Der 20. März ist der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland umsonst gearbeitet haben. Sagt zumindest die Statistik. In Deutschland klafft die Lohnschere im europaweiten Vergleich besonders weit auseinander. Frauen verdienen hier immer noch 23 Prozent weniger, als ihre männlichen Kollegen. Aus diesem Anlass gibt es seit einem Jahr auch in Deutschland den „Equal Pay Day“, eine Initiative von Business and Professional Women Deutschland, bei dem auf die Lohnungerechtigkeit aufmerksam gemacht werden soll. Ein Gespräch mit Maxi Schwarz, 43, zweiter Vorsitzender von BPW München über die Aktion und die Verantwortung der Frauen.

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Wie entstand der „Equal Pay Day“, der morgen zum zweiten Mal in Deutschland begangen wird? Die Aktion „Equal Pay Day“ wurde in den USA gegründet, denn auch dort kämpft man, wie in den meisten anderen Ländern, gegen Lohnungerechtigkeit. Die Aktion „Red Purse“ – also rote Tasche steht für die roten Zahlen im Geldbeutel der Frauen. Nachdem wir beim BPW festgestellt haben, dass wir gerade in Deutschland besonders davon betroffen sind, haben wir uns entschlossen, den „Equal Pay Day“ auch in Deutschland ins Leben zu rufen. Der findet am Freitag, den 20. März statt, weil Frauen bis zu diesem Tag arbeiten müssen, um das selbe Geld in der Tasche zu haben, das ihre männlichen Kollegen schon am 31.12.2008 verdient hatten. Wir wollen mit unseren Aktionen darauf aufmerksam machen, dass solche Gehaltunterschiede in Deutschland nicht sein dürfen. Welche Aktionen haben Sie denn für München geplant? Der Münchner Marienplatz soll morgen rot sehen. Die Aktion startet um 16 Uhr und wir fordern alle Frauen und Mädchen auf, mit roten Taschen, Schals und Mützen zu kommen. Wir laden sie ein, mit uns ein deutliches Signal zu setzen. Gegenüber vom Marienplatz haben wir einen großen Infostand aufgebaut, wo sehr viele interessante Frauen Gespräche anbieten werden. Wir haben dort zum Beispiel Buchautorinnen, die zum Thema „Frau und Geld“ veröffentlichen, Arbeitsrechtlerinnen und Anwältinnen, die Kurzberatungen zum Thema Gehalt anbieten. Und es gibt auch Beraterinnen und Coaches, die ein kostenloses Speedcoaching anbieten. Und als ganz besonderes Schmankerl verteilen wir auch noch rote Handtaschen angefüllt mit Informationen und kleinen Überraschungen. Was hat sich denn in den letzten Jahren getan, hinsichtlich der gleichen Bezahlung? Wenn überhaupt, hat es sich höchstens ein wenig verbessert. Es ist eigentlich seit Jahrzehnten das gleiche Lied und die Zahlen schwanken höchstens mal ein bisschen hin und her. Warum liegt ausgerechnet Deutschland in der Statistik so weit hinten? Richtig erklären kann ich es nicht. Zunächst einmal ist es ein Faktum, gegen das wir etwas tun müssen. Und deshalb müssen wir auch unsere Frauen im Land aufrütteln und ihnen erst einmal bewusst machen, wo wir eigentlich stehen. Wenn man sich erst einmal austauscht, dann merkt man fast immer, dass man selbst auch betroffen ist. Kann man die Hauptgründe für den Lohnunterschied ausmachen? Die Ursachen sind mannigfaltig. Zum einen sind Frauen in bestimmten Branchen nicht stark vertreten, in denen höhere Löhne bezahlt werden: Es gibt zum Beispiel nicht so viele Ingenieurinnen, wie Ingenieure. Außerdem sind in den klassischen Frauenberufen keine so hohen Qualifikationen benötigt, was sich wiederum auf den Lohn auswirkt. Und ein weiterer Punkt – und das ist der Kernpunkt: Wenn Frauen, und da können sie noch so qualifiziert sein, schwanger werden und aus der Babypause kommen, dann finden sie sehr schlecht den Anschluss an ihre frühere Position und an die alte Bezahlung. Da müssen sie sich sehr häufig mit Weniger zurechtfinden.

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Aber es gibt auch tatsächlich unerklärliche Gründe für die Gehaltsschere, oder? Da gehören immer zwei dazu. Wenn wir Frauen uns schlechter auf Gehaltsverhandlungen vorbereiten, dann sind wir mit Schuld. Und das wollen wir unter anderem auch angehen. Wir sagen zu den Frauen: geht in die Netzwerke, bildet euch weiter, informiert euch. Wenn ich nicht weiß, was ich verlangen kann und was meine Arbeit wert ist, dann gehe ich ganz anders in die Verhandlung rein, als wenn ich mich vorbereitet habe. Es hapert bei den Frauen auch am Selbstmarketing. Wir haben tendenziell auch einen anderen Maßstab, uns kommt es zum Beispiel nicht so sehr auf Statussymbole an und das ist ja auch gut. Was sagen Sie denn jemandem, der die Krise als Gegenargument anführt? Wir treten für Lohngerechtigkeit ein. Wenn die Krise es erfordert, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen, dann machen wir das. Aber bitte alle. Wir sind in einer so eklatanten Situation, dass die Gesellschaft enorme Anstrengungen vollbringen muss, um die Krise zu bewältigen. Und ich bin davon überzeugt, dass eine Gesellschaft, die die Menschen gleichberechtigt behandelt und mit ihren Mitgliedern achtsam umgeht, es leichter haben wird, daraus hervorzugehen. Wie kommt es, dass schon beim Berufseinstieg die Gehaltsschere klafft? Ich kann da wieder nur vermuten, dass in unserer deutschen Gesellschaft eine grundsätzliche Tendenz vorhanden ist, die männliche Arbeitskraft höher zu bewerten, als die weibliche. Und dass wir Frauen das dulden, trägt ein Übriges dazu bei. Was kann ich als junge Frau tun, abgesehen von einer roten Handtasche morgen? Wer keine Zeit hat, morgen zu einer der Aktionen zu gehen, kann sich im Internet informieren: Welche Verbände könnten mich unterstützen, wo finden die nächsten Veranstaltungen statt? Es ist meiner Meinung nach unbedingt notwendig für Frauen, sich zu vernetzen. Nur so kann man sich schnell und besser informieren. Und auch branchenübergreifend von den Erfahrungen der älteren Frauen profitieren. Hier kannst du dich über die "Equal Pay Day"-Aktionen in deiner Nähe informieren. Und hier findest du weitere Informationen über das Frauennetzwerk "Business and Professional Women".