Die Supermutti

Ihre Stimme mache die Welt ein bisschen schöner, schreibt The Guardian über Rebecca Ferguson. Im Interview spricht die 25-jährige Britin über Castingshows, ihren größten Fan Adele und die Schwierigkeit, Mutter- und Popstar-Dasein unter einen Hut zu bekommen.
daniel-schieferdecker

jetzt.de: Deine Karriere hat 2010 mit der britischen Ausgabe der Castingshow X Factor angefangen – zu einer Zeit, als du ziemlich abgebrannt und verzweifelt warst. Wie bist du damals in die Show gekommen?
Rebecca Ferguson: Ich hatte mich bereits in den beiden Jahren zuvor beworben, auch bei anderen Castingshows, bin aber nie über ein erstes Vorsingen hinausgekommen. Vor zwei Jahren war ich dann an einem Punkt, an dem ich mich schon fast aufgegeben hatte. Erst kurz vor dem Start der Staffel habe ich mich dazu durchgerungen, es ein allerletztes Mal zu versuchen.  

Inwiefern hat "X Factor" nicht nur dein Leben, sondern auch dich als Person verändert?
X Factor hat mich stärker gemacht, denn die Wochen während der Show waren wirklich hart. Dadurch, dass ich bereits mit 17 Jahren Mutter geworden bin, habe ich einen Teil meiner Jugend übersprungen und es daher als schwierig empfunden, mir plötzlich mit einem Haufen Fremder ein Haus teilen und mich auf die Befindlichkeiten jedes einzelnen einstellen zu müssen. Eine solche Situation besitzt eine ungemeine Dynamik, zumal man mit den Leuten in einem permanenten Wettkampf steht. Der Druck, der auf jedem Einzelnen liegt und die hohen Erwartungen sind jederzeit spürbar. Eine vollkommen surreale Situation.  

http://www.youtube.com/watch?v=ISndg5sNXvM  

Einer deiner größten Fans ist Adele. Wie viel bedeutet dir ihr Zuspruch?
Adele ist eine großartige Künstlerin, die mit ihrer ungekünstelten Art eine neue Tür aufgestoßen und die Ehrlichkeit ins Showgeschäft zurückgebracht hat. Sie gibt nicht vor, jemand zu sein, der sie nicht ist. Und das macht sie zu etwas ganz besonderem. Dafür bewundere ich sie, insofern ist ein Kompliment aus ihrem Mund natürlich der absolute Wahnsinn. 

Du bist 25 Jahre alt und zweifache Mutter, hast deine Kinder im Alter von 17 und 19 Jahren bekommen. Wo sind die Beiden jetzt?
Die sind zu Hause bei meiner Mum. Beide müssen ja zur Schule gehen.  

Setzt es dir sehr zu, sie mehrere Tage am Stück nicht sehen zu können?
Und wie! Ich habe gute Tage, an denen ich einigermaßen damit klar komme, aber ich habe auch schlechte Tage, an denen es mir fast das Herz zerreißt.  

Wie bekommst du deinen Job als Sängerin und dein Mutter-Dasein unter einen Hut? Das scheint nicht ganz einfach zu sein.
Das ist es auch nicht, denn ich bin nun häufiger nicht zu Hause. Umso wichtiger ist es dann, dass ich voll und ganz für meine Kinder da bin, wenn ich daheim bin und sogenannte Quality Time mit ihnen verbringe. Wenn ich da bin, gibt es für mich nur noch die Beiden, dann gehen wir in den Park, sehen gemeinsam Zeichentrickserien oder spielen zusammen auf der Wii. Und natürlich achte ich sehr darauf, dass ich nicht zu lange am Stück von meinen Kindern getrennt bin, denn Lilly und Karl stehen natürlich immer an erster Stelle.  

