Frankreich: Ségo gegen Sarko. Oder wird es doch der Dritte Mann?

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Monsieur de Bresson, so kurz vor der Ziellinie: Wer hat die Nase vorn? Das ist schwer zu sagen. Im Moment liegt Nicolas Sarkozy von der Volkspartei UMP zwar laut Umfragen vorne, aber das kann sich alles noch ändern. Der Liberale Francois Bayrou (UDF) ist zum Beispiel der Einzige aus dem Spitzentrio, der in den Umfragen zulegen konnte. Die großen Drei - Sarkozy, die Sozialistin Ségolène Royal (PS) und Bayrou- sind sehr nah beieinander. Das Problem ist einfach, dass sich die meisten Wähler noch nicht entschieden haben. Woran liegt das? Die Haltung der Kandidaten gibt immer den Ausschlag: Nicolas Sarkozy hat mit seiner rigiden Einwanderungspolitik zum Beispiel unverhohlen am rechten Rand nach Stimmen gefischt; bei Leuten, die normalerweise den rechtsextremen Le Pen wählen würden. Das hat viele Leute verschreckt. Ségolène Royal dagegen hält sich in Diskussionen zurück, sie lässt sich schwer festlegen und ist in ihren Aussagen nicht präzise genug. Dazu kommt ein großes Teilnehmerfeld mit insgesamt 12 Kandidaten, das kann die Bevölkerung spalten. Aber sind denn die programmatischen Unterschiede so groß? Das kommt darauf an, von welchen Bereichen man spricht. Grundsätzlich sind Differenzen im Gesamtkonzept schon erkennbar: Royal möchte zum Beispiel dem Volk die Stimme zurückgeben und auf seine Vorschläge hören - Basisdemokratie im reinsten Sinne des Wortes. Im Gegensatz dazu will Sarkozy die Präsidentschaft an sich reformieren und dem Staatsoberhaupt mehr Einfluss verleihen. Und Bayrou? Francois Bayrou kann befreit aufspielen. Die aktuelle Patt-Situation kommt ihm am meisten zugute. Er hofft außerdem auf die Parlamentswahlen, die direkt nach der Stichwahl am 6. Mai stattfinden. Da wird sich zeigen, wie groß die Unterstützung für den Sieger unter den Abgeordneten ist. Je nach Ergebnis ist dann parteiübergreifende Zusammenarbeit gefragt, und das ist ein Umstand, den Bayrou schon von Beginn an beschworen hat. Unabhängig vom Wahlausgang: Welche grundlegenden Themen stehen denn auf der Präsidentschaftsagenda? Da gibt es mehrere Ebenen. Es geht um die Weiterentwicklung Europas, mit einer neu anstehenden EU-Verfassung. Da wartet man natürlich auf Signale aus Frankreich, der alte Entwurf wurde ja besonders hier torpediert. Wer auch immer Wahlsieger wird, muss schleunigst Verhandlungen mit Brüssel und der EU-Ratspräsidentin Angela Merkel aufnehmen. Im eigenen Land stellt die Jugendarbeitslosigkeit ein großes Problem dar, gerade in den Banlieues. Hier ist die Politik nach den Krawallen von 2005 noch keinen Schritt weiter gekommen. Zum Abschluss ein Tipp: Wer wird es machen? Ich lege mich nicht fest, da ich ein neutraler Beobachter bin. Es kann soviel passieren. Und dass man selbst einen Kandidaten wie Jean-Marie Le Pen nicht abschreiben darf, hat man ja bei der letzten Wahl im Jahr 2002 schon gesehen.

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