Gegen Klimawandel. Gegen die „Bild“-Aktion. Toralf kämpft für das bessere „Licht aus“.

Am Samstag wird die BILD-Zeitung Deutschland dazu aufrufen, fünf Minuten lang das Licht auszuschalten - für den Klimaschutz. An der Aktion beteiligen sich Umweltorganisationen wie WWF und Greenpeace. Toralf Staud reicht das nicht. Er organisiert eine Aktion, die sich als sinnvolle Alternative zum BILD-Engagement versteht:"Licht an! Aber richtig!". jetzt.de erklärt er, was er an der BILD-Aktion nicht in Ordnung findet und was „"Licht an! Aber richtig"!“ verändern soll.
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Illustration: Julia Schubert

Auf Eurer Webseite Wir-Klimaretter steht: „Der BILD nicht den Klimaschutz überlassen.“ Warum eigentlich nicht? Als Boulevardzeitung vereinfacht die BILD und wertet ganz offensichtlich Industrieinteressen höher, als man es als Umweltschützer machen sollte. Es fällt schon auf, dass die BILD Zeitung selektiv über Klimaschutz berichtet und gerne ein Fragezeichen dahin stellt, wo unserer Meinung nach ein Ausrufezeichen hingehört. Vor allem aber vereinfacht sie, sie spült weich. Und das sieht man an dieser BILD-Aktion „Fünf Minuten Licht aus“, die fürs Klima überhaupt nichts bringen wird, aber ein Imagegewinn für die BILD-Zeitung sein soll. Das ist zu wenig und wenn man sich wirklich fürs Klima einsetzen will, dann soll man bitteschön etwas mehr machen. Wir verlangen keine revolutionären Handlungen und stellen keine radikalen Forderungen. Es sollte einfach ein bisschen mehr sein, als fünf Minuten das Licht auszuschalten. Kann man die Aktion nicht als ersten Schritt in die richtige Richtung werten? Das glaube ich nicht, denn diese Aktion suggeriert, man könne damit wirklich etwas erreichen. Was erreicht man denn, wenn für fünf Minuten das Licht ausgeschaltet wird? Überhaupt nichts. Wahrscheinlich nicht einmal eine Verringerung des momentanen CO2-Ausstoßes. Alle Experten sagen, dass für fünf Minuten sicherlich keine Kraftwerke heruntergefahren werden. Die Aktion erregt Aufmerksamkeit für Klimaschutz. Die Aktion erregt erstmal Aufmerksamkeit für die BILD-Zeitung, da bin ich mir sicher. Auf das Klimathema, das, was wirklich notwendig ist, wird durch fünf Minuten Licht ausschalten überhaupt nicht aufmerksam gemacht.

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Illustration: Julia Schubert

Toralf Staud, engagiert für den Klimaschutz Aber es geht doch immer ein bisschen besser. Es kann morgen auch jemand zu euch kommen und sagen: Das reicht nicht, hier ist mehr. Wenn jemand mehr machen will, haben wir überhaupt nichts dagegen. Unsere Messlatte ist, ob eine Aktion, zu der man aufruft, wirklich etwas verändert. Wenn die BILD-Zeitung dazu aufruft, fünf Minuten das Licht auszuschalten, verändert das überhaupt nichts. Und was verändert eure Aktion? Im Zuge unserer Aktion fordern wir die Leute zum Beispiel dazu auf, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Wenn auch nur zehn Verbraucher zu einem wirklichen Ökostromanbieter, der auch neue Anlagen baut, wechseln, wird wirklich etwas verändert. Man kann immer mehr machen, und deshalb haben wir auf unserer Seite eine ganze Menge weiterer Hintergrundinformationen und Mitmachtipps. Denn mit Energiesparlampen und einem Wechsel zu Ökostrom allein ist das Problem nicht zu lösen. Was müsste die BILD-Zeitung machen, damit du mit an Bord springst? Die BILD verknüpft mit ihrer Aktion keine konkreten Forderungen. Wenn sie sagen würde: „Schaltet fünf Minuten das Licht ab und protestiert dadurch gegen den Neubau von Kohlekraftwerken“, wäre das eine super Aktion. Oder: „Schaltet fünf Minuten das Licht ab und protestiert damit gegen zu lasche Grenzwerte für die schweren Geländewagen“, hätte ich auch nichts dagegen. Aber es ist typisch BILD, dass sie mit dieser Aktion und dem Aufruf nicht eine einzige konkrete oder gar brisante Forderung verbinden. Persönlich würde ich mit der BILD nie ins Boot steigen, weil ich sie für unmoralisch halte. Das muss aber jeder Umweltverband selber wissen. Was unternimmt eure Klima-Aktion „Licht an“ konkret? Wir haben gestern eine Kettenmail-Kampagne gestartet, in der wir unseren Mitmachern sagen:„Kauft euch Energiesparlampen und wenn ihr am Samstag fünf Minuten das Licht ausgeschaltet habt, dann schraubt diese Energiesparlampen überall hinein. Wenn das Licht wieder an ist, dann wechselt zu einem echten Ökostromanbieter, dadurch kann man seinen Co2-Ausstoß und Stromverbrauch wirklich um den Faktor zehn verringern.“ Es macht wirklich einen riesigen Unterschied, Ökostrom zu beziehen. Und wir habe eine Protestmail gestartet, wo die Leute bei uns auf der Homepage Mails an Angela Merkel schicken können und sie dazu auffordern, nicht nur privaten Klimaschutz zu fördern, sondern auch der Industrie abzuverlangen, ihren Teil zu bringen. Im Moment ist es so, dass immer, wenn die Interessen der Industrie berührt werden, die Bundesregierung zurückschreckt. Wir rufen im Gegensatz zur BILD ausdrücklich dazu auf, am Samstag auf Demonstrationen zu gehen. Es gibt bei campact.de die Möglichkeit, sich in eine virtuelle Menschenkette einzureihen. Und an Herrn Diekmann richten wir einen offenen Brief: „Lieber Herr Diekmann, es ist schön, dass Sie das machen, obwohl es noch gar nicht so lange her ist, dass Sie gegen die Ökosteuer gehetzt haben. Aber ein bisschen mehr wäre doch wirklich möglich gewesen.“

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