Germany’s Next HipHop-Model

„Hip Hop Models Berlin“ ist die erste Modelagentur Deutschlands gegründet nur für Hip-Hop-Tänzerinnen. Wie man sich das vorzustellen hat, erklären die beiden Chefs Yanick Nsingi und Robert Schütze im Interview.
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Illustration: Julia Schubert

Robert und Yanick (Fotos: Sascha Damm) jetzt.de: Worin besteht bei eurer Agentur die Verbindung von HipHop und Modeling? Yanick: Wir suchen nach Mädchen, die nicht nur gut aussehen, sondern ein gewisses HipHop-spezifisches Mehr zu bieten haben. In der Regel sind das vor allem tänzerische Fähigkeiten, um sich beispielsweise bei einer Musikvideoproduktion gut zum Beat vor der Kamera bewegen zu können. Robert: Die Mädchen sollten eine gewisse Körperbeherrschung mitbringen und wissen, wie sie ihren Körper selbstbewusst einsetzen können. Es geht darum, die eigene Coolness mit seiner Schönheit rüberbringen zu können. Wir verlangen keine professionellen Fähigkeiten, aber Engagement. Auf eurer Homepage steht, dass ihr versucht, der HipHop-Kultur in Form von Mode und Fashion ein Gesicht zu geben. Wie sieht denn ein typisches HipHop-Gesicht aus? Yanick: Für mich ist ein HipHop-Gesicht nicht so püppchenhaft, sondern ein bisschen markanter. Wir suchen nicht nach Models mit perfekten Körpermaßen und einem elfenhaften Gesicht, sondern nach solchen, die einen gewissen Street-Style mitbringen, ein bisschen rough rüberkommen und das wahre Leben widerspiegeln können. Robert: Es ist auch kein Problem, wenn ein Mädchen privat mehr auf Rock oder Techno steht. Aber da unsere Kunden vorwiegend aus dem HipHop-Bereich kommen, sollten sich unsere Models bei dieser Musik wohlfühlen. Sie müssen nicht HipHop sein, aber sie müssen HipHop verkörpern können. Darauf kommt es an. Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Mädels aus? Robert:Die Models müssen Persönlichkeit und einen Wiedererkennungswert besitzen, sollen aber gleichzeitig nicht unerreichbar wirken. Sie sollten einen gewissen Sex-Appeal haben und elegant wirken können, aber nicht hochnäsig sein. Wenn man klassische Modelbilder in Zeitschriften sieht, sind die Frauen dort von der Lebenswelt der meisten Menschen Lichtjahre weit entfernt. So etwas wollen wir nicht haben. Unsere Models sollen sexy und weiblich sein, gleichzeitig aber auch natürlich und nicht abgehoben wirken. Eher nach dem Motto: Die schönste Frau in meinem Block. Deshalb tragen wir als Untertitel unserer Agentur auch den Zusatz „Real Life Agency“.

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Illustration: Julia Schubert

Model Bianca (Foto: Sascha Damm) Dem Klischees entsprechend denkt man beim Begriff „HipHop-Model“ unweigerlich zuerst an dunkelhäutige Frauen mit ordentlicher Oberweite und einem anständigen Hintern. Sind das die Mädchen, die ihr sucht? Yanick: Wir haben die Models in unserer Kartei in zwei Kategorien eingeteilt, European und American, die sich vornehmlich an den Anforderungen des jeweiligen Marktes orientieren. In Amerika sind die Rundungen der Frauen tendenziell etwas ausgeprägter und entsprechen eher dem, was man in vielen amerikanischen Rap-Videos sieht. Wir haben jedoch gemerkt, dass die Vorstellungen hierzulande häufig andere sind, sodass wir darauf reagiert haben und alle Mädchen mit einer Konfektionsgröße von 36 und weniger unter der Rubrik „European Hip Hop Models“ zusammengefasst haben. „Hip Hop Models Berlin_Cat Dance Fitness“

