"Hamburg ohne Worte" will Bücher retten

Die Aktion „Hamburg ohne Worte“, hat es sich zum Ziel gemacht, Bücher der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg vor dem Säurefraß retten. Säurefraß befällt alte Bücher und zerfrisst sie langsam. Da kann nur eine Entsäuerung Abhilfe schaffen, aber die ist teuer. Deshalb werden jetzt Bücherpaten gesucht. Zu dem Projekt haben wir Bibliotheksdirektorin Gabriele Beger interviewt.
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Wie viele Bücher haben Sie in der Staats und Universitätsbibliothek und wie viele sind vom Säurefraß betroffen? Wir haben etwa 3,3 Millionen Bücher insgesamt. Davon sind 1,2 Millionen Bände vom Säurefraß betroffen. Wie alt sind die betroffenen Bücher? Die Bücher stammen aus der Zeit zwischen 1840 und 1975. Damals benutzte man holzhaltiges Papier. Holz im Papier ist eine Zeitbombe, weil es Säure entwickelt die das Buch langsam zerfrisst. Das Buch zerbröselt dann. Mussten Sie schon viele Werke in den Müll werfen, weil Sie nicht mehr zu retten waren? Wir führen bei der Bücherrettung einen Wettkampf mit der Zeit. Aber wir werfen keine Werke weg, sondern digitalisieren diese dann, oder filmen sie ab. Wie machen Sie die Aktion publik? Wir plakatieren an 1000 Litfasssäulen. Unser Plakat, in dem Buchstaben aus einem Buch fallen, ist im übertragenen Sinne gemeint. Natürlich fallen die Buchstaben nicht heraus, aber das Wissen, das in den Büchern steht, geht verloren. Es gibt zudem noch Postkarten, Flyer und große Folder, die aufgestellt werden. Wir veranstalten am Samstag, den 2. September, ein Informationsfest im Foyer der Bibliothek. Dort werden die Besucher über die Aktion informiert und es wird erklärt wie eine Entsäuerung abläuft.

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Illustration: Julia Schubert

Wie läuft die Entsäuerung ab? Es gibt die Trocken- und die Nassentsäuerung. Die Bücher werden dabei mit einem Pulver oder einer Flüssigkeit behandelt. Der Gelbstich verschwindet dabei nicht, aber die Bücher bleiben uns erhalten. Beide Methoden können in der Einzelblatt- und der Massenentsäuerung durchgeführt werden. Bei unseren vielen Büchern wenden wir die Massenentsäuerung an. Dabei werden gleichwertig geschädigte Bücher auf so genannte Europaletten gelegt und gemeinsam behandelt. Wie lange hält die Entsäuerung an? Wenn die Entsäuerung einmal durchgeführt wurde, hält das Buch für immer. Wie viel kostet es ein Buch zu entsäuern? Das kostet zwischen 10 und 12 Euro. Wir werben in unserer Kampagne dafür, dass Bücherpaten 10 Euro pro Buch spenden. Das gerettete Buch bekommt dann ein Etikett mit dem Namen des Spenders. Das heißt, Sie bräuchten über 12 Millionen Euro an Spenden um alle Bücher zu retten? Das ist eine Summe, die wir nicht erreichen werden. Wir steuern auch Gelder aus unserem Erwebungsetat hinzu. Der beträgt jährlich 2,8 Millionen Euro und wir nehmen davon 30.000 Euro für die Entsäuerung der Bücher. Das ist mehr als das eine Prozent, dass die Kultusministerkonferenz dafür empfiehlt. Aber das Geld fehlt uns dann natürlich für den Kauf neuer Bücher. Woher kam die Idee zu diesem Spendenaufruf? Das Hamburger Abendblatt interviewte mich einmal und ich berichtete unter anderem über das Problem des Säurefraßes. Der ehemaliger Student, Alexander Extra, der jetzt die Werbeagentur Hamburg Innen Werbung besitzt, las den Artikel. Während seiner Studienzeit benutzte er die Bibliothek sehr gerne und wollte nun etwas zurückgeben. Er kam mit der Idee zu dieser Kampagne auf uns zu. Ohne einen Lohn zu fordern, entwarf er das Plakat und die anderen Materialien, druckte sie und ließ sie an die entsprechenden Stellen liefern. In jeder Buchhandlung in Hamburg hängt jetzt eines unserer Plakate. Haben Sie schon Reaktionen auf ihre Aktion bekommen? Frau Gabriele Beger: Wir haben vorab Informationen zu unserer Aktion an Medien, Büchereien und Politiker verschickt. Schon vor dem eigentlichen Beginn des Spendenaufrufes sind etwa 1000 Euro bei uns eingegangen. Wir hoffen jetzt, dass wir auf die eigentliche Spendenaktion genau dieselbe positive Resonanz bekommen. Foto: ddp

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