Hannes macht in Hamburg Party: Die Hansestadt feiert guerillamäßig

Hannes klebt in Hamburg auf dem Gehsteig, unter Brücken und in Treppenhäusern. „Wer ist eigentlich Hannes?“, fragte sich unser Autor, als er den ungefähr siebten Aufkleber mit Hannes‘ Konterfei von der Haustüre im Hamburger Schanzenviertel entfernte. Er ist der Frage nachgegangen und stellte fest: Keiner von denen, die Hannes kennen, wissen wirklich, wer er ist. Jeder hat immer nur von ihm gehört – oder eines der merkwürdigen Videos weitergeschickt, die auf kennstduschonhannes.de zu sehen sind. Wie es dazu gekommen ist, haben wir uns von Andreas erklären lassen. Der 28-Jährige ist sowas wie Hannes‘ Vater. Einer von zweien.
florian-zinnecker

Wer ist eigentlich Hannes? Andreas: Berechtigte Frage. Hannes ist – na, eben Hannes. (Pause). Hannes ist eine nette Wochenendbeschäftigung. Kreativität, Individualität, Party, Stimmung. Und Herzlichkeit. Mal was Neues eben (lacht).

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Illustration: Julia Schubert

Aha. Und wer ist Hannes? Im Grunde sind das zwei Leute – Jakob und ich. Wir arbeiten im Kreativbereich, in der Werbung, frei und in Agenturen. Jakob ist zurzeit bei Scholz&Friends beschäftigt – hauptberuflich. Und am Wochenende kümmern wir uns um Hannes. Nochmal: Wer ist Hannes? Hannes ist die Leidenschaft, gemeinsam was zu machen, auf kreativer Basis. Nur eben nicht für andere, mit festen Budgets, Meetings und Briefings. Sondern für sich selbst, für die Sache, für uns. Ein Aspekt dabei ist die Idee, im Marketing mal einen neuen Weg zu gehen. Das heißt? Hannes steht erstmal für eine neue Art der Einladung. Üblicherweise läuft das mit Flyern, Plakaten oder E-Mails, wir versuchen das mit Videos – selbstgedrehte Filmchen, die auf Hannes‘ Homepage stehen und die sich per E-Mail verbreiten. Weil Leute das lustig finden. Als wir mit Hannes begonnen haben, waren MySpace und YouTube gerade neu – da lag das für uns nahe. Flyer und Plakate nutzt Ihr aber offensichtlich auch? Nicht im eigentlichen Sinn. Klar, es gibt die Flyer mit dem Hannes-Konterfei – aber ohne Datum und Personalisierung. Die richten sich einerseits an alle, die Hannes schon kennen. Andererseits sollen sie neugierig machen – und wer sich neugierig machen lässt, der verdient sich quasi dadurch, von der Werbung angesprochen zu werden. Hannes macht also Werbung – wofür? Erstmal für die Partys – die nächste steigt am 23. November in der Bar Morphine. Die Leute, die da dann feiern, sind alle kreativ – in welcher Weise auch immer. Die kommen so in Kontakt, feiern zusammen und tauschen sich aus. Mit anderen Worten: Hannes ist ein Netzwerk? Auch, ja. Ich würde es eher Plattform nennen. Wie ist Hannes konkret entstanden? Mitte vergangenen Jahres waren wir abends auf dem Kiez unterwegs, auf dem Weg zu einer Party. Dabei stellte sich heraus, dass wir beide eigentlich mehr Bock gehabt hätten auf etwas, das, naja, familiärer ist. Aber das gab es da nicht – weshalb wir die Idee hatten, selbst was zu machen. Also eine Party mit Waldmeisterbowle und Schnittchen, wie eine Geburtstagsfeier in groß. Das haben wir X mal gemacht, dann hatten wir anderes zu tun. Und jetzt lebt Hannes wieder auf. Wie kam es zu dem Namen? Wir wollten einen Namen, der norddeutsch klingt – wir sind ja hier in Hamburg. Und da passte Hannes perfekt. Für das Konterfei mit dem Schriftzug hatten wir lange herumexperimentiert, in 20, 30 Stilrichtungen. Dass Hannes jetzt aussieht, wie er aussieht, liegt daran, dass er uns so am besten gefällt. Und den Leuten, die wir gefragt haben.

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Illustration: Julia Schubert

Welcher Aufwand steckt dahinter, das Hannes-Konterfei so in die Öffentlichkeit zu bringen, wie Ihr das tut? Eigentlich gar keiner. Wir lassen das drucken und legen es aus, zum Beispiel im Schanzenviertel – die Verteilaktion ist ein Selbstläufer. Weil es die Leute, die das machen, selbst irgendwo gesehen haben und lustig finden. Gab es schonmal Ärger, weil Hannes auf einem Fremdplakat klebt – auf dem Gesicht von Jan Delay oder Samy Deluxe zum Beispiel? Bis jetzt nicht. Wir wollen ja nichts zerstören. Schon klar, Ihr wollt nur bereichern. Ja. Andere gehen am Wochenende mit Leidenschaft zum HSV oder auf St Pauli. Wir sind Hannes – da geht es auch um Spaß. Wir müssen da auch nicht immer nur Profit machen, ganz und gar nicht, bei den ersten Partys war der Eintritt frei. Wenn wir bei einer Party draufzahlen, dann ist es eben so. Dafür haben wir Spaß, lernen Leute kennen, feiern. Ihr bezahlt die Plakate aus eigener Tasche? Den DJ? Die Miete für den Club? Oder kriegt Hannes das gratis? Natürlich nicht. Inzwischen nehmen wir auch Eintritt – damit es Getränke geben kann, saubere Gläser und überhaupt eine Location. Anders ginge das gar nicht. Am Freitag feiern wir zusammen mit einem Getränkehersteller, der Hannes gut findet. In diesem Bezug sind wir generell offen. Dann kann es also sein, dass Non-Profit-Hannes bald eine Werbemarke ist? Hm. Naja, nicht in erster Linie. Aber irgendwer muss da sein, der die Fixkosten trägt. Und Kreative haben, was die Finanzen betrifft, ein hartes Leben…. Was soll aus Hannes denn nach Eurem Wunsch mal werden? Auch da sind wir offen. Erstmal wäre es natürlich schön, wenn er sich innerhalb der Hamburger Kreativszene weiter etabliert. Und wenn jemand Hannes gut findet, der nicht aus Hamburg kommt – warum nicht? Was da alles möglich ist, müssen wir selbst erstmal gucken.

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