Helfersyndrom hoch zwei in Bukarest

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Was denkst du über Demokratie und Beteiligung der Bürger an der rumänischen Gesellschaft? Der Slogan von Centras, dem Assistance Center for Nongovernmental Organizations, ist „Menschen für Demokratie und Demokratie für Menschen“. Das ist unser Leitsatz in einem Land, das versucht, sich von 45 Jahren Kommunismus zu erholen. Was bedeutet das? Die Leute hier sind noch dabei zu lernen, wie Demokratie funktioniert. Ich bin mit diesem Prozess aufgewachsen und ich weiß, dass es nur einen Weg gibt, Dinge zu verändern: Indem man selbst dafür sorgt, dass sie anders werden. Ich denke, das ist auch der Grund, warum ich mit der ehrenamtlichen Arbeit angefangen habe.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Sorana und ihr Kosmos des Helfens (Foto: privat) Was genau macht Centras? Ich nenne Centras gern „die Mutter aller NGOs“, weil unsere Arbeit hier anderen NGOs und der Zivilgesellschaft nutzen soll. Centras ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation. Unsere Aufgabe ist es, dazu beizutragen, dass die Demokratie in Rumänien sich weiterentwickelt, indem wir den Non-Profit-Bereich stärken. Unser Ideal ist eine Gemeinschaft, in der Öffentlichkeit, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten zum Wohle des Bürgers, und das alles im Geiste europäischer demokratischer Werte. Was will deine Organisation erreichen? Wir wollen dazu beitragen, dass rumänische NGOs entstehen und besser zusammenarbeiten. Außerdem sollen sie besser vernetzt sein mit der öffentlichen Verwaltung, den Medien, der Wirtschaft und natürlich den Bürgern. CENTRAS gibt es seit über zehn Jahren und wir sind eine der aktivsten rumänischen NGOs. Wir bieten Informationen für andere NGOs oder Leute, die sich engagieren wollen. Ganz konkret haben wir letztes Jahr zum Gesetz für Vereinigungen und Stiftungen beigetragen und haben inzwischen elfmal das NGO National Forum organisiert. Da kommen ungefähr 150 bis 200 Teilnehmer jedes Jahr. Außerdem gibt es einen Online-Spendenservice, bei dem jeder, Privatpersonen und Firmen, Geld an die Organisation überweisen können, die sie unterstützen wollen. Man muss nirgendwo hingehen oder hat Stress mit Bürokratie, sondern kann ganz einfach zielgerichtet helfen. Es gibt eine zweisprachige NGO-Datenbank mit über 750 Einträgen, wir organisieren Seminare und Trainings zu Themen wie Aufbau einer Organisation, Projektplanung und Management, Koordination von ehrenamtlichen Mitarbeitern oder Öffentlichkeitsarbeit. Und was ist deine Aufgabe dabei? Ich arbeite als Projekt-Assistentin. Das aktuelle Projekt ist ein Modell für die Kooperation zwischen NGOs, öffentlicher Verwaltung und privaten Firmen. Eine Firma für Werbemaßnahmen bietet NGOs kostenlos Platz für Poster und Reklametafeln, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln, damit sie Werbung für ihre Kampagnen machen können. Centras bezahlt die Druckkosten und die Firma platziert die Poster und Tafeln. So können Organisationen Werbung machen, was sie sich sonst nicht leisten könnten. Warum arbeitest du ausgerechnet für diese Organisation? Centras stellt Ressourcen für andere Organisationen zur Verfügung und hat inzwischen einen gewissen Namen in Rumänien. Mitte der 90er, als Centras gegründet wurde, gab es wenig Leute, die wussten, was „Zivilgesellschaft“ bedeutet, und noch weniger, die daran geglaubt haben. Einige dieser Leute sind heute meine Kollegen. Ich bin seit Anfang 2006 dabei als ehrenamtliche Mitarbeiterin, weil eine Professorin an der Uni sich auch bei Centras engagiert und uns davon erzählt hat. Erst habe ich als Reporterin für „Attitudes“ berichtet, das Magazin, das Centras einmal im Monat herausgibt, berichtet. Später wurde mir die Stelle als Projektassistentin angeboten. Engagieren sich viele junge Leute in Rumänien bei NGOs? Eigentlich arbeiten vor allem junge Leute für NGOs, Studenten oder sogar Schüler. Einige hören auch wieder auf, wenn sie dann einen Job haben und Karriere machen wollen, das ist schade, aber wahrscheinlich auch normal in gewissem Maße. Mein ältester Kollege ist 55, aber die meisten sind unter 40 und drei von uns sind erst 22. Wie erfahrt ihr, ob Eure Arbeit erfolgreich ist? Bei jedem Projekt gibt es eine Evaluationsphase, in der wir anfangen zu zählen: Wie viele Leute haben bereits von unserer Arbeit profitiert, wie viele werden in der Zukunft noch davon profitieren. Wir gucken auch, wie viel Geld schon gespendet wurde. Wir bekommen immer wieder Rückmeldung von anderen NGOs, dass unsere Datenbanken und Leitfäden ihnen helfen bei ihrer täglichen Arbeit. Wird „die Mutter aller NGOs“ immer notwendig sein oder könnt ihr die anderen NGOs irgendwann in der Zukunft allein weitermachen lassen? Fast jede Woche bekommen wir Anrufe von Leuten, die eine NGO gründen wollen, aber nicht wissen, wie sie das anstellen sollen. Rumänische NGOs versuchen, zusätzlich zu helfen, weil die Verwaltung hier nur begrenzt Hilfe bieten kann, zum Beispiel für alleinerziehende Mütter oder Behinderte. Es gibt also überall da NGOs, wo sie gebraucht werden. Und wir sind noch nicht an dem Punkt angekommen, dass alle Mitarbeiter von NGOs immer wissen, was zu tun ist oder woher sie Informationen bekommen.

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