Ein Website zur Verständigung

Screenshot: Goethe Institut Eine Brücke bauen zur interkulturellen Verständigung zwischen Jugendlichen, das versucht die deutsch-arabische Jugendwebsite
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Illustration: Julia Schubert

Eine Brücke bauen zur interkulturellen Verständigung zwischen Jugendlichen, das versucht die deutsch-arabische Jugendwebsite Li-Lak, die gestern gestartet ist. Johannes Ebert, Leiter der Kairoer Dependance des Goethe-Instituts sprach mit jetzt.de über den deutsch-arabischen Dialog und einen Einblick in den Alltag beider Seiten. Herr Ebert, was bedeutet eigentlich Li-Lak? Li heißt „für mich“ und Lak „für dich.“ Das soll den für beide Seiten offenen Zugang des Projekts symbolisieren. Welche Möglichkeiten habe ich denn, wenn ich mich auf Li-Lak begebe? Insgesamt hat die Seite fünf Rubriken. Man kann seinen Lieblingsort präsentieren oder Tagebuch schreiben, um sich anderen Menschen vorzustellen. Dann haben wir ein monatlich wechselndes Thema, über das die Nutzer schreiben können. Bis Ende Februar heißt es: „Wie sieht deine Zukunft aus?“ Da müssen wir selbst noch Erfahrungen sammeln, was am besten funktioniert. Es gibt natürlich ein Fußball-Spezial und dann noch die Rubrik li-lakken. Dort kann man Videos und Musik hochladen. Es ist auch noch ein Forum geplant, das wird aber erst Ende des Monats online gehen. Dort kann man auf Deutsch, Englisch oder Arabisch miteinander in Kontakt treten. Sonst ist die Seite aber nur in deutsch oder arabisch. Nebenbei ist die Seite auch noch mit anderen deutschen oder arabischen Jugendwebsites, wie zum Beispiel jetzt.de verlinkt. Wie wurde denn das Problem der unterschiedlichen Schriften gelöst? Die Texte, die im redaktionellen Teil angeboten werden, werden ziemlich zeitnah übersetzt. Diese Arbeit leistet eine deutsche und eine arabische Redaktion in Kairo. Das versuchen wir noch auf andere Goethe-Institute in der Region auszuweiten. Momentan dauert es zwei bis drei Tage bis die Texte online gehen. Das klappt ziemlich gut und ich hoffe wir halten das Tempo durch. Es gibt also quasi zwei Versionen der Seite, eine deutsche und eine arabische, die Inhalte sind aber gleich. Als weitere Funktion ist ein Online-Übersetzungsworkshop geplant. Dort kann man, ähnlich wie bei Wikipedia, einzelne Einträge übersetzen oder bereits vorhandene Übersetzungen editieren, mit einer Kennzeichnung, an der man sehen kann, wer die Übersetzungen gemacht hat. Woher kam die Intention eine Jugendwebsite zu starten? Wir haben begonnen, einen kulturellen Austausch verstärkt für und mit jungen Menschen zu organisieren. Unser Konzept dabei ist es, Leute aus beiden Kulturen gemeinsam auftreten zu lassen und, wenn möglich, auch gemeinsam etwas produzieren zu lassen, wie beispielsweise vor kurzem die Band Blumentopf und die Y-Crew aus Alexandria. Zuvor haben wir auch schon kleinere Internetchats zwischen Studenten in Leipzig und Kairo organisiert. Aber das hat nicht so gut funktioniert, weil das Angebot zu isoliert war. Es ist besser, wenn ein größeres Netzwerk dahinter steht, um einen weiteren Kanal des Austauschs und der Verständigung zu öffnen. All das steht und fällt aber natürlich auch mit der Beteiligung der jungen Leute. Hat man sich denn überhaupt etwas zu sagen? Das denke ich schon. Wir müssen nur noch herausfinden, wie groß die Gruppe ist, die sich etwas zu sagen hat. Dieses Chat-Angebot, mit dem wir begonnen haben, wurde nämlich von deutscher Seite hauptsächlich von Orientalistikstudenten genutzt. Aber wir haben bereits davor ein größeres Literaturprojekt namens MIDAD mit Hilfe von sogenannten „Stadtschreibern“ durchgeführt. Das hat großen Zuspruch erfahren. Dort haben junge arabische Schriftsteller aus deutschen Städten Internettagebuch geführt und umgekehrt. Für die Zeit der Buchmesse ist beispielsweise der Autor Thomas Brussig hier und schreibt über seine Erfahrungen in Kairo. Li-Lak wird nun im Rahmen der Kairoer Buchmesse gestartet - wie wird moderne deutsche Literatur in Ägypten wahrgenommen? Die großen Namen sind natürlich sehr bekannt, wir arbeiten aber auch viel mit jungen Schriftstellern zusammen und das funktioniert sehr gut. Es gibt großes Interesse im Publikum und gerade die Texte der Stadtschreiber, die über ihre Erfahrungen im arabischen Raum schreiben, werden überwiegend positiv aufgenommen. Wir leisten auch viel Übersetzungsarbeit - seit einigen Jahren haben sich dort die Förderprogramme erweitert und wir laden verstärkt jüngere Autoren ein. Auf der Messe selbst sind wir sehr überrascht vom großen Zuspruch. Unsere Veranstaltungen sind fast immer überfüllt. Sind es denn dieselben Themen, die die jungen Menschen beschäftigen? Ich glaube schon, nur die Blickwinkel sind teilweise sehr unterschiedlich. Wenn über solche Reizthemen wie den Kopftuchstreit diskutiert wird, kommt es natürlich schon auch mal zum "Knall". Aber es wird auch über einfachere Themen geredet und sei es nur die Abendgestaltung. Wir hoffen, dass wir den jungen Leuten mit der Website eine Möglichkeit zum Austausch geben können.

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