Du schaust wie dein Shirt! Über die Aufregung um eine Facebook-Gruppe

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jetzt.de: Wie kommt man überhaupt auf so eine ausgefallene Idee und wie ist das Ganze dann zu einer Facebook-Gruppe geworden? Lisa Rank: Ehrlich gesagt habe ich gar nicht gedacht, dass das so eine ausgefallene Idee ist. Ich hatte einmal ein Shirt mit einer Eule darauf an und jemand meinte, ich sähe dieser Eule manchmal ähnlich. Deswegen habe ich aus Spaß ein Photo gemacht und das im Januar auf meinem Blog gepostet. Da mein Freund viele T-Shirts mit Print besitzt und ich auch einige, habe ich das dann immer mal wieder gemacht – einfach aus Quatsch. Irgendwann haben zwei, drei andere kleine Blogs das aufgegriffen und mir ihre Bilder gesendet. Da dachte ich: „Och, die Idee scheint anderen zu gefallen, mach ich mal `ne Facebook-Gruppe auf.“ Einfach um noch mehr T-Shirts mit ihren Besitzern zu sehen. Wie waren die ersten Reaktionen auf die Gruppe? Enorm. Ein paar Freunde sind sofort Mitglied geworden. Ich habe meine Fotos gepostet und die von den anderen Blogs verlinkt. Mathias Richel sowie Nilz Bokelberg haben schnellstens nachgelegt mit eigenen Entwürfen.

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Illustration: Julia Schubert

Lisa als lebendiges T-Shirtmotiv Nimmst du auch Fotos, auf denen man versucht, wie sein Top oder Sweatshirt auszusehen? Klar. Was ich allerdings schwierig finde, ist, wenn Leute einfach Photos ihrer Shirts posten, um Werbung zu machen oder so. Das läuft dem Gedanken der Gruppe entgegen. Ich schreibe die Leute dann an und bitte sie, ihr Foto zu entfernen. Bisher hat das jeder verstanden. Was war das ausgefallenste „Look-Alike“ in deiner Gruppe? Ich glaube, André hat mit seinem Jack Nicholson Lookalike schon einen ziemlich großen Vogel abgeschossen. Was ist dein Lieblingstshirt? Mein Einhorn-T-Shirt. Das hab ich bisher aber noch nicht fotografiert. Deine Gruppe wurde kurze Zeit auch auf bild.de vorgestellt - ohne dass du davonb wusstest. Wie hast du davon erfahren? Mir wurde der Link geschickt und ich hab sofort nachgeschaut. Hast du dich gefreut oder geärgert? Ich habe mich erst einmal erschrocken. Ich hätte nicht gedacht, dass die Gruppe in so kurzer Zeit eine solche Relevanz erhalten würde. Also Relevanz im Sinne von „Menschen reden darüber“. Natürlich finde ich es gut, wenn Menschen durch die Medien davon erfahren. Aber die Arroganz der Bild-Zeitung zu denken, sie könnten sich einfach Inhalte zusammensammeln und dann damit Geld verdienen, finde ich daneben. Was hat dich am meisten gestört? Dass sie nicht gefragt haben, ob sie diese 15 Bilder, aus denen sie eine Galerie gebaut haben, benutzen dürfen. Denn diese Bilder haben andere Menschen gemacht und sie zeigen fremde Menschen. Das Urheber- und Nutzungsrecht liegt demnach nicht bei bild.de. Was mich noch mehr geärgert hat, war, dass ich danach zu hören bekam, wir sollten doch froh sein, bei bild.de vorzukommen. Diese 1.500 Mitglieder haben wir jedoch ganz ohne Präsenz in klassischen Medien hinbekommen. Zu denken, jeder würde sich für die Bild-Zeitung ein Bein ausreißen, ist auch wieder so eine elitäre Sichtweise, die ich nicht unterschreibe. Denn es will sich einfach nicht jeder im Umfeld von Bild sehen oder dort irgendwie auftauchen. Das ist so eine Überzeugungsgeschichte. Wie ging es dann weiter? Ich habe in der Redaktion angerufen. Nach einiger Diskussion und Beharrlichkeit von meiner Seite wurde sich dann entschuldigt und die Bilder samt Artikel aus dem Netz genommen. Das hat aber noch bis Mitternacht gedauert und bedurfte einiger Anrufe von meiner Seite.

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