Christoph, du siehst dich als ein Wortführer des Widerstands gegen die Nichtraucherschutzgesetze. Eine deiner Thesen ist: Passivrauchen ist nicht schädlich. Meinst du das ernst? Passivrauchen stellt für viele eine Belästigung da, ist aber keine Gefahr. Im Alltag stellt Umgebungsrauch ein Schadstoffgemisch unter Tausenden dar, welches kein größeres Problem bedeutet als andere Stoffe, die in der Luft vorkommen. Wollte man etwas gegen die Schadstoffbelastung in der Luft unternehmen, müsste man das Wohnen an vielbefahrenen Straßen verbieten oder Duisburg Nord evakuieren. Seit wann rauchst du? Seit meinem sechzehnten Lebensjahr regelmäßig und durchgängig.

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Zankapfel: Die Zigarette Bild: ap Sollten Nichtraucher, die nicht passiv rauchen möchten, Bars und Kneipen meiden? Das Ganze ist eine Mode- und Zeitgeistfrage. Vor Jahrzehnten haben sich wesentlich weniger Leute über Rauchen aufgeregt. Das ist alles ein wenig künstlich, diese Abneigung gegen Umgebungsrauch. Das hat mit unserer kulturellen Prägung zu tun. Die Leute sind ständig konfrontiert mit Medien, in denen sie hören, Leute würden sich durch Qualm gestört fühlen. Da fühlen sich Nichtraucher in Kneipen, die sie schon seit Jahrzehnten besuchen, gestört. Hätten sie diese Kneipen Jahrzehnte lang besucht, wenn sie den Rauch wirklich als so störend empfunden hätten? Zum Teil ist es so, dass Leuten unterstellt wird, sie hätten ein Problem damit, dass irgendwo Rauch in der Luft liegt. Du kaufst den Leuten nicht ab, dass sie sich durch Zigarettenrauch gestört fühlen? Es kann sein, dass es Leute gibt, die Rauch eher mögen und welche, die Rauch weniger mögen. Das ist bei allen Gerüchen so. Doch die Frage ist, welche Rechte ergeben sich daraus, dass ich etwas nicht mag. Und wenn man sich durch Passivrauchen gesundheitlich beeinträchtigt fühlt? Das geht über „nicht mögen“ deutlich hinaus. Das ist eine künstlich erzeugt Hysterie. Man macht den Leuten Angst und auf dieser Grundlage kommt man mit repressivem Vorgehen an, ähnlich wie man es vom Terrorismus , der Debatte um die innere Sicherheit und Kriminalität im Allgemeinen her kennt. Aus dem Rauch, den man vielleicht als subjektive Belästigung oder als unangenehm empfindet, wird dann der große Gesundheitsschreck. Moment - du sagst: Zigarettenrauch ist nicht ungesund? Beim Umgebungsrauch kann es dazu kommen, dass jemand hustet, wenn die Luft voller Umgebungsrauch ist. Das ist bei anderen Stoffen, die in der Luft sind, genauso. Wenn man vom Grillfeuer etwas abbekommt, dann kann es auch dazu kommen, dass man husten muss. Und wenn einem der Rauch in die Augen steigt, kann das auch unangenehm sein. Nur das sind nicht wirklich gesundheitliche Gefahren. Wir setzen an dem Punkt ein, wo Leute sagen, man bekomme vom Umgebungsrauch Lungenkrebs oder Herzinfarkte. Was soll das heißen? Dass Lungenkrebs und Herzinfarkt als Folge von Zigarettenrauch ein Trugschluss sind? Ja. Das ist das Perverse an der Diskussion. Es ist relativ offensichtlich, dass das nicht belegt ist und sogar unplausibel ist auf Grundlage des bisherigen Forschungsstands. Diese These wird immer wieder verbreitet, und wenn man das ständig hört, glaubt man irgendwann daran. Am Ende kann es sogar passieren, dass jemand, nur weil er daran glaubt, krank wird. Es könnte rein spekulativ also wirklich passieren, dass es den ersten Passivrauch-Toten gibt, weil er so fest daran glaubt, dass sich eine Krankheit dann wirklich verschärft. Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Das soll Panikmache sein? Wer soll denn davon profitieren? Die finanzielle Hauptrolle spielen die Pharmamultis. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist dadurch charakterisiert, dass sie erstens das macht, was die Pharmamultis wollen und zweitens ihre Behauptungen und Richtlinien nicht fundieren kann. Die Pharmaindustrie ist wesentlicher Finanzier der WHO. Bei der weltweiten Anti-Raucher Kampagne sieht man das sehr gut. Die Kampagne ist von den USA aus über die WHO in die ganze Welt verbreitet worden. Die wesentlichen Pharma-Firmen sind Johnson & Johnson, Pfizer und Glaxosmithkline, die auch den Weltnichtrauchertag vor 20 Jahren ins Leben gerufen haben. Die ganzen Anti-Raucher Debatten wären ohne die Milliardenfinanzierung der Industrie nicht denkbar. Die Pharmaindustrie bietet diverse Nikotinprodukte an, Kaugummis oder Nikotinpflaster zum Beispiel, die sich aber nicht von selber verkaufen, so wie es Tabakprodukte tun. Den weltweiten Markt mit über einer Milliarde Raucher kann man natürlich am besten bedienen, wenn man die Leute dazu drängt, diese Tabakersatzprodukte zu kaufen. Das hat die Tabakindustrie nie nötig gehabt, weil die Leute auch ohne Werbung seit Jahrhunderten dazu neigen, Tabakprodukte zu konsumieren. Ich bezeichne das gerne als eine Nikotinmafia aus Pharmamultis. Sie finanziert Organisationen und Studien, die laut gegen das Rauchen schreien. Dazu muss es Experten geben, die diese Meinungen vertreten. Das sind sozusagen die neuen Prediger oder Pfarrer. Die sogenannten Experten sind die die Sittenprediger der heutigen Zeit, die einem sagen, was das Gute und was das Schlechte sein soll.

