„Frisch gebrühten Espresso, Cappuccino“ und „leckeres Eis“ gibt es in der Chillout-Zone, die die Polizei Hessen rund um die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt eingerichtet hat. Mehr als 8000 Polizisten und eine GSG-9-Einheit sind bei der Demo der Blockupy-Anhänger vor dem Neubau der EZB im Einsatz, manche seit einer Woche. Die Situation ist trotzdem schon am frühen Morgen eskaliert. Der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Hessen, Lothar Hölzgen, betreut die Chillout-Zone mit.

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 Polizisten im Einsatz - allerdings nicht in Frankfurt, da tragen sie kein Grün. 

jetzt.de: Herr Hölzgen, eigentlich wollten wir ja über die Versorgung Ihrer Kollegen mit Eis reden – jetzt ist die Lage eskaliert. Wie sieht es denn aus momentan?
Lother Hölzgen: Wir sind mitten im Geschehen. Wir haben deutlich über 80 verletzte Kollegen, einer davon schwerverletzt nach einer Steinwurfattacke im Krankenhaus. Es gab mehrere brennende Streifenwagen und auch sonst sind Barrikaden, öffentliche Einrichtungen und Mülleimer angezündet worden. Scheiben von Geschäften wurden zerschlagen, Feuerwehrleute angegriffen, Bürger attackiert und die überirdischen öffentlichen Verkehrsmittel fahren auch nicht mehr. 

Die Stimmung ist also gewalttätiger als erwartet?
Wir waren darauf eingestellt, dass gewaltbereite Menschengruppen hier aufschlagen. Die Heftigkeit hat uns aber überrascht, auch dass es schon so früh heute Morgen losging mit Frontalangriffen auf das erste Revier in der Zeil. Im Moment ist etwas ruhiger geworden, aber wir sind relativ sicher, dass wir noch nicht die Spitze erreicht haben.

Wenn es so eskaliert, wird dann die Chillout-Zone überhaupt genutzt?
Hauptsächlich tauschen sich die Kräfte da über das Geschehen aus. Momentan haben wir aufgrund der Brisanz natürlich relativ wenig Betrieb, weil alle draußen vor Ort sind.
  

"Selbstverständlich dürfen Polizisten in Uniform ein Eis lecken"


Es war geplant, dass die Einsatzkräfte heute einen mobilen Eiswagen telefonisch zu sich lotsen können – ein Service der Gewerkschaft. Wie sieht es damit aus?
Wenn es Ausschreitungen gibt, fahren wir natürlich nicht ins Getümmel und werfen mit Eis um uns. Aber wir kennen die neuralgischen Punkte und haben Insider aus Frankfurt vor Ort, sodass wir an die Kollegen rankommen. Diese Kollegen sagen dann auch immer, ob es gerade möglich ist. Im Übrigen sind auch diejenigen, die bei der Versorgung mithelfen, oftmals Polizisten im Ruhestand, die diese Situationen kennen.

Also ist es schon okay, wenn ein Polizist im Dienst mal ein Eis schleckt?
Wenn es möglich ist, dann dürfen die selbstverständlich auch in Uniform ein Eis lecken. Sie glauben gar nicht, wie warm es unter so einer vollen Ausrüstung ist...

Ist es denn üblich, dass man solche Chillout-Zonen bei größeren Einsätzen einrichtet?
Bei der Fußball-WM 2006 haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht. „Chillout“ ist ja so ein modernes Wort, aber eigentlich meint es nur einen Rückzugsraum, wo die Polizisten mal bequem sitzen, fernsehen oder die Gedanken schweifen lassen können. Manchmal sind diese Rückzugsorte auch nur Räume mit Stühlen und Sofas, und bei uns gibt’s halt auch noch andere Annehmlichkeiten wie Tischfußball, Eis oder Schaumküsse.

In der Ankündigung steht, von welchen Marken der Kaffee, das Eis und die Schokoküsse sind. Werden Sie gesponsert?
Nein, wir finanzieren das über unsere Mitgliedsbeiträge. Die ersten Tage haben auch schon gezeigt, dass das richtig gut angenommen wird. Ich habe bereits gestern einen Hinweis bekommen, dass das Eis langsam zu Neige geht.

Wann hat ein Polizist bei Blockupy überhaupt Zeit fürs Chillen?
Die Chillout-Zone hat jeden Tag von 7 bis 22 Uhr geöffnet – in direkter Nähe zum Einsatzgebiet. Wir haben feste Einsatzzeiten und wenn alles normal läuft, werden die auch eingehalten. Es kann aber auch sein, dass die Zeit in Extremsituationen überschritten wird, weil die Kollegen vor Ort noch gebraucht werden. Nach der Schicht gibt es zwölf bis 24 Stunden Pause.




Text: lisa-bruessler - Foto: dpa