Ganz verunsichert: Ein Interview mit einem Jugendvertreter der Allianz

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[i]Allianz-Mitarbeiter in Köln zeigen der Unternehmensleitung die rote Karte. Der Standort soll geschlossen werden. (Foto: dpa) [/i] [b]Der Allianz-Standort Köln, wo du arbeitest, wird komplett geschlossen. Wie hast du davon erfahren? [/b] Die gesamte Belegschaft wurde in die Sartory-Säle in Köln bestellt. Ich kenne diesen riesigen Saal hauptsächlich vom Karneval – die Atmosphäre bei dieser Vollversammlung war aber das genaue Gegenteil: So viel Wut, Trauer, Ohnmacht und Verzweiflung habe ich noch nie auf einem Fleck erlebt. Es ist schon heftig, wenn für 1800 Leute gleichzeitig die ganze Lebensplanung zusammenbricht und da vorne jemand steht, der eiskalt, ohne jede Emotion, Wort für Wort eine nüchterne Erklärung verliest. [b]Hast du damit gerechnet? [/b] Direkt davor natürlich schon – es gab ja genug Gerüchte. Aber als ich vor knapp drei Jahren die Ausbildung zum Versicherungskaufmann begann, sah die Welt noch ganz anders aus: Sie haben lange Reden gehalten, dass wir mit der Ausbildung bei der Allianz einen prima Grundstein für unsere Karriere legen und ich hatte auch wirklich vor, in diesem Unternehmen zu bleiben – von mir aus das liebe Leben lang. Ich dachte: Wenn ich einigermaßen gut arbeite, bin ich ab sofort voll und ganz gesichert und so weiter. Tja, Pustekuchen! [b]Was bedeuten die sogenannten „Umstrukturierungen“ für junge Arbeitnehmer und Auszubildende? [/b] In Köln werden die Auszubildenden natürlich allesamt nicht übernommen und die jungen Arbeitnehmer werden zuerst entlassen, zumindest wenn sie noch unverheiratet und kinderlos sind. Viele fühlen sich da um ihre sicher geglaubte Zukunft betrogen. Aber natürlich ist es noch schlimmer für die 30-jährigen Kollegen, die zum Beispiel gerade ein Kind gekriegt haben und ein Haus gebaut - wie will man da flexibel sein? [b]Was glaubst du, warum baut ein Unternehmen Stellen ab, dem es eigentlich gut geht? [/b] Ganz einfach: die Allianz ist eine Aktiengesellschaft und Aktiengesellschaften versuchen Aktionäre zufrieden zu stellen und Aktionäre sind nie zufrieden. Trotzdem ist das, was die Unternehmensführung da tut, völlig falsch: Sie hat kein konkretes Ziel, sie weiß selbst nicht, wo sie hinwill mit ihrem ganzen Abbau-Aktionismus. [b]Was tut ihr gegen die Entlassungen? [/b] Die Gewerkschaft ver.di hat ja schon eine Menge Aktionen gestartet und auch der Betriebsrat, in dem ja auch einer unserer Jugendvertreter sitzt, ist aktiv geworden. Wir haben dem Vorstand die „Rote Karte“ gezeigt, Warnstreiks geplant und Demos. [b]Hilft das noch was? [/b] Hoffentlich. Ich glaube schon, dass ich persönlich sonst auch wieder was anderes finde, aber ich glaube es ist auch für das Unternehmen wichtig, dass der Kölner Standort erhalten bleibt.

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