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Christoph Lövenich, Bundeschef beim "Netzwerk Rauchen" Müsste die Pharmaindustrie das Rauchen nicht unterstützen? Raucher werden häufiger krank, bekommen Husten, Bronchitis, Erkältungen, Atemwegsbeschwerden - und müssten also ein idealer Absatzmarkt für Medikamente sein. Es ist statistisch auch so, dass Raucher früher sterben. An diesem Punkt wird es für den Pharmabereich schon ungünstig, denn die meisten Einnahmen kann man mit Menschen in hohem Alter machen. Personen, die froh und glücklich so viel paffen wie sie gerne möchten und dann mit 75 ins Gras beißen, sind keine guten Pharmakunden. Also lieber ein heftiger, kostenintensiver Todeskampf mit Lungenkrebs in jüngerem Alter als ein langes, gesundes Leben? Nein, die Pharmaindustrie verdient immer mehr Geld mit Gesunden und alten Menschen. Wenn man gesellschaftlichen Druck ausübt, den Menschen erzählt, dass sie nicht rauchen, sich gesünder ernähren und weniger trinken sollen, werden die Menschen unglücklicher. Dadurch sollen die Psychopharmaka-Verkäufe angekurbelt werden. Der Pharmabereich profitiert grundsätzlich davon, dass die Leute länger leben wollen. Und bei Lungenkrebs ist die Lebenserwartung gering, da gibt es lukrativere Krebsarten, die man über einen längeren Zeitraum begleiten kann. Man kann in jedem Fall davon ausgehen, dass die Konzerne sich das durchgerechnet haben. 95 Prozent der Lungenkrebstoten waren Raucher. Ja, in etwa 85 bis 90 Prozent. Also praktisch alle... Das ist eine Erkenntnis, auf der seit Jahrzehnten herumgeritten wird. Das ist die spektakulärste Erkenntnis, die die Forscher hinbekommen haben. Rauchen steht nun mal in sehr direktem Zusammenhang mit Krebs... Du formulierst das sehr seriös. Schwierig wird es in dem Moment, in dem man daraus Rauchertote macht. Sobald man anfängt, bei natürlichen Todesarten exakte Schuldzuweisungen vorzunehmen, bekommt man Probleme. Bei unnatürlichen Todesursachen kann man die Schuld jemandem zuordnen, bei Mord beispielsweise oder wenn jemand mit einer brennenden Zigarette einschläft und verbrennt, dann ist das ein Rauchertoter. Da gibt es im Gegensatz zu natürlichen Todesursachen einen einzigen Todesgrund. Stirbt jemand an einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall, gibt es hunderte verschiedene Risikofaktoren, die den Tod begünstigt haben könnten. Die Tabakindustrie müsste dich als leidenschaftlichen Raucher-Vertreter lieben. Haben sie schon Kontakt mit dir aufgenommen? Innerhalb der Tabakindustrie gibt es größte Differenzen. Der Markführer Philip Morris hält es für eine geschickte Strategie, bigott und heuchlerisch zu sein. Und das haben sie mit großem Erfolg perfektioniert. Sie stehen seit Jahren für immer absurdere und stärkere Regulierungen des Tabakmarktes. Aus klar erkennbarem Eigeninteresse verfolgt also der Marktführer andere Interessen als unser Verband. Es gibt keine Zigarettenfirma, die mit dir zusammenarbeitet? Der Markt ist natürlich relativ groß. Richtig ist, dass wir mit wesentlichen Teilen der Tabakwirtschaft gewisse Interessenüberschneidungen haben. Das will ich nicht verleugnen, muss ich auch nicht. Wir sind unabhängig und werden aus der Ecke nicht finanziert oder gesteuert. Das heißt aber nicht, dass wir mit den Kräften, die es gibt, irgendwelche Berührungsängste hätten. Im Gegenteil, wenn es Möglichkeiten gibt, sich auszutauschen, nutzt man die natürlich auch. Du willst Widerstand gegen die Nichtraucherschutzgesetze leisten. Wie soll dieser Widerstand konkret aussehen? Wir verstehen uns als Plattform für Argumente, stellen diese zusammen und verbreiten Publikationen. Wir führen Protestmailaktionen durch, stellen Unterschriftenlisten zusammen, wie zum Beispiel letzte Woche in Nordrhein-Westfalen, wo wir im letzten Monat 15000 Unterschriften übergeben konnten. Für den individuellen Widerstand haben wir „Rauchen erlaubt“-Schilder produziert. Das hat die mittelständische Tabakwirtschaft aufgegriffen und ein ähnliches Motiv als Aufkleber benutzt. Das wäre ein Beispiel dafür, wie man sich gegenseitig ein wenig befruchten kann, ohne dass wir dafür irgendwelche Gelder erhalten hätten oder abhängig würden.