euch denn wirklich noch nie die Polizei aufgehalten - auch in der U-Bahn nicht? Naja, wie die Polizei eben so ist: Die kommen sofort an und fragen in ernstem Ton, was da los sei. Aber sie merken schnell, dass wir nichts beschädigen und dass unsere Aktionen auf guter Absicht basieren. Meistens finden sie uns sogar lustig. Als wir das Hertie Schaufenster beklebt haben, mussten wir versprechen, dass wir die auf den Boden fallenden Gummibärchen wieder aufheben und selbst entsorgen – aber das war alles. Nur in der U-Bahn letztens, da mussten wir ein Bild wieder wegputzen. Aber das war eine Ausnahme.

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Eine Auswahl der Werke der Gummibärenbande Und was meinst du, wie viele Tüten Gummibärchen habt ihr seit Beginn eures Schaffens schon verbraucht? Oh, mehrere hundert bestimmt! Geht das nicht ziemlich ins Geld? Doch. Dafür, dass es eine sehr vergängliche Form der Kunst ist, kostet das schon eine Menge. Aber: Wir haben das große Glück einen Sponsor gefunden zu haben! Wie jetzt? Werdet ihr etwa von einem Gummibärchenhersteller bezahlt? Nein, das nicht. Aber ein Bekannter von uns ist Vermögensverwalter. Als wir ihm von der Idee erzählt haben, war er so begeistert, dass er uns sofort finanziell unterstützen wollte. Die Gummibärchen fallen preislich eigentlich gar nicht so ins Gewicht. Das wirklich Teure sind eher Sachen wie Visitenkarten und seit Neustem auch T-Shirts, auf denen wir unsere Website bewerben. Wir wollen unsere Idee schließlich verbreiten. Und dass er das zahlt, dafür sind wir sehr dankbar. Habt ihr denn nun vor, eure Idee zu einer Art Geschäft zu machen? Nein, das geht gar nicht. Und das wollen wir auch gar nicht. Wir wollen bloß etwas Witz und Leichtigkeit in das Alltagsleben der Menschen bringen. Und wir möchten, dass vielleicht auch andere Leute anfangen, in ihrer Stadt Gummibären zu kleben. Oder zumindest Lust haben, uns ihre Bildideen zukommen lassen. Vielleicht finden sie die dann kurze Zeit später sogar irgendwo in der Stadt wieder. Kann man euch denn eigentlich auch mal in Aktion antreffen? In Aktion wird schwierig, weil wir sehr spontan sind. Ansonsten sind wir immer wieder in der U-Bahn unterwegs - und am Wochenende auch auf dem Kiez. Eigentlich wie diese nervigen Studenten, die dir andauernd Flyer in die Hand drücken wollen - nur, dass wir natürlich viel netter sind. Wir wollen nämlich überhaupt nichts verkaufen. Wir singen nur immer das Gummibärenbandenlied und sind ganz in unserem eigenen Auftrag unterwegs. In Zukunft wollen wir uns auch eine große Plexiglasplatte kaufen und unsere Bilder in der Fußgängerzone kleben. Live, sozusagen. Die Gummibärenbande hat eine eigene Homepage und es gibt sie auch auf MeinVZ. Auf ihrer Facebookseite kann man sich Bilder und Videos von bisherigen Gummibärchenkunstwerken ansehen.

Text: mercedes-lauenstein - Bild: sheym / photocase.com

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