Die ultimative Alternative. Black Eyed Peas zwischen Neuanfang und Ewigkeit.

Mehr als 20 Millionen Platten haben die Black Eyed Peas bereits verkauft, so dass die Zuschreibung „Alternative-HipHop-Band“ nicht mehr treffend scheint. Doch der alternative Ansatz kommt ganz woanders her. Ein Interview.
daniel-schieferdecker
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Illustration: Julia Schubert

jetzt.de: Der Albumtitel „The E.N.D.“ ist ein wenig irreführend, steht das Akronym doch für „Energy Never Dies“. Worum ging es euch also mit der neuen Platte: Ende oder Ewigkeit? Apl.de.ap: Beide Aspekte waren uns wichtig, zumal sie sich gegenseitig bedingen. Natürlich wird die Energie der Black Eyed Peas niemals vergehen, aber so wie jedes Album für uns einen Neuanfang bedeutet, dokumentiert es oft auch das Ende einer bestimmten Ära. Wirf doch nur mal einen Blick in die USA, dort gibt es beispielsweise keine Plattenläden mehr, in denen man noch Musik kaufen kann. Alles passiert nur noch auf virtuellem Wege im Netz, was für uns Künstler eine vollkommen neue Epoche bedeutet und den Umgang und die Wertschätzung von Musik vollkommen verändert. Wir fanden diese Zweideutigkeit des Titels vor allem deshalb so spannend, weil sie sehr viele Facetten des aktuellen BEP-Kosmos zum Ausdruck bringt. Damit meinst du vermutlich den unbestrittenen Dance-Einschlag eurer neuen Platte, der auch auf eurer ersten Single „Boom Boom Pow“ auszumachen ist. Ja, genau. Denn in letzter Zeit haben wir uns sehr stark von Dance und Elektro inspirieren lassen, so dass die Auskopplung von „Boom Boom Pow“ für uns die einzig logische Konsequenz war. Mit seiner ganzen Power, dem explosiven Titel und dieser offensiven „Wir sind wieder da“-Attitüde ist er der perfekte Teaser für unser Party- und Dance-Album. Aber man sollte sich davon nicht täuschen lassen, denn natürlich klingen wir immer noch wie die Black Eyed Peas. Aber unser Soundverständnis, das seit jeher sehr offen war, hat dieses Mal noch eine stark elektronische Seite hinzubekommen. Song und Video erscheinen auf der einen Seite sehr futuristisch, vermitteln aber dennoch auch einen unterschwelligen Oldschool-Ansatz. Es scheint fast so, als würde euer neues Werk ein leiser Hauch von Widersprüchlichkeit umwehen. Absolut – auch wenn man das wahrscheinlich über all unsere Platten sagen könnte. Doch auf „The E.N.D.“ haben wir das Einbringen all unserer verschiedenen Einflüsse wieder ein Stück weit mehr perfektioniert, und der deutliche Dance-Einfluss bildet den roten Faden. Denn wie gesagt: Das ist ein reines Party-Album. Wenn du diese Platte irgendwo auflegst, brauchst du keinen DJ mehr, sondern kannst sie einfach durchlaufen lassen. Bei einem Blick in euer deutsches Fan-Forum zeigen sich viele Fans zwar begeistert von diesem elektronischen Ansatz, einige können ihre Black Eyed Peas darin jedoch nicht mehr wiederfinden. Wie reagiert ihr auf so ein Feedback? Das ist ein Umstand, dem wir seit unserer Bandgründung immer wieder begegnen, weil wir seit jeher versucht haben, mit unserer Musik Horizonte zu erweitern und Rahmen zu sprengen – und zwar nicht nur unsere eigenen, sondern auch die unserer Zuhörer. Wir wollten immer eine Alternative sein zu dem, was man sonst so zu hören bekommt. Aber so etwas stößt natürlich nicht sofort auf Gegenliebe, weil sich die Leute an neue Ansätze immer erst gewöhnen müssen. Dennoch ist auch diese Platte ein Black Eyed Peas-Album, hinter dem immer noch dieselben Köpfe stecken. Denn wo Black Eyed Peas drauf steht, sind die Black Eyed Peas auch drin – ganz egal, welche Form das musikalische Paket am Ende auch haben mag. Wenn du dir ein Tier aussuchen müsstest, dass auf dem Plattencover euer Album repräsentieren sollte, welches wäre das? Das müsste auf jeden Fall eine sehr futuristische Kreatur sein. Eine, die es bisher noch nicht gab, die sich aber gleichzeitig aus bestehenden animalischen Elementen zusammensetzt. Unsere letzten beiden Platten hießen ja „Elephunk“ und „Monkey Business“, vielleicht also eine Mischung aus Affe und Elefant – ein Affefant oder ein Elefaffe. Du bist ja auf den Philippinen geboren. Beeinflusst dich deren Kultur als Künstler? Auf jeden Fall. Und ich bin sehr froh, dass meine Bandmitglieder dahingehend sehr offen sind, sodass wir auch einige philippinische Sounds in unsere Musik einbauen und ich ab und an auch mal in Tagalog rappe – der Sprache, die auf den Philippinen am stärksten verbreitet ist. Für mich ist diese philippinische Seite genauso wichtig wie meine amerikanische. Neben der Musik hast du auch noch Zeit gefunden, die Apl Foundation ins Leben zu rufen. Worum geht es bei dieser Organisation? Wir helfen Kindern in den Philippinen, unterstützen sie finanziell und ermöglichen es ihnen, in die Schule zu gehen. Außerdem planen wir gerade den Aufbau einer Einrichtung, in der sie etwas über Musik lernen können. Ich bin als Kind adoptiert worden und habe dadurch die Chance bekommen, in den USA meine Träume wahr werden zu lassen. Mit Gründung der Apl Foundation möchte ich etwas von dem zurückgeben, was mir von meinen Adoptiveltern ermöglicht wurde. Es gibt viele Prominente, die ihren Status und ihre finanziellen Möglichkeiten dazu nutzen, um Gutes zu tun. Könnten es deiner Meinung nach noch mehr sein? Na klar, das gilt für alle Menschen – vollkommen unabhängig von ihrem Bekanntheitsgrad. Ab einem bestimmten Erfolgslevel, der in der Regel ja auch ein gewisses Einkommen mit sich bringt, sollte man sich moralisch dazu verpflichtet fühlen, etwas von seinen Einnahmen zu teilen. Letzten Endes muss das natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Aber alles, was man nicht selbst zum Leben braucht, kann andernorts Leben retten. Als ihr vor drei Jahren in Deutschland gewesen seid, sind William und einer eurer Bodyguards im Berliner Club "40 seconds" in eine heftige Schlägerei geraten. Hoffentlich traut ihr euch dennoch wieder hierher. Na klar, keine Bange. Diese Rauferei ist damals ein Missverständnis gewesen, deshalb scheren wir jetzt nicht alle Deutschen über einen Kamm oder denken, alle wären dort auf Prügel aus. Solche Dinge passieren überall auf der Welt. Wir werden also garantiert wiederkommen. Und zwar schon bald.

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Illustration: Julia Schubert

THE E.N.D. von Black Eyed Peas erscheint Anfang Juni.

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