Flashmob vor dem Kanzleramt

Wer seine Wunschzettelkräfte an den Weihnachtsmann verschwendet hat, liegt falsch.
petra-baeumer

Wer seine Wunschzettelkräfte an den Weihnachtsmann verschwendet hat, liegt falsch. Besser kann man einen an Angela Merkel schreiben und den am Mittwoch gleich persönlich vorbeibringen. Um 17.00 Uhr geht es mit der Internet-Initiative iDemokratie vors Kanzleramt zum Wunschzettel-Flashmob. Da bekommt die Bundeskanzlerin dann auch die Wünsche, die bereits bei dem interaktiven Adventskalender von iDemokratie eingegangen sind. Seit dem 1. Dezember öffnet sich auf der Seite jeden Tag ein Türchen, hinter dem Politiker und engagierte Bürger ihre Wünsche an die Kanzlerin vortragen. Grünen-Politikerin Claudia Roth will zum Beispiel eine umfassende Gesundheitsreform und die Reduzierung der Arbeitslosigkeit.
Christian Hochhuth, gemeinsam mit Unterstützern von wahl.de und der politikfabrik.de Organisator der Aktion, wünscht sich mehr Ehrlichkeit und Bürgerkontakt von Frau Merkel. An den Weihnachtsmann hat er keine Wünsche.

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Illustration: Julia Schubert

Ein Wunschzettel an die Kanzlerin - ist das nicht genauso aussichtslos, als hätte man gleich dem Weihnachtsmann geschrieben?` Die gesammelten Wünsche sollen klar machen, dass die Regierung sich nicht die nächsten vier Jahre ausruhen kann. Im Gegensatz zum Weihnachtsmann gibt es Frau Merkel ja wirklich. Auch wenn sie nicht jeden Brief liest, wird sie die Aktion bestimmt registrieren. Und damit auch, dass sich viele Bürger die Mühe gemacht haben, ernste Wünsche vorzutragen. Wir wollen sie dazubringen, auch nach der Wahl auf den Bürger zu hören. Die Tatsache, dass wir von der CDU beispielsweise niemanden für den Adventskalender gewinnen konnten, beweist, dass die Regierung zuwenig Notiz von den Wünschen der Bevölkerung nimmt. Wie soll die Aktion ablaufen? Das wird ganz kurzfristig passieren. Die Idee ist, dass jeder seinen Wunschzettel mitbringt. Und wir dazu die über 100, die wir übers Internet bekommen haben. Dazu werden noch Kerzen oder Wunderkerzen angezündet, damit es auch schön weihnachtlich wird. Und dann? Wer weiß, vielleicht passiert doch das ein oder andere oder es gibt Glühwein. Wenn es nur der Sicherheitsdienst ans Tor kommt, um uns vertreiben - wir werden bestimmt jemanden finden, dem wir die Wunschzettel übergeben können. Hast du keine Sorge, dass ihr vielleicht einfach mit Sternsingern verwechselt werdet? Es ist auch ein Spiel. Selbst wenn dieser Eindruck entstehen sollte, wäre das auch ein interessantes Ergebnis. Wir wollen die weihnachtliche Stimmung schließlich nicht kaputt machen. Es ist keine richtige Demo oder krasse Protestaktion. Ein Flashmob ist eher etwas Witziges und lebt von der Spontanität. Wir mixen ganz einfach den Aufmerksamkeits- und Spaßfaktor ein bisschen mit Politik. Sind Flashmobs nicht schon wieder out? Die letzten Mobs, die für richtig für Aufsehen gesorgt haben, liegen schon eine Weile zurück, das stimmt. Das Prinzip aber kann man gut für politische Zwecke aufgreifen. Es war auch mehr eine spontane vorweihnachtliche Idee, die zusammen mit dem Wünsche-Adventskalender entstand. Die Idee taugt ebenso für weitere Aktionen - selbst wenn es out ist, kann man es ja wieder beleben. Und wer wird kommen? Auch die Politiker aus dem Kalender? Alle sind eingeladen. Ich könnt mir auch vorstellen, dass sich vielleicht der ein oder andere Politker von den Oppositionsparteien einfindet. Vielleicht kommt ja Herr Ströbele mit dem Fahrrad vorbei. Und wenn man grad keinen Wunschszettel zur Hand hat? Kein Problem. Wir haben alles dabei. 10 000 Flyer werden vorher noch am Brandenburger Tor verteilt. Außerdem überall, wo die Leute eh gerade beim Geschenkkauf unterwegs sind. Hinten auf den Flyern kann man dann seinen Wunsch eintragen und einfach vorbeibringen. Bis zum 24. Dezember sammeln wir natürlich auch auf der Internetseite weitere Wünsche.

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