Woher habt ihr denn eure Models? Geht ihr in Black-Music-Clubs und sprecht Mädels an oder werdet ihr mit Bewerbungen zugeschüttet? Yanick: Am Anfang haben wir die Mädchen noch selbst auf Internet-Plattformen wie model-kartei.de angeschrieben. Wir haben aber ziemlich schnell Initiativbewerbungen erhalten, die seitdem von Monat zu Monat mehr werden. Wir sind aber selbstverständlich auch bei vielen Szene-Events, bei denen wir interessanten Mädchen unsere Visitenkarte in die Hand drücken. Viele Mädchen denken dabei aber doch sicher an einen billigen Anmach-Trick, oder? Robert: Klar, das kommt vor. Viele Mädels sind sicherlich erst einmal skeptisch und halten mich für einen Spinner, wenn ich mich als Modelscout ausgebe. Aber ich verstricke die Mädchen auch nicht in stundenlange Gespräche, sondern sage einfach: „Du siehst gut aus, du kannst gut tanzen, hier hast du meine Karte – ruf mich an.“ Dann können die Mädels am nächsten Tag erstmal in Ruhe auf unsere Homepage gucken und sich bei Interesse bei uns melden. Wenn ich sechs Frauen an einem Abend eine Karte in die Hand gedrückt habe und sich bloß zwei davon bei uns bewerben, dann ist das für mich eine super Quote. Wie bringt ein Model denn den gewissen HipHop-Appeal in ein Foto oder ein Video, wenn es nicht gerade HipHop-Wear trägt? Robert: Wir versuchen in der Regel, auf die typischen HipHop-Posen mit verschränkten Armen und der Kapuze überm Kopf zu verzichten. Man muss sich vor allem die Frage stellen: Was ist denn eigentlich HipHop? Und die Antwort darauf ist vermutlich für jeden eine andere. Euch gibt es nun seit knapp einem Jahr. Seht ihr euch denn in der Annahme bestätigt, dass der Markt nach „Hip Hop Models“ verlangt? Yanick: Absolut. Denn in diesem Jahr hat sich schon eine ganze Menge getan. Unsere erste Anfrage kam zum Beispiel direkt von der Berlinale zum Film „Notorious“, wir haben schon mit etablierten Firmen zusammengearbeitet und sogar einige prominente Models wie das ehemalige Playmate Daniela Katzenberger in unserer Kartei. Ob sich damit wirklich einmal viel Geld verdienen lässt, ist momentan noch schwer abzusehen. Aber wir sind optimistisch und haben Pläne – auch über die Model-Agentur hinaus. Das Ziel ist jedoch nach wie vor, am Ende auch davon leben zu können. Wenn ihr morgen sowohl eine Modelanfrage von Blumentopf als auch von Bushido bekämt, würdet ihr dann beiden Parteien dieselben Mädchen anbieten oder würdet ihr vorselektieren? Yanick: Es kommt immer auf die Wünsche des jeweiligen Kunden an. Wir selbst machen daher keine Unterschiede bei anfragenden Rappern aufgrund ihrer Musik, sondern fragen nach ihren Vorstellungen. Wahrscheinlich würde man in einem Blumentopf-Video eher eine zierliche Blondine vermuten und bei Bushido ein Mädel mit mehr Roughness, aber wenn deren Vorstellungen genau andersherum sind, setzen wir das selbstverständlich auch gerne um. In unserer Kartei sollte jedenfalls für beide Parteien etwas Passendes zu finden sein. HipHop hat oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, sexistisch zu sein und Frauen auf ihre Sexualität zu reduzieren. Wie schafft ihr es, diesen Aspekt aus eurer Agentur herauszuhalten? Oder ist das sogar Teil des Konzepts? Yanick: Wir achten darauf, dass sich unsere Mädels zwar sexy, aber nicht billig präsentieren. Wir sind eine seriöse Agentur, daher sollte sich alles in einem gewissen Rahmen bewegen. Wir nehmen uns das Booty-Shaken der HipHop-Honeys aus amerikanischen Rap-Videos nicht als Vorbild, sondern machen stattdessen lieber unser eigenes Ding. Dennoch ist das Bild von der Frau als „Bitch“ im HipHop sehr präsent. Robert: Das ist richtig, und wenn ein Kunde so etwas verlangt, kann man sicherlich auch einmal darüber sprechen und den Rahmen abstecken. Wenn eines unserer Models für entsprechende Aufnahmen zur Verfügung steht, ist das natürlich auch umsetzbar. Wir haben auch Akt- und Fetisch-Modells in unserem Portfolio, aber wir verlangen von einem Mädchen nichts, womit sie sich nicht wohlfühlt. Der Berliner Rapper King Orgasmus One ist auch HipHop und macht neben seiner Musik auch HipHop-Pornos. Was passiert, wenn er für seinen nächsten Film Mädchen bei euch buchen möchte? Robert: Dann bekommt er von uns eine freundliche Rückmeldung, dass unsere Models dafür leider nicht zur Verfügung stehen. Er kann bei uns gerne ein paar Eyecatcher für die nächste Venus-Messe buchen, aber für seine Pornos sind wir definitiv nicht der richtige Ansprechpartner. Die Homepage von HipHop-Models Berlin

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