"Ich bekomme ein normales Gehalt"

Dennis Buchmann gewann mit seiner Magazinidee den SCOOP!-Wettbewerb der Axel-Springer-Akademie. Ein Gespräch mit dem Chefredakteur von Humanglobaler Zufall über Geld, Bild und Zufall.
philipp-mattheis

Für Dennis Buchmann, 30, ging letzte Woche ein Traum in Erfüllung: Er ist Gewinner des SCOOP!-Wettbewerbs der Axel-Springer-Akademie. Über 2.000 Teilnehmer reichten Ideen für neue Magazine ein. Der Diplom-Biologe und Absolvent der Deutschen Journalistenschule (DJS) wird Chefredakteur seines eigenen Magazins. 500.000 Euro und zwei Jahre Zeit hat er nun, um Humanglobaler Zufall auf dem Zeitschriftenmarkt zu etablieren. Seine Idee: Jeder kennt jeden über sieben Ecken - Humanglobaler Zufall erzählt Geschichten von Gewinnern und Verlierern der Globalisierung, die alle miteinander vernetzt sind. Ein Banker in London, der täglich seine Zeitung bei einem pakistanischen Händler kauft, der einen Bruder in Belutschistan hat, der wiederum und so weiter und so weiter.

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Illustration: Julia Schubert

500.000 Euro klingt nach Lottogewinn. Kommst Du jeden Tag gegen 12 Uhr verkatert ins Büro oder wie schaut dein Arbeitstag jetzt aus? Ich gehe jeden Vormittag in mein Büro im Axel-Springer-Hochhaus und habe eigentlich einen ganz normalen Arbeitstag. Gerade recherchiere ich für die erste Geschichte, aber beschäftige mich auch mit Fragen wie: Welches Papier nutzen wir, wie sieht das Format aus, welche Marketingmaßnahmen könnten wir ergreifen und so weiter. Ansonsten lese ich viele Bücher über Zufall und Globalisierung. Du warst auf der Deutschen Journalistenschule in München und bist gerade mit der Ausbildung fertig geworden. Hast Du denn Ahnung von solchen Marketing-Sachen? Nein, ich bin für den Inhalt verantwortlich und deswegen sehr froh, dass mir ein Team zur Seite gestellt wurde. Das sind Mitarbeiter aus Vertrieb, Anzeigengeschäft und Redaktion, die parallel zu ihren bisherigen Aufgaben an der Zeitschrift mitarbeiten. Axel-Springer hat Dir also nicht einfach die halbe Million in die Hand gedrückt und gesagt: Mach mal. Nein, der Businessplan wurde gemeinsam mit Experten aus dem Unternehmen entwickelt und ich bekomme ein normales Gehalt. Das wird von den 500.000 abgezogen und mit dem Rest muss schließlich das Magazin produziert werden. Ich kann auch nicht einfach alle meine Freunde einstellen. Bei zwei Festangestellten, nach Tarif bezahlt, wäre die Hälfte des Geldes schon mal weg. Alle, die hier aus dem Haus mitarbeiten, machen das neben ihrem normalen Job, aus Idealismus. Für viele ist der Axel-Springer-Verlag noch immer eine Art „Hort des Bösen“. Stört es Dich nicht manchmal, jetzt beim Verlag von BILD angestellt zu sein? Ehrlich gesagt nicht. Axel Springer beziehungsweise die Axel Springer Akademie fördert mit SCOOP! meine Idee. Ich wäre doch blöd, wenn ich jetzt sagen würde: Ich kann mich mit der BILD-Zeitung nicht identifizieren und deswegen lehne ich es ab, mein eigenes Heft zu machen.

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Illustration: Julia Schubert

Humanglobaler Zufall soll Gewinner und Verlierer der Globalisierung porträtieren und gleichzeitig zeigen, wie eng die Welt vernetzt ist. Wie muss man sich das vorstellen? In jedem Heft stehen sechs Geschichten, die miteinander zusammenhängen und alle etwas über Globalisierung erzählen. Zum Beispiel die eines Investmentbankers, der in London Millionen verdient hat und eines Tages nach Deutschland gegangen ist, um dort Bio-Tütensuppen zu produzieren. Das ist die erste Geschichte. Dieser Mensch hat in London seine Zigaretten immer bei einem Pakistani gekauft. Der schickt sein Geld zu seiner Familie in Pakistan, deren Haus von einem Baulöwen bedroht wird, weil er ein Einkaufszentrum errichten will. Das ist die zweite Geschichte und so weiter und so weiter. Die zweite Ausgabe schließt dann nahtlos an die sechste Geschichte der ersten Ausgabe an. So entsteht mit der Zeit eine Perlenkette von Geschichten, die ein Ausschnitt aus dem weltweiten Netz von Menschen und Geschichten ist. Ist das nicht wahnsinnig aufwändig zu recherchieren? Ja, das wird verdammt aufwändig. Aber kein Mensch ist eine Sackgasse. Irgendwie geht es immer weiter. Als ich für die erste Geschichte recherchiert habe, hat sich die zweite bereits abgezeichnet. Der humanglobale Zufall ist verbreiteter, als man denkt. Wann erscheint die erste Ausgabe? Wir haben uns noch nicht genau festgelegt, irgendwann im Frühjahr 2008.

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