Herzmist: “Unser Herz ist oft spießiger, als wir es gerne sein wollen“

Für ihr Buch "Herzmist" haben sich fünf junge Frauen getroffen, um 33 Fragen zu Liebe, Leid und Leidenschaft zu beantworten und natürlich um Klartext über Männer zu reden. Im jetzt.de-Interview erzählt die Journalistin Juleska Vonhagen, wie es dazu kam.
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Findest du eigentlich Frauen toll? Natürlich finde ich Frauen toll, aber auch Männer, klar … Ich hatte bei der Lektüre des Buches nämlich das Gefühl, dass sehr viel und ausführlich mit Klischees von Frauen herumgearbeitet wird: Frauen wollen heiraten, Frauen wollen Beziehungen, Frauen wollen fiese Männer, die sie dann umerziehen können… Da hatte ich schon das Gefühl, dass dieses Frauenbild kein besonders positives ist. Es heißt ja nicht, dass man schlecht wegkommt, wenn man heiraten will. Aber ich denke, es ist nun mal so: Ganz egal, wie freiheitlich wir reden und das argumentativ vertreten, unser Herz ist manchmal spießiger, als wir es gerne sein wollen. Dass man Männer umerziehen will, da würde ich vom Kopf her auch sagen, dass das totaler Unsinn ist. Aber trotzdem rauscht man immer wieder in die Falle hinein und macht es trotzdem. Kannst du dein Frauenbild denn beschreiben? Das ist eine schwierige Sache. Ich glaube, wir junge Frauen wollen gerne was aus unserem Leben machen, unbedingt einen Job haben, in dem wir uns ausleben können. Wir haben aber auch eine sehr romantische Ader und manchmal Angst, dass wir unsere Ziele vor lauter Romantik über Bord werfen könnten, weil das Gefühl manchmal dagegen steuert. Da ärgert man sich dann auch drüber. Wir sind auch ein bisschen paranoid, wollen immer genau wissen, warum was so ist. Du beschreibst also explizit kein feministisches Frauenbild? Nein, explizit sind wir das nicht. Ich weiß natürlich, dass die Aussage ein bisschen naiv klingt, wenn ich sage, dass ich Feminismus nicht brauche. Das kommt vielleicht ein bisschen zu sehr aus meinem kleinen Kosmos. Aber mir selbst ist es nun mal noch nicht passiert, dass ich mich benachteiligt fühlte.

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Illustration: Julia Schubert

Erzähl mal, wie „Herzmist“ entstanden ist? Ich weiß, die Geschichte klingt unglaubwürdig, aber sie ist wahr: Ich hatte diese ganzen langen Gespräche mit meinen Freundinnen und meiner Schwester und war danach ein kleines bisschen eingeschnappt, weil ich mir dachte: Man erlebt so viele Geschichten, auch mit Männern und beschäftigt sich ewig damit und unterm Strich kommt nichts dabei heraus. Man scheint nichts gelernt zu haben, macht weiter die gleichen Fehler immer wieder, es bleibt einfach nichts übrig. Und da habe ich dann so flapsig zu meiner Schwester gesagt, dass ich dann eben ein Buch darüber schreiben würde, damit es wenigstens irgendeinen Sinn hat. Und wie ist es dann weitergegangen? Ich habe ein paar Freundinnen gefragt, von denen dann einige zu dem Termin nicht konnten, andere waren etwas zurückhaltender, weil es ihnen zu privat war. Also habe ich mich dann für die entschieden, die sofort dabei waren und sich richtig gefreut haben. Und dieses aufgezeichnete Mädchengespräch lief dann an einem Abend ab? Nein, das waren insgesamt drei Abende à elf Themen. Das hat am Anfang Spaß gemacht, wurde irgendwann aber doch auch anstrengend. Diese Abende haben bis in die frühen Morgenstunden gedauert. Durften die Freundinnen das Manuskript lesen? Nein, drüberschauen durften sie nicht, aber ich habe ihnen grob gesagt, was sie da erzählt hatten und mir ihr okay abgeholt. Mittlerweile kennen sie das Buch auch und waren teilweise ein bisschen überrascht über ihre Aussagen - das war ja vor einem halben Jahr und bei manchen hat sich in der Zwischenzeit viel getan. Welchen Erkenntnisgewinn wünschst du dir für die Leser? In den 33 Kapiteln gibt es zum Teil durchaus eindeutige und originelle Lösungen für diese Herzmist-Probleme, die man zum Teil bisher so nicht gehört hat. Ich denke, dass Männer bei der Lektüre Mäuschen spielen können in so einer typischen Frauenrunde und sich vielleicht auch in die Denkstrukturen hineinlesen können. Und Frauen tut es vielleicht gut, wenn sie merken, dass sie nicht alleine sind mit ihren Problemen, sondern dass sehr viele diese Probleme haben. Und vielleicht lassen sie sich auch von den Lösungsansätzen inspirieren. Herzmist ist bei Schwarzkopf&Schwarzkopf erschienen und kostet 9.90 Euro

Text: christina-waechter - Foto: Verlag

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