"Er ist einen Tick zu moderat": Warum Spencer so fleißig für McCain kämpft

Spencer Doyle, 21, studiert Mathe an der als sehr liberal geltenden University of California in Berkley. In seinen Mittagspausen versucht er, den Kommilitonen die Obamanie auszureden
florian-grosser

Was hat dich dazu gebracht, dich als Freiwilliger für John McCain und die Republikaner zu engagieren – ausgerechnet im liberalen Berkeley? Spencer: Ich bin schon vor ein paar Jahren Mitglied der republikanischen Partei geworden, weil ich mich mit deren Werten – Religion, Familie und Heimat – voll identifizieren kann. Deshalb ist es für mich selbstverständlich, dass ich versuche, mich vor so einer wichtigen Wahl auch persönlich für den Erfolg meiner Partei einzusetzen. Stehst du voll hinter McCain? Mir wäre der New Yorker Ex-Bürgermeister Giuliani lieber gewesen. Für einen echten Konservativen wie ich ihn mir vorstelle ist McCain einen Tick zu moderat. Wie schwierig ist es, für die eigene Überzeugung einzustehen, wenn man weiß, dass die überwältigende Mehrheit der Studierenden hier politisch völlig andere Ideale hat? Und wenn einem Obamas Konterfei von jedem zweiten T-Shirt entgegenlächelt? Ich würde nicht sagen, dass es "schwierig" ist. Ich finde es vor allem interessant, mich mit Leuten zu streiten, die ganz andere Meinungen vertreten als meine Freunde und ich. Ich habe das Gefühl, dass viele junge Leute gar nicht richtig verstehen, was konservative Politik eigentlich ausmacht – und deswegen leisten wir hier auf dem Campus Aufklärungsarbeit.

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Illustration: Julia Schubert

Und wie sind die Reaktionen? Natürlich bekommen wir dabei auch den einen oder anderen Mittelfinger gezeigt, besonders wenn es um kontroverse Dinge wie die US-Politik gegenüber Israel oder um den Irak geht. Aber ernsthaft angefeindet wurden wir noch nie. Außerdem glaube ich, dass es hier in Berkeley eine ganze Menge heimlicher Republikaner gibt. Nur trauen sich an einer überwiegend linken Uni wie dieser eben viele nicht, das offen zu zeigen. John McCain und Sarah Palin, seine potentielle Vize-Präsidentin, werden in der republikanischen Wahlkampagne als Mavericks dargestellt. Was ist so großartig daran, wenn Politiker Einzelgänger sind? Ich denke, dass dieses Image ein großer Pluspunkt ist. Das macht McCain und Palin glaubwürdig, wenn sie davon sprechen, Washington und die Art, wie dort Politik gemacht wird, verändern zu wollen. Als mavericks stehen die beiden mindestens genauso sehr für Wandel wie Obama! Besonders die Nominierung von Sarah Palin, die aus einem relativ unbedeutenden Bundesstaat kommt und nicht schon jahrelang zum politischen Establishment gehört, hat mich wirklich begeistert – die Konservativsten unter den Konservativen sehen sich durch sie besser vertreten als durch McCain. Dass sich im Vergleich zu den vergangenen acht Jahren etwas verändern muss, darin sind sich trotz aller sonstigen Differenzen sogar McCain und Obama einig. Teilst du die Ansicht der Mehrheit der Amerikaner, dass die Präsidentschaft von Bush insgesamt alles andere als erfolgreich war? Ehrlich gesagt sehe ich Bush gar nicht so kritisch wie der Rest der Welt. Er ist zwar sicher nicht der größte republikanische Präsident aller Zeiten – das war definitiv Ronald Reagan. Aber ich schätze an ihm, dass er ein Mann mit festen Grundsätzen und mit einem starken Glauben ist. Er ist den Weg, den er eingeschlagen hat, konsequent gegangen, auch wenn es Widerstände gab und nicht immer alles geklappt hat. Wenn ich ihn kritisiere, dann nicht für den Irak-Krieg, sondern für seine viel zu weiche Haltung in der Einwanderungspolitik. Den aktuellen Umfragen zufolge wird der Gewinner der Wahl Barack Obama heißen. Würde das für dich einer Katastrophe gleichkommen oder siehst du das gelassener und glaubst, dass er doch das Potenzial zu einem guten Präsidenten hat? Naja, der Weltuntergang wäre es vielleicht nicht. Aber Sorgen würde ich mir schon machen, große Sorgen! Ich finde es vor allem gefährlich für Amerika, dass Obama außenpolitisch so unerfahren ist. Ich kann es nicht fassen, dass er sich mit Leuten wie dem iranischen Präsidenten treffen will. Außerdem ist er einfach extrem links und will alle Probleme im Land durch staatliches Eingreifen regeln. Sollte er sich also als ein verkappter kommunistischer Diktator entpuppen, der vor hat, aus den USA so etwas wie die Sowjetunion zu machen, würde ich auf jeden Fall Widerstand leisten. Aber warum sich darüber Gedanken machen? In den nächsten zwei Wochen kann noch viel passieren, und ich bin ziemlich optimistisch, dass wir Obama verhindern und diese Wahl gewinnen werden.

Text: florian-grosser - Foto: ap

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