Die Herausforderung, Mann zu sein

An der Uni Hamburg veranstaltet der AStA in dieser Woche zum ersten Mal "Männertage". Ein Interview mit der Gleichstellungsbeauftragten Johanna Tensi, 21, über die neue Rolle des Mannes und den Sinn von Kochkursen.
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Illustration: Julia Schubert

jetzt.de: Johanna, du bist Gleichstellungsbeauftragte an der Uni. Eine deiner Aufgaben ist es, gegen Diskriminierung an der Uni vorzugehen. Kamen in letzter Zeit mehr Männer mit ihren Sorgen zu dir? Johanna: Nein. Um ehrlich zu sein, bin ich in meinen Sprechzeiten noch nie besucht worden. Weder von einem Mann noch von einer Frau. Warum nicht? Wird niemand benachteiligt oder trauen sich die Studenten nicht? Ich denke schon, dass es Studierende gibt, die mit Diskriminierung konfrontiert werden. Warum sie nicht zu mir kommen, weiß ich nicht. Vielleicht gehen sie mit diesen ernsten Problemen lieber zu einer professionellen Beratung. Drei Tage lang geht es trotzdem um die Männer. Warum? Weil Männer so eine Veranstaltung verdient haben. Sonst wird tendenziell mehr über die Frau und ihre Sorgen gesprochen. Man darf das andere Geschlecht aber nicht vergessen. Schließlich haben sich auch für Männer viele Veränderungen mit der Emanzipation der Frau ergeben. Viele sind unzufrieden geworden mit dem, wie ihr Leben abläuft. Sie fühlen sich überlastet, gestresst, ausgepowert, innerlich leer und stellen sich viele Fragen.

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Illustration: Julia Schubert

Johanna Tensi ist die Gleichstellungsbeauftragte der Universtät Hamburg. Und diese sollen auf den Männertagen der Asta Hamburg beantwortet werden? Zumindest wollen wir für die männlichen Fragen und Probleme sensibilisieren und einen Raum für Austausch schaffen. Dies tun wir mit Infoständen vor dem Audimax, Workshops zu Stimme und Präsentation, Fitness und Kochen sowie Vorträgen zu Themen wie zum Beispiel „Männer als Opfer von Gewalt“. Erleben Männer häufig Gewalt? Tatsache ist, dass Gewalt gegen Männer häufiger vorkommt, als man denkt. Leider ist das ein Tabuthema, über das nicht gesprochen wird. Am wenigsten sprechen die Betroffenen selbst darüber, weil sie sich schämen oder Angst haben als „Schwächlinge“ dazustehen. Kein Mann gibt gerne zu, dass er von seiner Frau unterdrückt, misshandelt oder geschlagen wird. Und wozu wird gekocht? Damit kommt der „neue Mann“ ins Spiel, der das traditionelle, hegemoniale Rollenbild überwindet. Durch das gemeinsame Kochen soll die Brücke zur bisher klassisch weiblichen Aufgabe, dem Kochen, geschlagen werden. An diese sollte sich der Mann von heute gewöhnen. Wie muss man sich den „neuen Mann“ vorstellen? Die Gleichungen "Frauen sind gleich Kinder, Küche, Kirche" und "Männer sind gleich Brotverdiener" gehen nicht mehr auf. Die Frauen drängen in die Arbeitswelt, brechen ihr Rollenbild auf und nehmen einen Teil des männlichen an. Der Mann ist also nicht mehr der einzige und dominante Verdiener. Er sollte über Probleme und Schwächen reden können, seine Frau in ihrer Suche nach Unabhängigkeit und Gleichheit unterstützen. Zugleich heißt das aber auch, dass er einen Teil des „Weiblichen“ annehmen muss - vor allem, was die Aufgaben in Haushalt und Kindererziehung betrifft. Nehmen auch Frauen teil? Natürlich sind auch die Frauen Teil des Prozesses zum neuen Mannsein. Wichtig ist, dass sie die neue Rolle der Männer nicht nur fordern, sondern diese auch mit ihren „Schattenseiten“ - wie „ausgelaugt sein“ auf Grund der vielen neuen und anstrengenden Aufgaben - akzeptieren und aktiv daran mitarbeiten. Also sind sie herzlich zu den Infoständen und Vorträgen eingeladen. Die Workshops aber, sind speziell nur für die Männer gedacht. Wie viele machen da mit? Bisher habe ich erst sehr wenige Anmeldungen erhalten. Ich befürchte, dass sich viele nicht trauen. Dennoch habe ich auch positive Stimmen gehört, die es gut finden, dass endlich mal die Männer dran sind. Sonst gehe es ja immer nur um Frauen und die Emanzipation.

Text: ulrike-schuster - Bild: privat, Illustration: katharina-bitzl

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