"Ich bin der Meinung, dass wir alle viel mehr musizieren, singen und tanzen müssten."

David Arnsperger studiert an der Berliner Universität der Künste das Fach Musical-Show.
michael-moorstedt

David Arnsperger studiert an der Berliner Universität der Künste das Fach Musical-Show. Am Freitag setzte sich der 24-Jährige beim „Bundeswettbewerb Gesang“ gegen knapp hundert andere Solisten durch und erreichte den mit 5000 Euro dotierten ersten Platz. Am Montag geben die Gewinner ein gemeinsames Konzert im Friedrichsstadtpalast, das vom Deutschlandradio gesendet wird. Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt sich das an, Teil einer Elite zu sein? Ich fühle mich eigentlich gar als Teil einer Elite. Ganz fassen kann ich es wohl noch nicht. Ich habe den Preis ja gerade eben erst erhalten. Kennst du das Wort Lampenfieber überhaupt noch? Natürlich. Ich war furchtbar aufgeregt. Aber ich habe zum Glück viele nette Leute, die mir gut zugesprochen und mich immer unterstützt haben. Auf was muss man verzichten, um so weit zu kommen? Darfst du überhaupt in verrauchte Clubs gehen oder schadet das deiner Stimme? Wenn ich die Zeit dafür hätte, dürfte ich das schon. Aber das Studium gibt einen sehr strengen Rahmen vor. Das macht es manchmal hart, man hat sehr wenig Zeit für sich selbst und auch sehr wenig Zeit, andere Leute kennen zu lernen. Man muss wirklich darauf achten, dass man in dieser Maschinerie nicht untergeht. Kriterium war neben den gesanglichen Qualitäten auch Gestus und szenische Präsenz. Wie schätzt du die Gewichtung zwischen Talent und Training ein? Natürlich haben wir auch regelmäßig Tanz- und Schauspiellektionen, es ist sehr wichtig, sein Repertoire zu beherrschen. Und man muss Spaß an der Sache haben, es hat wenig Sinn, wenn man etwas aufgedrückt bekommt, das nicht zu einem selbst passt. Das herauszufinden ist ein langwieriger Prozess. Im Finale hast du dich gegen 17 andere junge Talente durchgesetzt. War da eher Kollegialität oder Ellbogenmentalität angesagt? Ich habe versucht, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Deswegen habe ich mir vor meinem Auftritt auch keinen der anderen Mitbewerber angesehen. Das finde ich schwierig, weil es mich einerseits motivieren kann, man andererseits auch sehr schnell Vergleiche anstellt. Und sich dann denkt: „Oh Gott, sind die alle gut.“ Da bin ich sehr anfällig. Ich wollte mich nicht beeinflussen lassen. Verteidigungsminister Franz-Josef-Jung sagte kürzlich: „Deutsche Jugendliche sollten mehr singen. Musik und gemeinsamer Gesang führt positiv zusammen.“ Was hältst du davon? Das finde ich gut. Ich bin generell der Meinung, dass wir alle viel mehr musizieren, singen und tanzen müssten. Auch für uns selbst. Das sollte viel selbstverständlicher werden. Wenn ich mir Kollegen aus dem Ausland ansehe, wie normal sie damit umgehen und gleichzeitig mit so viel Leidenschaft – das ist wirklich beneidenswert. Und was findet sich in deiner privaten Plattensammlung? Sehr viel Sinatra und Big-Band Jazz. Früher eine Menge Rock’n’Roll, das habe ich aber im Laufe der Zeit größtenteils durch Klassik ausgetauscht. Aber ich höre eigentlich alles gerne, was ein bisschen Melodie hat und noch einigermaßen nach Musik klingt. Viele deutsche Musicaltheater kämpfen heutzutage mit der Pleite. Hat man überhaupt noch realistische Chancen auf ein Engagement? Wenn man eine solchen Einstellung hat, kann man es auch gleich lassen. Ich hoffe eigentlich, dass die Talsohle schon erreicht ist und es alles langsam wieder besser wird. Jede Kultureinrichtung hat zu kämpfen. Egal, ob Schauspieler am Stadttheater oder Opernsänger, die Einsparungen können jeden treffen. Was hältst du von solchen Wettbewerben wie „Deutschland sucht den Superstar“. Ist das heutzutage der bequeme Weg zum Erfolg? Ich muss gestehen, ich habe da spaßeshalber auch teilgenommen und bin in der ersten Runde rausgeflogen. Als ich es mir dann kürzlich das erste Mal ernsthaft angesehen habe, fand ich es schlimm, wie menschenverachtend da mit den Bewerbern umgegangen wird. Das gehört in meinen Augen echt verboten. Und zusätzlich werden noch fachlich inkompetente Kommentare in alle Richtungen verteilt. Da geht’s herzlich wenig um die Frage, wer singen kann oder nicht. Ich finde es erschreckend, dass sich so viele Leute an diesem emotionalen Striptease aufgeilen. Dann sollte man sich lieber treffen und zusammen singen, wie Herr Jung gemeint hat. Für viele ehemalige Gewinner war der Wettbewerb Karrieresprungbrett: Was sind deine Ziele? Irgendwann mal Lust, an den Broadway zu gehen? Konkret habe ich eigentlich nichts vor Augen, ich bin eben nicht so der typische Musicaldarsteller. Das kann in die verschiedensten Richtungen gehen, sei es Klassik oder Schauspiel oder Film. Aber das sind alles noch Träumereien.

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