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Eddie, in deinem Blog „The Eddie Argos Resource” konnte man vor kurzem einen offenen Brief an Axl Rose lesen. Darin erinnerst du den alternden Rockstar an die Zeit, in der er noch ein Großer war. Auf dem neuen Art Brut-Album gibt es nun auch einen Song namens „Axl Rose”. Warum ist er gerade ein so großes Thema bei dir?                                                                                                       Mein Bruder ist ein riesiger Axl Rose-Fan. Und da er Guns’N Roses noch nie live gesehen hatte, habe ich Karten besorgt, und wir sind zusammen zu einem Konzert gegangen. Leider war das absoluter Müll. Ich persönlich hatte zwar meinen Spaß, da ich eigentlich alles ganz lustig finde, was Axl Rose so macht. Aber für meinen Bruder war es natürlich ziemlich enttäuschend. Deshalb der Brief und der Song.

Glaubst du, dass Rockstars ein Verfallsdatum haben?
Ich wünschte, ich könnte das verneinen. Aber wenn ich mir manche Kollegen so ansehe, dann fürchte ich, dass es so etwas tatsächlich gibt.  

In deinem Blog schreibst du außerdem, du würdest nach wie vor fünf- bis sechsmal die Woche in die Indie-Disco gehen – zumindest, wenn du gerade mit Art Brut auf Tour bist. Es scheint, als würdest du dich auch mit 31 noch an deiner Jugend festkrallen.
Das war sicherlich eine Zeitlang so. Aber mittlerweile bin ich darüber hinweg. Heute mag ich das Touren einfach, weil ich immer von vielen netten Leuten umgeben bin. Und wenn man auf Tour ist, kann man ja nicht einfach schon um zehn ins Bett gehen. Irgendwer kommt doch immer und ruft: „Los, wir gehen alle noch ins ‚London’s Calling!’ Indie-Discos heißen doch immer ‚London’s Calling’. Oder ‚Panic’. Oder irgendwas mit ‚Trash’. Ich bin allerdings nur so oft in diesen Clubs, wenn ich auf Tour bin. Zu Hause gehe ich lieber mal in den Pub, als in die Indie-Disco.  

Apropos Pub: die ersten drei Songs auf dem Album handeln alle vom Trinken. „I’m still nervous on the way to the bar“, heißt es in „Clever Clever Jazz”. In „Lost Weekend” wird sich „from one cup to another” getrunken. Und in „Bad Comedian” erzählst du: „I spend some time drunk at the internet.” War das Trinken eine der Hauptinspirationen für die neuen Songs?
 Ich habe in meinem Leben schon ziemlich viel Zeit in irgendwelchen Bars verbracht, das stimmt schon. In „Lost Weekend“ geht es jetzt darum, dass man sich betrunken schnell in irgendeine fremde Person verliebt. Das kenne ich natürlich genauso wie das Trinken nach einem unschönen Beziehungsende, worum es in „Bad Comedian“ geht.  

In „Bad Comedian” singst du davon, dass du zwar betrunken online warst, aber selbst am Tag danach nichts davon bereuen würdest. Dabei ist einem doch in solchen Fällen jede geschriebene E-Mail peinlich – oder?
Doch doch, auch ich habe am Morgen danach schon so einiges bereut.  

 Könnte der Titel eures neuen Albums vielleicht auch als Titel der Texte stehen, die du nachts betrunken am Computer schreibst: „Brilliant! Tragic!” Schließlich neigt man dann doch sehr dazu, die Dinge zu dramatisieren – und sich dabei auch noch unheimlich schlau zu finden.
Ja, das stimmt. Auf der einen Seite ist man dann natürlich sehr ehrlich und glaubt auch, total clevere Dinge zu schreiben. Aber sie sind eben meist viel zu übertrieben dargestellt. Deshalb sollte man manchmal wirklich darauf verzichten, E-Mails oder SMS zu verschicken, wenn man doch weiß, dass dabei etwas schief gehen könnte.  

Und wie kam es dann zum Albumtitel?
Eigentlich wollte ich das Album „Wam! Bam! Power! Let’s Rock Out!” nennen. Aber als das Album fertig war, hat es sich einfach nicht nach „Wam! Bam! Power! Let’s Rock Out!” angehört. Alle Alben, die ich bisher gemacht habe, waren klare Rock’n’Roll-Alben. Dieses ist irgendwie nachdenklicher, mir ging in der Entstehungsphase einfach viel mehr durch den Kopf. Und das ist doch ,brilliant’ – oder?  

Gleich bleibt, dass deine Texte auch auf diesem Album klingen, als würdest du dich mit dem Hörer unterhalten wollen.
Das kommt daher, dass mir die meisten meiner Lyrics irgendwo auf der Straße einfallen und ich sie dann schnell mit meinem Handy aufnehme. Manchmal sieht das dann nicht nur so aus, als würde ich mit jemandem telefonieren, sondern hört sich auch so an. 

In einem Interview hast du mal gesagt, du würdest in deinen Songs gerne so klingen, als unterhieltest du dich mit jemandem im Pub. Und das, ohne zu clever klingen zu wollen. Dabei glaubt doch ein Mann oft schon nach zwei Bieren bei allem, was er erzählt, er sei besonders clever.
Absolut! Und vielleicht ist er dann sogar cleverer als vorher und hat ein paar gute Ideen mehr. Aber er ist dann sicherlich nicht intelligenter.  

Im Song „Sexy sometimes” singst du dann: „Everybody wants to feel sexy sometimes, I can make it happen with a voice like mine.“ Denkst du, du wärest weniger selbstbewusst, wenn du kein Rockstar wärst?
Ehrlich gesagt, bin ich ein ziemlich scheuer Typ.  

Möchte man gar nicht denken.
Doch! Ist aber so. Selbst in diesem Interview komme ich mehr aus mir heraus, als ich es sonst, im richtigen Leben, tue.  

Wann kann man dich denn im richtigen Leben als scheuen Typen erleben? Wenn ich ausgehe zum Beispiel. Selbst wenn ich mit der Band oder anderen Freunden unterwegs bin, gehe ich nicht sofort auf neue Leute zu und bin eher der Zurückhaltende in der Gruppe.


  „Brilliant! Tragic!” von Art Brut erscheint am 20. Mai auf Cooking Vinyl/Indigo.