Gastarbeiter im Cockpit: Piloten haben weltweit gute Berufsaussichten

Jeden Tag die Sonne sehen, in ferne Länder reisen und dann noch diese schicken Uniformen – Pilot galt lange als Traumberuf. Nach den Anschlägen vom 11. September hatten angehende Luft-Chauffeure jedoch miserable Berufsaussichten – zeitenweise fanden nur fünf bis zehn Prozent der Absolventen eine Arbeitsstelle. Das hat sich nun radikal verändert. So kann beispielsweise das größte freie Ausbildungsinstitut für Piloten in Deutschland, „Intercockpit“, inzwischen 90 Prozent seiner Absolventen sofort nach dem Abschluss an Fluggesellschaften vermitteln. Weltweit steigt der Bedarf an Piloten – in ein paar Jahren soll es einen regelrechten Pilotenmangel geben. Ein Interview mit Helmut Riederer, 45, der bei Intercockpit seit vielen Jahren Nachwuchsflieger ausbildet.
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Illustration: Julia Schubert

[i]Training im Flugsimulator gehört zur Pilotenausbildung (Foto: dpa)[/i] [b]Warum ist der Bedarf an Piloten plötzlich wieder so groß?[/b] Zum einen wird innerhalb Europas immer mehr geflogen und diese neuen, günstigen Fluglinien bilden meist keine eigenen Piloten aus, sondern suchen sie auf dem freien Markt. Zum anderen ist das ein Arbeitsmarkt, der stark internationalisiert ist. In Asien nimmt der Flugverkehr immens zu. Sehr viele europäische Piloten lassen sich von dortigen Airlines abwerben. Wenn ein Jungpilot bereit ist, für ein paar Jahre als Gastarbeiter nach Asien zu gehen, dann hat er im Moment ganz hervorragende Berufsaussichten. [b]Welche Vorraussetzungen muss man mitbringen, wenn man Pilot werden will?[/b] Man muss einigermaßen gut in Mathe, Physik und Englisch sein. Abitur braucht man nicht. Natürlich sollte man keine Höhenangst haben. Und dann komme da noch ein paar charakterliche Dinge dazu: wenn ein Bewerber extrem viele Punkte in Flensburg hat, weil er viel zu schnell und unverantwortlich gefahren ist, dann nehmen wir ihn in unsere Schule erst gar nicht auf. Als Pilot trägt man die Verantwortung für alle Menschen an Bord und manchmal auch noch für ein paar hundert Menschen unten am Boden. Es muss ausgeschlossen sein, dass da einer sitzt, der fahrlässig handeln könnte. [b]Wie beugen sie da vor?[/b] Vorab verlangen wir zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Flensburger Register. In der Ausbildung sprechen wir viel über Verantwortung. Wenn wir merken, dass da einer dem Job nicht gewachsen ist, dann bekommt er auch keinen Abschluss. [b]Was kostet so einen Pilotenausbildung eigentlich?[/b] In unserer Schule zahlt man 64 900 Euro. Die Ausbildung umfasst 360 Stunden theoretischen Unterricht, rund 900 Stunden Selbststudium und 195 Flugstunden. Danach ist man fertig ausgebildet, um ein Verkehrsflugzeuge zu fliegen. Die meisten Schüler brauchen 17 Monate um dieses Programm zu absolvieren. Bafög kann man beantragen, aber man muss da eben schon was investieren. [b]Warum gibt es eigentlich immer noch so wenig Pilotinnen?[/b] Das fragen wir uns auch oft. Von unseren Absolventinnen sind gerade mal 10 Prozent Frauen, dabei ist das ein Beruf, der von Frauen mindestens genauso gut ausgeübt werden kann, wie von Männern. Jungs sind vielleicht öfter Technik-Freaks, aber als Pilot muss man ja längst nicht mehr unter die eigene Maschine kriechen und sie mit ölverschmierten Händen reparieren. Das sind so Klischees aus der Anfangszeit der Fliegerei, die immer noch in den Köpfen rumspucken. Die Schülerinnen, die wir haben, erzielen in der Regel in allen Tests sehr gute Resultate. Man braucht in diesem Beruf zum Beispiel die Fähigkeit, in Krisensituationen die vielen Informationen, die er über Funk und durch die Geräte reinkommen, auf einmal zu bearbeiten. Das können Frauen oft besser. [b]Was ist das härteste am Pilotenberuf? [/b] Es ist auch eine Branche, in der es ziemliche Schwankungen gibt. Der Konkurrenzdruck zwischen den Flugunternehmen ist hoch. Obwohl es gerade gut läuft: Man kann als Flieger nicht mehr davon ausgehen, dass man sein ganzes Leben beim selben Unternehmen verbringt. Und auch sonst verlangt dieser Beruf einem viel Flexibilität ab. Mal muss man um fünf Uhr morgens am Flughafen sein, dann erst wieder spät abends. Wochenenden in dem Sinn gibt es nicht und oft kommt man über Nacht nicht heim. Obwohl sich da auch was verändert hat: Inzwischen gibt es Unternehmen, die fast nur auf Kurzstrecken unterwegs sind: Ihre Piloten gehen morgens zur Arbeit, machen zwei-dreimal pro Tag München-Berlin oder München-Mallorca und gehen dann wieder heim. [b]Und was ist das schönste am Pilot sein? [/b] Das Fliegen – ich weiß das klingt sehr naheliegend, aber es ist nun mal so: Ich selbst habe viele Jahre in der Luft gearbeitet und trotzdem setzt mich jeder Start und jede Landung immer noch unter Hochspannung. Es ist wie eine Sucht. Ich kenne keinen einzigen Piloten, der nicht gerne zur Arbeit geht. Ich war immer froh, wenn das Wochenende wieder vorbei war und ich zurück in den Flieger durfte.

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