Einblicke und Ausflüge

Heute erscheint die dritte Ausgabe des ungewöhnlichen Magazins "The Weekender" - im Interview erzählt der Chefredakteur, wie das Heft entstanden ist und warum es so gut läuft.
mercedes-lauenstein

Seit noch nicht allzu langer Zeit liegt ein neues Magazin im Zeitschriftenhandel, dem man nicht sofort ansieht, was einen darin eigentlich erwartet oder für wen es gemacht ist. „The Weekender – Magazin für Einblicke und Ausflüge“ steht auf dem Cover, sonst nichts. Sein Papier ist rauh, seine Farben sanft und das Cover so ruhig und kunstvoll, dass man es sich gleich gerahmt an die Wand hängen würde. Es ist eines dieser Magazine, die es sonst nur auf Englisch, Französisch oder Spanisch gibt und die man kauft, um sie sich neben das Bett zu legen und an ruhigen Sonntagnachmittagen stundenlang anzustarren.

Die gute Nachricht: The Weekender ist auf Deutsch. Das Heft stammt aus Köln und wurde im April diesen Jahres von Dirk Mönkemöller und Christian Schneider herausgebracht. Es beschäftigt sich im weitesten Sinne mit der Wohn-, Werkstatt- und der Freizeitkultur interessanter Menschen, ohne sie dabei hochglanzmäßig zu verkünsteln. In der ersten Ausgabe zeigt beispielsweise die Illustratorin Sarah Illenberger ihr Atelier und in einem nebenstehenden Text beschreiben ihre beiden Werkstattkolleginnen den Arbeitsalltag der Berlinerin. Ein Künstlerduo erzählt, wieso es zwar in Paris arbeitet, aber ein 200 Jahre altes Bauernhaus in Baden-Württemberg bewohnt. In der zweiten Ausgabe zeigt eine Reisejournalistin jene Gegenstände, die sie von ihren Reisen mit nach Hause bringt. Ein Junge aus einem besetzten Haus in Zürich zeigt seinen Lebensraum und erklärt die dazugehörige Lebensphilosophie.

Neben dem Wohnen geht es also auch vor allem auch um Lebensentwürfe und genau das macht das Heft eigentlich so interessant: Dass man sich in jede Geschichte hineinfühlen möchte um daraus ein paar neue Gedanken für das eigene Leben mitzunehmen. Seit heute liegt die dritte Ausgabe im Handel – wir haben bei Chefredakteur Dirk Mönkemöller einmal nachgefragt, wie es eigentlich zu dem Magazin kam und wie es nach ein paar Monaten so läuft.

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Illustration: Julia Schubert


Dirk Mönkemöller und Christian Schneider (v.l.)

Ist es eigentlich Absicht, dass man nicht auf den ersten Blick kapiert, worum es in eurem Magazin geht oder an wen es sich richtet?
Wir wollten anfangs ein Wohnmagazin machen, das normale Leute in ihrem Reich zeigt. Fernab von aufgebrezelten und alltagsfernen Wohnungen, wie sie in den meisten herkömmlichen Wohnmagazinen gezeigt werden. Dabei war uns ein Stück weit auch das spanische „apartamento“-Magazin ein Vorbild. Im Laufe der vergangenen Monate hat sich aber die Themenfindung verselbständigt, so dass wir inzwischen auch mal Quittenrezepte drin haben. Oder eine Story über argentinische Musiker, die auf Terrassen und Hausdächern Konzerte spielen. Unsere Kernthemen sind nun Wohnen, Reisen und Natur. Eine definierte Zielgruppe haben wir nicht, wir machen einfach das Magazin, auf das wir selbst Bock haben. Und offenbar haben auch andere Menschen drauf Bock, was wirklich schön ist.

Glaubt ihr, dass es so ein Heft gerade auf dem Magazinmarkt gebraucht hat?
Ich glaube, der Markt „braucht“ uns nicht. Aber wir finden unsere Käufer – und zwar immer mehr. Das liegt wohl auch daran, dass wir ein sehr schickes Magazin machen, dass hervorragend in der Hand liegt und auch noch im Regal eine gute Figur macht. Wir haben nicht tausende hässliche Anzeigen drin, sondern viele schöne große Bilder, die voll sind von inspirierenden Dingen.

Was habt ihr gemacht, bevor ihr The Weekender gegründet habt?
Mit meinem Kollegen Christian Schneider hatte ich gemeinsam mit einem weiteren Kumpel das Bureau Baraque. Das war ein kleines Grafikdesignbüro, das wir eines Tages zu einer Kölschkneipe umgezimmert haben, in der sich gerne die Creme de la Creme der Kölner Bohemeszene versammelt hat. Ich habe außerdem fast zehn Jahre lang ein Fanzine namens „Fanzine No1“ herausgegeben.

Wie lange habt ihr die Idee des Weekenders vor dem Erscheinen des ersten Hefts mit euch herumgetragen?
Ein gutes halbes Jahr. Das war teilweise schlimm, was den Organisationsaufwand angeht. Aber wir hatten sofort Glück und nur tolle Fotos und Texte von den unterschiedlichsten Leuten bekommen. Das ist auch das, was einen bis heute antreibt: dass so viele Leute mit Verve dabei sind und mithelfen, ein tolles Magazin zu stemmen.

Ihr habt ja kaum Werbung im Heft - wie finanziert ihr euch?
Durch Anzeigen, Verkäufe und ein bisschen von unserem eigenen Taschengeld. Wir haben auf jeden Fall keinen Verlag oder Investor im Rücken.

Wo kann man euch überall kaufen?
Bundesweit im Bahnhofsbuchhandel. Plus in einigen ausgesuchten Läden wie doyoureadme?! in Berlin, Azita in Frankfurt/Main, Human Empire in Hamburg, soda in München. Im Internet natürlich auch, über unsere Website www.the-weekender.com

Ab heute liegt eure dritte Ausgabe in den Läden, ihr müsstet jetzt schon ein ungefähres Gefühl für die Resonanz der Leute auf das Magazin bekommen haben. Wie ist die so?
Es ist fast ein wenig beängstigend, dass wir immer nur Lob hören. Es gibt kaum mal jemanden, der was zu meckern hat. Nur die deutsche Presse ist uns gegenüber sehr behäbig. Wir waren kaum in einer deutschen Zeitung, aber in der Schweiz oder in England haben sofort Magazine über uns geschrieben.

Wie geht es mit euch weiter? Verrätst du noch ein paar eurer Zukunftspläne?
Wir bieten jetzt auch ein Abo an. Vier Ausgaben in einem Jahr. Ansonsten wollen wir einfach weiter machen und hoffen, dass wir nicht irgendwann aus Versehen ein langweiliges Allerweltsmagazin werden.

Text: mercedes-lauenstein - Foto: privat

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