Die TU Clausthal bildet Endlager-Spezialisten aus

Die TU Clausthal bietet seit dem Wintersemester 2006 einen neuen Masterstudiengang an. In Radioactive and Hazardous Waste Management geht es nicht nur um die Beseitigung von radioaktivem Müll, sondern auch um die mindestens genauso problematischen chemotoxischen Abfälle, die in ihrem Volumen, das der radioaktiven um ein hundertfaches übersteigt. Bisher ist die TU Clausthal europaweit die einzige Insitution, die einen solchen Studiengang, der als Master of Science abgeschlossen wird, anbietet. Professor Dr. Kurt Mengel lehrt am Institut für Mineralogie und Mineralische Rohstoffe der TU Clausthal.
nina-roethel

Warum wurde der Studiengang eingeführt? Vor dem Hintergrund der immer konkreter werdenden Realisierung von Endlagern in tiefen geologischen Formationen und der intensiver geführten Diskussion um einen Standort für hochradioaktive Abfälle, war es an der Zeit, die wissenschaftlichen Kompetenzen in Endlagerfragen an einer Hochschule in Deutschland zu verstärken. Die TU Clausthal ist die einzige Hochschule, an der das entsprechende Wissen bereits vorliegt und an der mit dem neuen Curriculum das Know-how in der erforderlichen Breite den Studierenden langfristig angeboten werden kann. Insgesamt besteht nämlich ein Mangel an einschlägig ausgebildetem Nachwuchs, der in der Lage ist, das bestehende Wissen umzusetzen. Außerhalb von Deutschland, in der EU, existiert kein vergleichbarer Studiengang, in dem dieses Wissen umfassend vermittelt wird.

Prof. Dr. rer. nat Kurt Mengel vom Institut für Mineralogie und Mineralische Rohstoffe Wie wird mit diesem Defizit an Wissensverbreitung umgegangen? Wir sind in ein großes EU-Programm eingebunden. Die TU Clausthal hat zusammen mit den Universitäten Nancy in Frankreich, Madrid und Prag ein gemeinsames Curriculum entwickelt. An diesen drei Universitäten wird aber nicht Radioactive and Hazardous Waste Management gelehrt, sondern im Wesentlichen Studiengänge wie Bergbau, Geotechnik oder Bauingenieurswesen, Studiengänge, die auch für RHWM-Studenten interessant sind. Die beteiligten Professoren werden Vorlesungen auf Englisch halten, die online und interaktiv über das Internet in die jeweils anderen drei Länder übertragen werden. Das spart Professorenschaft, denn es kann nicht jedes Land, das ein Atomkraftwerk hat, einen solchen Studiengang in voller Breite vorhalten. Welche Voraussetzungen benötigt man um Radioactive and Hazardous Waste Management zu studieren? Der Studiengang ist als Masterstudiengang angelegt, weshalb man also einen Bachelorabschluss mit einer einschlägigen Vorbildung in Geowissenschaften auf der einen Seite und Ingenieurfächern aus dem Geobereich (Geotechnik, Bergbau, Bauingenieurswesen etc.) auf der anderen erworben haben muss. Natürlich können sich aber auch solche bewerben, die ein Diplom haben und sich weiterbilden möchten. Was lerne ich in diesem Studiengang? Dieser Masterstudiengang ist fachübergreifend angelegt und umfasst wesentliche Teile der Abfallkette: von der Abfallentstehung über die Abfallkonditionierung, der Suche von Standorten in tiefen geologischen Formationen, bis hin zu rechtlichen Fragen, Genehmigungen, Strahlenschutz und vor allem dem Langzeitsicherheitsnachweis. Es handelt sich also nicht um einen reinen Ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Masterabschluss. Welche Berufsaussichten gibt es? Der Bedarf an einschlägig ausgebildeten Ingenieuren und Naturwissenschaftlern ist bereits jetzt vorhanden. Es geht vor allem um Tätigkeiten in der Standortcharakterisierung, Genehmigungsverfahren und Realisierung von tiefen Endlagern. Unsere Industriegesellschaft produziert außerdem chemotoxische Abfälle, die ebenfalls untertägig, sicher und langfristig entsorgt werden müssen. Auch dort sehe ich eine sehr gute Berufsperspektive. Zudem gibt es ja auch ncoh die Genehmigungsseite, die Beratungsseite und Behörden, die über Fachkompetenz verfügen müssen. Wie viele studieren das schon? Wir haben in diesem Wintersemester mit erfreulichen sechs Immatrikulationen begonnen. Wir erwarten zum nächsten Wintersemester mit den ersten Bachelorabschlüssen, zum Beispiel in Geowissenschaften, einen Anstieg der Einschreibungen. Was sagen Sie zur aktuellen Suche nach einem geeigneten Endlager-Standort? Man muss für jeden Standort, so auch für Gorleben, zuerst eine vollständige und überprüfbare Datenbasis haben, um zu entscheiden, ob er geeignet ist oder nicht. Die Bundesrepublik Deutschland ist aber im Augenblick nicht gewillt, diese Datenbasis zu erstellen. Weil der Standort Gorleben noch nicht zu Ende erkundet ist, verfügt man noch nicht über ein vollständiges Bild. Prinzipiell muss ein Standort vollständig wissenschaftlich erfasst sein, um zu entscheiden, ob er zur Endlagerung von Schadstoffen geeignet ist. Für Gorleben wäre eine vollständige Erkundung innerhalb von wenigen Jahrun zu bewerkstelligen. Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, der kurz vor dem Studium steht? Selbst unter der Voraussetzung, dass man sehr bald alle Atomkraftwerke abschaltet, haben wir schon heute nach drei Jahrzehnten der Kernenergienutzung eine erhebliche Menge Abfall angesammelt, der sowieso endgelagert werden muss. Durch weiteren Betrieb der Kraftwerke, aber auch aus der Forschung un der Medizin, kommen noch Abfälle hinzu. Die Notwendigkeit der sicheren Endlagerung radioaktiver Abfälle ist daher unabhängig vom weiteren Betrieb der Kernkraftwerke. Man kann nicht so tun, als hätten wir keinen Atommüll mehr, sobald die Kraftwerke abgeschaltet sind. Es ist bereits so viel Atommüll angefallen, dass wir das Problem, wenn wir es jetzt nciht anpacken, auf die Generation unserer Kinder und Enkel verlagern. Die müssten dann dafür Sorge tragen, dass der hochradioaktive Abfall, den ihre Eltern und Großeltern produziert haben, endgelagert wird. DIes halte ich für ethisch bedenklich.

  • teilen
  • schließen