"Ich gebe zu: Es ist ein bisschen nerdig"

Wie beim Hip Hop messen Kontrahenten live auf der Bühne ihre Skills: Beim "Cut and Paste"-Battle wird der beste Digital Designer Deutschlands gesucht. Ein Interview mit Organisator Atilano González
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jetzt.de: Hip Hop Battles kennt man ja. Funktioniert das Live Design Battle „Cut and Paste“ nach demselben Prinzip? Atilano González: Der Background ist sicher ähnlich. „Cut and Paste“ wurde 2005 in New York gegründet, wo die Hip Hop Battles als Inspiration gewirkt haben könnten.

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Illustration: Julia Schubert

15 Minuten Zeit um ein Bild zu erstellen: Designer beim "Cut and Paste"-Battle Wie beim Hip Hop messen also die Kontrahenten auf der Bühne ihre Skills. Oder wie muss ich mir ein Design Battle vorstellen? Man muss sich das vorstellen wie bei einem Pop-Rock-Konzert. Es gibt eine Halle, eine Bühne und DJs. Auf der Bühne stehen vier Rechner und über der Bühne hängen vier große Leinwände. Die Zuschauer können über diese Leinwände verfolgen, wie die Grafiker gegeneinander antreten. Das klingt ein bisschen nach… … Nerd-Veranstaltung, ich weiß. Aber als „Cut and Paste“ im letzten Jahr erstmals in Berlin stattgefunden hat, waren die Grafiker nicht nur unter sich, es kam auch viel designfasziniertes Publikum dazu. Ich habe festgestellt, dass die Leute von der Idee angefixt waren, dass auf der Bühne gerade live ein Bild entsteht. Wer steht dieses Jahr im Berliner Tape Club auf der Bühne? Es gab zwei Auswahletappen. Über eine Ausschreibung in Designschulen und –blogs, haben wir zuerst junge Grafikdesigner gesucht, die sich per Lebenslauf und Portfolio bewerben konnten. Dann haben wir die besten ausgewählt und zu einer Testrunde eingeladen. Sie haben von uns vorab ein Thema bekommen und hatten vor Ort 15 Minuten Zeit, um eine 2D-Grafik zu erstellen. Dann haben wir uns die Ergebnisse angeguckt und acht Designer ausgewählt, die am 18. April gegeneinander antreten werden. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um eine Siegchance zu haben? Es wird mit einem Grafik-Tablett gearbeitet, über das direkt digital eingezeichnet werden kann. Wer also ein guter Zeichner ist und über Bilder Emotionen schaffen kann, ist im Vorteil. In der Vorrunde hatten wir in diesem Jahr eine Bewerbung zum Thema Glück: Schwarzer Kreis mit einem "Yeah" und einem Ausrufezeichen in der Mitte. Das ist zwar ein lustiger Gag und schön minimal, aber im Kontext eines Design-Battles macht das natürlich keinen Sinn. Es bisschen mehr muss es schon sein. Die drei Grafiken der bisherigen Sieger der "Cut and Paste"-Serie 2009 zum Durchklicken:

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Wer entscheidet letztlich über Sieg und Niederlage? Es gibt eine Jury aus Designern, Künstlern, Pressevertretern. Um ein möglichst breites Spektrum abzudecken, sitzen beim 3D-Battle zum Beispiel ein Architekt, ein DJ oder auch mal eine Musikclip-Regisseurin in der Jury. Es gibt auch eine 3D-Konkurrenz? Ja, wir machen das dieses Jahr zum ersten Mal. Bei 3D ist alles ein bisschen nerdiger, das gebe ich zu. Hier haben die Grafiker insgesamt 20 Minuten Zeit, weil es komplexer ist. Bei Motion Graphics, also bewegten Bildern, sind es für einen 15-Sekunden-Clip sogar acht Stunden. Die Grafiker fangen da schon an, bevor das Event überhaupt begonnen hat. Was erwartet die Sieger? Die Gewinner treten im Juni beim großen Finale in New York gegen die Gewinner aller anderen Städte und Länder an. In New York lassen sich sehr schnell Kontakte knüpfen und man lernt Agenturen kennen. "Cut and Paste" richtet sich also vor allem an junge Designer, die international anknüpfen wollen. In zwei Sätzen: Worin liegt die Faszination des Design Battles? Ich glaube, das Besondere ist dieser Live-Moment auf der Bühne: Die Teilnehmer haben erst eine Woche vorher vom Thema erfahren, müssen aber in 15 Minuten ein Bild erstellen. Das stellt die Designer unter einen hohen Druck, der auch an der Bühne spürbar ist. Der Designwettbewerb "Cut and Paste" startete im November 2005 in New York. Mittlerweile werden in 16 Städten von San Francisco bis Sydney lokale Gewinner ermittelt, die im Juni zum internationalen Pixel-Schlagabtausch in New York antreten, um den Global Champion zu ermitteln. Der nationale Wettbewerb findet am 18. April im Berliner Tape Club statt. Mehr Infos auf cutandpaste.com. Fotos: cutandpaste.com

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