Herr Kast, wie werde ich Autor?

Der Literatur-Schwerpunkt: Von Donnerstag bis Sonntag dieser Woche findet in Leipzig die Buchmesse statt und jetzt.de nutzt den Anlass, sich eingehend der "Literatur" zu widmen. Im Ressort Job bringen wir unter anderem in Erfahrung, wie man Lyriker wird, wie ein Sachbuchautor arbeitet und wo man sich zum Schriftsteller ausbilden lassen kann. Heute sprechen wir mit den Autoren Bodo Mrozek und Bas Kast über das Sachbuchschreiben.
michele-loetzner

Bas Kast, Jahrgang 1973, hat zwei Sachbücher verfasst: Die "Revolution im Kopf" und "Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt". Er plant gerade das dritte Buch. Kast studierte Psychologie und Biologie in Konstanz, Bochum und am Massachusetts Institute of Technology in Boston, USA. Heute arbeitet er als Wissenschaftsredakteur für die Tageszeitung "Der Tagesspiegel" in Berlin.

Kann ich mich zum Sachbuchautor ausbilden lassen? Es gibt wohl Kurse an der Volkshochschule und an der Uni oder an der Journalistenschule - in dieser Reihenfolge werden die auch besser. Aber es gibt meines Wissens nach keine spezielle Ausbildung. Mit welchen Qualifikationen werde ich Sachbuchautor? Es ist nützlich - aber nicht unbedingt notwendig -, dass man ein Fach aus dem Gebiet, über das man schreiben möchte, studiert hat. Wenn man, wie in meinem Fall, ein Buch über das Gehirn schreibt, ist es zum Beispiel von Vorteil, Biologie oder Psychologie studiert zu haben. Dadurch hat man viel Vorwissen. Außerdem lernt man in so einem Studium Themen nach ihrer Stichhaltigkeit und Studien nach ihrer Güte zu bewerten. Hat man dieses Vorwissen nicht, erscheinen einem die Studien alle gleichwertig. Ich finde, man merkt den Autoren oft an, ob sie ein zum Thema passendes Studium absolviert haben oder nicht. Es ist also wichtiger, sich gut auszukennen als gut schreiben zu können? Nein, das ist gleichwertig. Die Vorstellung, dass der Lektor das alles im Nachhinein richtet ist illusorisch. Genau aus diesem Grund gibt es wenige richtig schöne Sachbücher. Ich habe vor einiger Zeit eine monatliche Kolumne über Sachbücher geschrieben und dabei festgestellt, dass es wahnsinnig schwer ist, gut lesbare Sachbücher zu finden. Das Lesen soll ja Spaß machen, sonst kauft das Buch doch keiner. Wie arbeitet ein Sachbuchautor? Bei meinem ersten Buch war es so, dass ich angerufen und gefragt worden bin, ob ich ein Buch über das Gehirn schreiben möchte, eingebettet in eine Serie von anderen Sachbüchern. Weil das Buch sehr kurzfristig innerhalb von nur drei Monaten produziert werden sollte, hatte ich wenig Zeit um zu recherchieren. Mein Glück war, dass ich schon vorher in dem Thema drin war und auf alte Artikel und mein Studium zurückgreifen konnte. Außerdem ist ein Freund von mir Hirnforscher und ich bin zu ihm nach Italien gereist und habe dort jeden Abend mit ihm besprochen, was ich tagsüber geschrieben habe. Bei meinem zweiten Buch, einer Auftragsarbeit für den Fischer-Verlag, war sehr schnell klar, dass die Fülle an Studien zu diesem Thema extrem groß ist. Ich habe dann zwei Rechercheure engagiert, die für mich bestimmte Studien gelesen und zusammengefasst haben. Deren Ergebnisse und meine eigenen habe ich ausgewertet. Bei meinem dritten Buch, das ich gerade plane, werde ich eine Weltreise machen und Forscher aus der ganzen Welt befragen. Also: Es gibt verschiedene Methoden da heranzugehen. Das ist sehr vom Thema abhängig. Alle Ihre Bücher waren Auftragsarbeiten - macht es denn Sinn, selbstständig zu recherchieren und das Ergebnis dann einem Verlag anzubieten? Das ist gefährlich. Die Verlage wissen ja untereinander immer ungefähr, was der andere gerade plant. Wenn also der eine Verlag zu einem bestimmten Thema ein Sachbuch veröffentlich, wird der andere kaum gleichziehen. Einfach anzufangen zu schreiben und das Buch danach einem Verlag anzubieten hat außerdem noch einen anderen entscheidenden Nachteil: Man kann nicht mehr so gut mit dem Verlag verhandeln. Was macht den Spaß am Sachbuchschreiben aus? Allein das Suchen und Finden einer Idee macht schon Spaß, zu sehen, wie sie langsam an Form gewinnt. Das Thema sollte einen ja selbst auch interessieren. Wenn man dann das gesammelte Wissen in eine Struktur bringen kann und für sich selbst Antworten auf Fragen findet, ist das ein sehr schönes Gefühl. Kann man davon leben? In den wenigsten Fällen. Es gibt nur ganz wenige Autoren, die durch einen Bestseller ausgesorgt haben. Hat das Schreiben auch nervige Seiten? Das Meiste macht wirklich Spaß. Am schwierigsten finde ich, den Anfang zu machen, wenn die Recherche abgeschlossen ist: Ich sitze vor einem großen Berg mit Material und muss da Ordnung reinbringen. Vor dieser leeren Seite zu sitzen und gleichzeitig vom Verlag Prospekte zu bekommen, in denen das Buch schon angepriesen wird, ist sehr unangenehm. Der Druck ist enorm. Aber wenn dann mal so 50 Seiten stehen, stellt sich langsam Entspannung ein.

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Illustration: Julia Schubert

"Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt" ist erschienen im Fischer Verlag. 223 Seiten. 8,95 Euro. Und hier erklärt uns Bodo Mrozek, wie er vom Booteputzen zum Bücherschreiben kam und warum nur Bestseller-Autoren Geld verdienen.

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