"Erst wird gearbeitet, dann wird gelacht"

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Schon Mark Twain fand: "A German Joke is no laughing matter." Zuletzt beehrten uns die Macher von "South Park" in der Folge "Funnybot" mit dem "Anti-Spaß-Pokal". Woran liegt's? Eine, die es wissen muss ist Eva Ullmann. Die 33-jährige ist selbst ernannte Humoristin und leitet das "Deutsche Institut für Humor."

jetzt.de: Frau Ullmann, haben Sie schon mal von dem hartnäckigen Gerücht gehört, dass man uns im Ausland nachsagt, völlig unwitzig zu sein?
Eva Ullmann: Na, sicher. Wenn ich in Großbritannien Vorträge halte und sage, dass ich vom „Deutschen Institut für Humor“ komme, löst das allein schon Lacher aus.

Woran liegt das?
Das liegt vor allem daran, dass wir Deutschen Arbeit und Freizeit immer noch relativ strikt voneinander trennen. Während wir uns in der Freizeit gerne der Comedy zuwenden, also ins Kabarett gehen, lustige Fernsehsendungen gucken, lachen und locker sind, bleiben wir während der Arbeit relativ humorlos. Frei nach dem Motto: Erst wird gearbeitet, dann wird gelacht. Daher entsteht im Ausland das Bild, dass Humor nicht unbedingt unser bestes Exportmittel ist.

Da spielen Sie auf ein zweites „Typisch Deutsch“-Stereotyp an: Der arbeitsame Streber ...
Da ist ja auch was dran. Viele meiner Klienten haben Angst, durch Humorigkeit an Status zu verlieren oder gar unseriös zu wirken. Diese Angst ist aber unbegründet. Denn wenn ein Barack Obama sein Correspondents Dinner damit einläutet, seine Geburtsurkunde zu zeigen, um auf den Vorwurf einzugehen, kein Amerikaner zu sein, dann nimmt er sich zwar erst auf die Schippe, aber trotzdem nimmt er danach sofort wieder einen respektvollen Status ein. Man kann jeden Beruf, jede Position mit Humor bekleiden. Es kommt nur auf die richtige Dosis an. Und auf ein gewisses Selbstbewusstsein. Und dass wir jetzt gerade überhaupt darüber reden, ob wir Deutschen nun lustig sind oder nicht, zeugt doch schon von mangelndem Selbstbewusstsein. Wir stehen als Nation nicht zu unserer Humorkultur.

Default Bild

„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Eva Ullmann

Deutsche Humorkulur. Gutes Stichwort. Über wen können Sie denn lachen?
Och, über einige. Das fängt für mich bei Heinz Erhardt und Hanns Dieter Hüsch an, geht weiter über Harry Rowohlt, Fritz Eckenga, Loriot, bis hin zu Annette Frier, Cordula Stratmann, Eckart von Hirschhausen, Bully Herbig und Michael Mittermeier. Ich finde auch ganz viele Comic-Zeichner extrem gut. Nichtlustig.de zum Beispiel. Oder Kim Schmidt, der macht gute Comic-Bücher.

Haben Sie einen Lieblingswitz?
Nee. Ich bin keine gute Witz-Erzählerin.

Sie sind Humortrainerin. Sie können uns nicht einen guten Witz erzählen?
Nee. (Pause) Aber eigentlich ist das doch ein guter Witz, oder?

Wie bringen Sie Humor konkret bei? Auf Ihrer Webseite steht, die Sachsenbank sei prominenter Kunde Ihrer Dienste?
Ja, ja. Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Bankern und Beamten sagt man nur zu gerne nach, dass sie den wenigsten Humor haben. Aber ich trainiere keine Leute, die nicht lustig sind. Ich trainiere Leute, um sie lustiger zu machen. Ich kann schließlich niemandem Humor neu beibringen.  

Wie gehen Sie da vor?
Zunächst prüfe ich immer, worüber die Menschen lachen. Gibt es da bestimmte Geschichten, die sie mir erzählen können? Wann haben sie das letzte Mal gelacht?
Welche Comedians finden sie lustig? Die wenigsten Menschen benutzen Humor gezielt. Ich zeige ihnen, wie sie Humor als berufliches Kommunikationselement nutzen können. Schließlich sind Beziehungen im Arbeitsleben wichtig. Und mit Humor kann man soziale Attraktivität erreichen, rasch Nähe herstellen, aber sich auch harsch von Jemandem distanzieren. Zum Beispiel wenn ich mich auf Kosten von Jemandem lustig mache. Ich zeige meinen Klienten Techniken, mit denen sie Humor als Beziehungsschmier- und Machtmittel einsetzen können.  

Und welche Humortechniken gibt es da?
Die einfachste ist die Pingpong-Technik. Auf ein humorvolles Angebot immer noch einen draufsetzen. Dann gibt es noch Techniken wie die Übertreibung, ungewohnte Gegensätze miteinander kombinieren, untertreiben, die provokative Therapie oder die paradoxe Intervention. Jede Technik basiert aber auf einer empathischen Grundlage.

Wie kann man denn den deutschen Job-Alltag humoriger gestalten?
Zum Beispiel mit der Zwei-Dinge-miteinander-kombinieren-die-nicht-zusammenpassen-Technik. Ich habe einem Unternehmen beispielsweise mal die Powerpoint-Präsentation verboten. Man kann Inhalte nämlich auch ohne Laptop und Beamer vorstellen. Erst waren sie ratlos. Dann hat das eine Team eine Talkshow gemacht, das andere Team ein Märchen erzählt und die dritte Gruppe hat eine Schnitzeljagd veranstaltet. Sie haben ihre Inhalte mit Vermittlungsmethoden kombiniert, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen passten. Mit dem Effekt, dass es so lustig war, dass keiner aufs Klo gegangen ist oder abgelenkt war. Mit Humor bekommt man mehr Aufmerksamkeit.

Haben Sie denn einen praktischen Tipp, den jeder Leser jetzt sofort anwenden kann, um Witzigkeit zu verbreiten?
Och, die Umgebung macht einem immer Angebote. Man muss sie nur entdecken. Unfaire Angriffe beispielweise. Die muss man nur spielerisch kontern. Wenn jemand zu Ihnen sagt „Sie hören nie zu“ oder „Sie schaffen ihre aktuelle Aufgabe doch eh nie“, dann muss man da einfach mal schlagfertig reagieren. Zum Beispiel: „Ja stimmt. Ich bin eine Frau und ich schaffe das nicht, das ist genetisch bedingt.“ 

 Frau Ullmann, sollte das gerade ein Witz sein?
 Ja. (lacht) 



Text: julia-friese - Foto: privat

  • teilen
  • schließen