Was ist „Jugend testet“? Das ist ein Wettbewerb, bei dem junge Leute selbständig Produkte, die sie interessieren, kritisch hinterfragen und testen können. Was für Produkte und Dienstleistungen werden getestet? Zwei 16-jährige Mädchen haben zum Beispiel geprüft, welcher Tintenkiller am besten ist. Dazu haben sie große Papierbögen komplett mit Tinte eingepinselt und dann angefangen, diese mit den Tintenkillern wieder zu löschen, um so die "Löschkapazität" der Tintenkiller zu ermitteln. So stellten sie fest, dass ein guter Tintenkiller bis zu 1.500 Quadratzentimeter, ein schlechter nur an die 900 schafft. Eine andere Gruppe untersuchte die Kummerseiten verschiedener Jugendzeitschriften, also von Bravo, Bravo Girl, Mädchen und Konsorten. Sie schickten den Redaktionen fiktive Briefe zu. In einem ging es um Teenagerschwangerschaft, etwa so: Janine, 16, schreibt: „Hilfe, ich glaub, ich bin schwanger, was soll ich tun?“ Interessant ist, in welchen Zeiträumen die verschiedenen Zeitschriften antworteten. Das waren zwischen zwei Wochen und fünf Monaten. Das macht beim Thema Schwangerschaft eine Menge aus... Ich kann mich auch an zwei Jungs erinnern, die, damals noch mit 1000 DM, Banken auf sinnvolle Anlageberatung testeten. Bei ihrem Test ging es den beiden vor allem darum, ob sie ernst genommen werden, obwohl sie erst 18 und 19 waren. Die meisten Banken nahmen die Jungen sehr ernst, rieten ihnen von Börsenspekulation ab, wenn sie den Verlust des Geldes nicht verschmerzen könnten. Nur einer empfahl ihnen, doch lieber ordentlich „einen Heben zu gehen“ von dem Geld.

352894

Erster Platz bei Jugend testet 2005: Ein Schülerteam aus Heidelberg verglich Mittel und Wege zur Zahnaufhellung. (Foto: Stiftung Warentest) Wer darf mitmachen? Teilnehmen können alle, die zwischen 13 und 19 Jahre alt sind. Wenn jemand in der Gruppe schon 20 ist, dann zählt für uns das Alter der Mehrheit. Sind alle anderen 19, drücken wir gerne ein Auge zu. Der Gruppensprecher sollte aber auf alle Fälle zwischen 13 und 19 sein. Wichtig ist vor allem, dass die Jugendlichen das Projekt selbst durchführen, egal ob alleine, mit Freunden, einem Sportclub oder mit der ganzen Klasse. Sie können sich zwar von Lehrern oder Eltern beraten lassen, aber es ist ihr Projekt, ihr eigener Test. Müssen die Tester denn Schüler sein? Nein, wir freuen uns über jeden, der mitmachen möchte. Wir bemerken immer wieder, dass die meisten junge Leute gerne in die Richtung testen, in der ihre Interessen liegen. Und ich bin immer wieder überrascht, wie leidenschaftlich unsere jungen Tester bei der Sache sind. Gibt es ein Projekt, das sie besonders beeindruckt hat, das Ihnen, seit Sie Projektleiterin sind, besonders im Gedächtnis geblieben ist? „Jugend testet“ gibt es ja schon seit 1979 und wurde regelmäßig, mit einer Unterbrechung in den 90er Jahren, alle zwei Jahre durchgeführt. Ich bin seit 1999 dabei, und mir sind vor allem zwei Projekte im Gedächtnis geblieben. Eine Förderschule testete einmal, ob Hühner mehr Eier legen, wenn sie mit Popmusik beschallt werden. Es war vor allem die Ausdauer, mit der sie ihr Projekt betrieben, die mich bei den Schülern beeindruckt hat. Sie beobachteten die Hühner ganze acht Wochen! Und ob Sie es glauben oder nicht: Die Hühner, die Popmusik hören durften, legten auch deutlich mehr Eier! Und ich bewundere immer wieder, wie es den jungen Testern gelingt, scheinbar alltägliche Themen durch ihre kreativen Ideen wirklich spannend zu gestalten. Beispiel Papiertaschentücher: Man muss sich ja erst mal überlegen, wie man denn überhaupt die Umweltfreundlichkeit von Papiertaschentüchern testet. Ein Team hatte sich überlegt, dass gute, nennen wir es Zersetzbarkeit der Taschentücher Rückschlüsse auf die Umweltverträglichkeit zulassen würde. Also haben sie sechs Eimer mit Erde befüllt und, um gleiche Testbedingungen zu schaffen, in jeden Eimer die gleiche Menge Insekten und Regenwürmer gesetzt. Dann haben sie die Töpfe im heimischen Garten drei Wochen der Witterung ausgesetzt, bevor sie den Grad der Verrottung maßen. Je nachdem, wie viel von dem Taschentuch noch übrig war, je weniger, desto besser natürlich, schnitten die verschiedenen Produkte ab. Was ist Ihnen wichtig und was ist Ihr Ziel mit dem Wettbewerb? Es geht uns nicht nur um das, was getestet wird, sondern auch um das Verfahren, mit dem getestet wird. Da ist wirklich Kreativität gefragt. Unser Ziel ist es vor allem, junge Leute zu animieren, die Dinge, die sie umgeben, zu hinterfragen. Viele freuen sich nachher auch eher über die Anerkennung als über die Geldpreise. Wir freuen uns besonders, wenn junge Leute merken, dass sie etwas bewegen können. Beispielsweise wenn Supermärkte nach einem Test auf Rollstuhlfahrerfreundlichkeit anfragen, ob die Jugendlichen auf Basis ihrer Testergebnisse helfen möchten, einen rollstuhlfahrerfreundlichen Einkaufswagen zu entwickeln. Online gibt es auch einen einen kurzen Film zu dem Thema.