"Eine Rolle spiele ich nie"

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Jetzt.de: Es klingt für viele Männer nach Traumjob: Mit schönen Frauen schick ausgehen und dabei auch noch Geld verdienen. Aber: Wie attraktiv sind deine Kundinnen wirklich? Jannis: Es sind natürlich nicht immer die jüngsten und attraktivsten Frauen. Das kann ich mir nicht aussuchen. Aber da es nur bei einer Unterhaltung bleibt, ist das schon in Ordnung. Mein letzter Auftrag war ein Kinobesuch. Da war es dunkel, sprechen musste ich auch nicht.

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Illustration: Julia Schubert

Begleit-Gentleman Jannis: "Ich bin ja nicht auf einmal Don Juan de Marco" Warum bucht eine ältere Dame einen 27-Jährigen wie dich? Eine ältere Dame mag das Gefühl, wenn andere Leute glauben, dass sie noch an so einen jungen, knackigen Kerl drankommt. Die Fünfzigjährigen von heute sind ja nicht mehr vergleichbar mit den Fünfzigjährigen von vor dreißig Jahren. Vor allem Frauen aus dem Management-Bereich haben wenig Zeit und nehmen dann eben meine Dienste in Anspruch. Für mich ist das eine Bestätigung. Ich kann von den Damen viel lernen. Was denn zum Beispiel? Ich bin ein sinnlicher Mensch, weißte. Ich beobachte sehr genau das Verhalten der Frauen: kleine Gesten oder die Art, wie eine Frau das Glas hält. Das interessiert mich. Ich lerne verschiedene Charaktere kennen und kann mir ein genaues Bild vom anderen Geschlecht machen. Das kann für die eigene Beziehung sehr hilfreich sein. Du hast eine Freundin? Ja… das ist ein schwieriges Kapitel. Erzähl mal. Na ja, es gab am Anfang schon ein bisschen Stress. Frauen sind da sensibler, weißte. Irgendwie kann ich das ja auch nachvollziehen: Versuch du mal einer Frau zu erklären, dass es nur bei einer Unterhaltung bleibt. Mittlerweile sind wir aber ganz gut organisiert. Sie versteht es. Im Endeffekt leben wir ja auch beide davon. Und: Brot musste ja verdienen. Geht ja nicht anders. Aber du hast doch studiert, oder? Maschinenbau, ja. Jetzt kellnere ich. Und immer wenn ich gebucht werde, bin ich mit interessanten Leuten unterwegs. Letztens habe ich eine Frau aus der Marketingabteilung einer großen Telekommunikationsfirma begleitet. Kontakte sind alles im Leben. Zu welchen Anlässen begleitest du die Damen denn? Das kann so ziemlich alles sein: Theater oder Galabesuche. Ich bin da offen. Es kommt schon mal vor, dass ein Gentleman von einer Dame für die Gerichtsverhandlung mit dem Ex-Mann gebucht wird. … um den Ex eifersüchtig zu machen? Ja, klar. Ich habe das ja selber bei einem Freund erlebt: Seine Freundin hat sich von ihm getrennt und dann kommt sie auch noch mit ihrer halben Familie an und räumt seine Wohnung aus. Da ist es doch schön, wenn plötzlich ein paar schöne Mädels herumsitzen. So nach dem Motto: Siehste, mein Leben geht weiter. Sind deine Freunde neidisch auf deinen Job? Meine Freunde finden das gut. Aber natürlich musst du dir Scherze anhören wie: Da geht doch was mit der Alten, wenn die mächtig Kohle hat.


Und geht da manchmal was? Nein. Ich habe eine Freundin. Ich liebe sie. Der Begleitservice ist nicht mehr als ein Job. Sex ist tabu. Es ist ein gutes Arrangement für den Moment. Ich mache der Kundin eine Freude, aber die größte Freude macht mir meine Partnerin. Aber die Erotik spielt bei den Treffen doch bestimmt eine Rolle? Definitiv. Erotik fängt ja schon an, wenn du deiner Begleiterin die Flasche reichst und sich die Finger dabei berühren. Wenn man sich sympathisch ist, dann gibt es natürlich auch diese ganz bestimmten Momente. Da kannst du ja nix dagegen machen. Und wenn doch mal ein unmoralisches Angebot kommt? Einmal hatte ich das Gefühl, dass mehr passiert, wenn wir noch ein Glas trinken. Aber ich habe Unternehmensvorgaben, die eingehalten werden müssen. Eine Begleitagentur ist ja kein Kindergarten. Da musste so eine Situation eben elegant meistern. Tun dir deine Klientinnen manchmal Leid? Nein, nicht wirklich. Kontakte mit Menschen sind doch das Schönste, was man im Leben haben kann. Hast du deshalb mit diesem Job angefangen? Angefangen habe ich wegen der Studiengebühren. Ich war viel auf Uni-Feten unterwegs und nach Einführung der Studiengebühren wurde das Geld knapp. Wie viel Geld verdienst du als Begleit-Gentleman? Drei Stunden kosten 150 Euro. Zwanzig Prozent gehen an die Agentur. Aber in der Regel ist der Preis Verhandlungssache. Ich war mal sechs Stunden in der Oper, das war leicht verdientes Geld. Wie wichtig ist dir denn Geld und Luxus? Lassen wir den Luxus mal weg. Geld ist für mich nur Mittel zum Zweck, weißte. Ich mache mich da nicht krank deswegen. Klar brauche ich Geld, ich hab auch meine Rechnungen zu bezahlen. Aber viel wichtiger ist es, dass ich mich wohl fühle. Wie bereitest du dich auf ein Treffen vor? Ich bemühe mich schon darum, vorher Informationen einzuholen: Ist es ein Galabesuch gehe ich im Smoking, ist es ein Stadionbesuch, dann sind Jeans und Sneakers voll in Ordnung. Die Frage "Roter oder schwarzer Tanga?" stellt sich bei mir logischerweise nicht. Hast du Angst davor, dass du eines Tages Ärger mit einem eifersüchtigen Ehemann kriegst? Ich saß einmal mit einer Frau beim Dinner. Die war übrigens 56 Jahre alt und auch nicht mehr die Schlankeste. Jedenfalls blickt die plötzlich total erschrocken zur Eingangstür, macht große Augen und verschluckt sich auch noch. Da ist mir echt das Herz in die Hose gerutscht, weil ich dachte, da spaziert jetzt ihr Mann rein. Das wäre schon eine unangenehme Situation gewesen. Es war aber nur eine Bekannte. Muss man für diesen Beruf ein guter Schauspieler sein? Ich bin immer ich selbst, eine Rolle spiele ich nie. Ich bin ja nicht auf einmal Don Juan de Marco. Aber du kennst das ja bestimmt: So eine leichte Verstellung gibt es natürlich. Die beste Bühne ist das Leben.

Text: andreas-glas - Fotos: Miss Jones/photocase.de; Lady Killer

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