Eine WG auf 870 Quadratmetern

Lars und Marc machen gerade in Wuppertal eine Lagerhalle WG-tauglich. Wie es dazu kam und warum man in einer Küche vier Küchenzeilen braucht, sagen sie im Interview.
peter-wagner

jetzt.de: Marc, Lars, ihr baut euch gerade euer eigenes Wohnheim. Wie darf ich mir das vorstellen?
Marc: Wir bauen nicht komplett neu. Wir mieten ein Stockwerk in einem Lagerhaus, von dem ein Bürotrakt abzweigt. Wir ziehen im Moment die Wände und sanitäre Anlagen ein. Es ist also eher ein Umbau.  

Wie groß ist das Stockwerk?
Lars: 870 Quadratmeter.  

Wow. Das ist groß.
Marc: Lars und ich haben drei Jahre lang in einer WG gewohnt. Wir haben Feten veranstaltet, die größer geworden sind. Zwischendurch hatten wir wegen der Nachbarn schon Besuch von der Polizei und haben uns danach gesagt: Wir brauchen was Großes. Wir brauchen Platz für uns.  

Und da ist euch eine Lagerhalle in den Sinn gekommen?
Marc: Irgendwann haben wir dieses Gebäude gefunden, das gut 15 Minuten zu Fuß von der Universität entfernt ist. Wir haben uns gefragt: Wieviele Leute brauchen wir hier drin, um das so umbauen zu können, dass man drin wohnen kann? Wir sind auf 14 Personen gekommen, die in den ehemaligen Büroräumen wohnen und die sich die Halle teilen.  

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Illustration: Julia Schubert

Blick in die Halle aka WG.

Was kommt in die Halle?
Lars: Ein Partyraum, ein Kinoraum, ein Seminarraum ...  

Ein Kinoraum?
Lars: Wir hatten Platz übrig. Erst hatten wir über einen Fitnessraum nachgedacht, aber Marc hat eine große DVD-Sammlung.  

Wie groß werden das Kino und der Partyraum?
Marc: Das Kino misst 40 Quadratmeter mit 16 Sitzplätzen in Form von Couches und Sesseln. Leinwandgröße: 6 Quadratmeter. HD-Beamer.
Lars: Der Partyraum misst 230 Quadratmeter mit sieben Metern Deckenhöhe. 

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Illustration: Julia Schubert

Der Grundriss.

Das sind beeindruckende Zahlen. Wer wird sich um das Stockwerk kümmern? Ein Hausmeister?
Marc: Wir selbst, die Wohngemeinschaft. Einmal die Woche werden wir aber eine Putzkraft haben, die sich um Bäder, Toiletten und Küche kümmert. Insgesamt wird es vier Bäder mit sieben Duschen geben.  

Seit zwei Monaten baut ihr das Stockwerk um. Sind schon alle Zimmer vermietet?
Marc: Zwei sind noch frei, aber wir haben viele Bewerber.  

Muss ich beim Umbau helfen, wenn ich rein will?
Lars: Musst du nicht. Aber wenn du mitmachst, bekommst du eine Mietvergünstigung.

Wieviel kostet die Miete?
Lars: Das billigste Zimmer kostet mit zwölf Quadratmetern 300 Euro, das teuerste mit 27 Quadratmetern 410 Euro.  

Hmm.
Marc: Das klingt nur auf den ersten Blick teuer. In der Summe ist alles enthalten: Nebenkosten, Telefon, Internetzugang, die Putzkraft, du darfst alle Räume mitbenutzen ...

Wie teilen sich 14 Leute eine Küche?
Marc: Wir bauen vier Küchenzeilen in einen Raum von 30 Quadratmetern. Es soll, sagen wir immer, ein Studentenwohnheim mit WG-Charakter werden, in dem man miteinander kochen und die Abende erleben kann.  

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Illustration: Julia Schubert

Lars Roth, 25, (links) macht eine Ausbildung zum Bürokaufmann und studiert parallel Business Administration. Er hat die Kalkulationen für die wohnheimartige WG gemacht. Marc Bruch, 24, ist gelernter Kälteanlagenbauer und hat eine Zeitlang Energie- und Gebäudetechnik studiert. Jetzt arbeitet er im Betrieb seines Vaters auf den Meister im Kälteanlagenbau hin. Er leitet das Bauprojekt. 

Reicht der Platz in der Küche denn?
Marc: Ich bin gelernter Kälteanlagenbauer und ich baue eine begehbare Kühlzelle. So sparen wir zum Beispiel die Kühlschränke.  

Entsteht das Ganze nur, weil ihr Lust drauf habt oder ist es in Wuppertal so schwierig, Studentenzimmer zu finden?
Marc: Es ist eine Mischung aus beidem. Eigentlich stehen in Wuppertal viele Wohnungen leer, aber die sind für Studenten nicht erschwinglich. Die vorhandenen Wohnheime sind überlaufen. Das wissen wir, das war aber nicht der alleinige Ausgangspunkt der Idee.
Lars: Außerdem müssen hier nicht nur Studenten einziehen.  

In welcher Umbauphase befindet ihr euch?
Marc: Wir haben Wände gezogen und Rohrleitungen für Wasser und Heizung gelegt. Jetzt fangen wir an, die Zimmer fertig zu stellen. Wir streichen Wände und tapezieren. Wir wohnen schon zu sechst hier, auf der Baustelle, und packen alle mit an.  

Woher nehmt ihr das Geld für den Umbau?
Lars: Wir haben es nicht in der Hosentasche. Die Banken haben uns keinen Kredit gegeben, also haben wir Verwandte und Bekannte gefragt, die uns helfen.  

Wie teuer wird’s?
Lars: Ich sag mal: eine fünfstellige Summe.  

Woher nehmt ihr die Zeit für den Umbau?
Marc: Ich arbeite gerade im elterlichen Betrieb - mein Vater hält mir den Rücken frei.
Lars: Ich muss Urlaub nehmen.  

Wann wollt ihr fertig sein?
Marc: An Weihnachten. Das wird unser Geschenk an uns selbst.

Text: peter-wagner - Fotos: oh

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