Deine Kinder sind alt genug, um mitzubekommen, dass ihre Mutter nun ein Popstar ist und in der Öffentlichkeit steht. Wie gehen die Beiden damit um?
Sehr gut, auch wenn es für sie immer noch komisch ist, ihre Mami plötzlich im Radio zu hören. Aber sie besuchen mich auch auf meinen Konzerten und tanzen zu meiner Musik. Ich bin ja froh, dass sie ihnen überhaupt gefällt (lacht). Obwohl sie mit ihren 6 und 8 Jahren noch so jung sind, bekomme ich von ihnen ganz viel Unterstützung, und das mitzubekommen macht mich als Mutter wahnsinnig stolz.

http://vimeo.com/32582165

Kannst du dich noch daran erinnern, als sie dich das erste Mal im Fernsehen gesehen haben?
Sie waren ein bisschen verwirrt und konnten nicht ganz verstehen, wie ich gleichzeitig im Fernsehen sein und neben ihnen auf der Couch sitzen konnte (lacht). Als ich dann mal wieder unterwegs war, hat Karl wohl eine ganze Weile immer mal wieder hinterm Fernseher nach mir gesucht oder wollte den Fernseher anmachen, um zu sehen, ob ich wieder da drin bin.  

Wie war es denn damals für dich, als du von deiner Schwangerschaft erfahren hast?
Das war natürlich ein Schock. Ich war total verwirrt und ängstlich. Ich war ja noch superjung und wusste gar nicht so recht, wie mir geschah. Plötzlich hat sich alles verändert – nicht nur mein Körper, sondern meine kompletten Lebensumstände.  

Wie bist du damit umgegangen?
Das erste, was ich gemacht habe, war wohl eine Übersprungshandlung: Ich bin in den Laden für Malerbedarf gegangen, habe ganz viele Farben gekauft und die komplette Wohnung knallbunt angemalt. Das Wohnzimmer erstrahlte auf einmal in leuchtendem Gelb. Das war wohl meine Interpretation des Nestbaugedankens.  

Und wie waren die Reaktionen deiner Eltern und Freunde?
Die waren genauso geschockt wie ich. Ich bin für alle die Letzte gewesen, von der man eine Schwangerschaft erwartet hätte, hatte vorher auch noch nie einen Freund. Ich habe alle vollkommen überrascht. Umso mehr Angst hatte ich aber auch davor, dass mich alle verurteilen würden. Aber so schlimm war es dann glücklicherweise nicht.  

Keine Leute, die der Meinung waren, du hättest mit der Schwangerschaft dein Leben ruiniert
Doch, solche Reaktionen gab es auch – wenngleich mir das die Wenigsten so drastisch ins Gesicht gesagt haben. Heutzutage ist es ja auch total unüblich, in jungen Jahren schon Mutter zu werden, weil für die meisten Menschen erst einmal andere Dinge im Vordergrund stehen. Aber wenn es passiert und man schwanger wird, dann ist das eben so. Da kann man ja nicht plötzlich sagen: “Okay, jetzt ist das Leben vorbei.” Die Gesellschaft hat sich leider dahingehend verändert, aber man darf jungen Müttern deshalb nicht ihre Möglichkeiten verbauen, sondern muss ihnen helfen, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Wenn man mit 17 Jahren schwanger wird, fühlt man sich eh schon wie der letzte Dreck – da kann ein bisschen Unterstützung von außerhalb nicht schaden.  

Hast du auch mal darüber nachgedacht, dein erstes Kind nicht zu bekommen?
Natürlich wäre das eine Option gewesen, aber eigentlich habe ich das nie in Erwägung gezogen. Ich habe relativ schnell die Entscheidung getroffen, mein Kind auf die Welt zu bringen – auch wenn viele Freunde und Teile meiner Familie ihre Bedenken hatten. Aber: Ich habe es hinbekommen. Und ich bin wahnsinnig froh, sie zu haben. Sie sind ein Segen. Ich kann und will mir gar kein Leben mehr ohne sie vorstellen. Und ganz ehrlich: Nun diese Karriere zu haben ist toll. Aber es ist nichts im Vergleich dazu Mutter zu sein. 

Haben deine Kinder dein musikalisches Talent geerbt?
Lilly möchte zur Zeit lieber Friseurin werden, aber sie tanzt wie eine Wahnsinnige und ist wirklich gut darin. Karl spielt ganz gerne mal ein paar Töne auf dem Piano, aber ich kann nicht behaupten, dass er dafür schon eine Leidenschaft entwickelt hätte. Ich werde ihn aber auch nicht dazu drängen, das soll er für sich selbst entscheiden. Momentan interessiert er sich vor allem für Monster und Aliens – aber wer weiß, für was das noch mal gut ist (lacht). 

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Illustration: Julia Schubert


 „Heaven“ von Rebecca Ferguson ist bei Sony erschienen.

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